Poesiemeister

Auswertung 16

Auswertung 15

Ein wenig später als gewohnt... Leider hat es nie so recht klappen wollen mit der Auswertung, aber nun versuche ich es mal wieder. Und siehe: Die Zeit hat ordentlich Unheil angerichtet. Ich habe nämlich gerade gemerkt, daß ich offenbar die Datei gelöscht habe, aus der hervorgeht, wer denn eigentlich welchen Vorschlag 7-x gedichtet hat. Das heißt, daß ich diesmal keine Punkte vergeben kann. Schreibt mir bitte möglichst bald (zum Beispiel mit dem nächsten Zug), welcher Vorschlag von Euch ist, damit ich die Punkte richtig zuordnen kann. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir und spielt brav weiter mit.

Zum Trost ein kleiner Vierzeiler, den mir Stefan Schwaiger zugesandt hat:

   Parmesan und Partisan
   wo sind sie geblieben?
   Parmesan und Partisan
   man hat sie aufgerieben.

Die Vorgabe war:

      Die Seen hell, die Himmel weich,
      die Äcker rein und glänzen leise

Und hier die Einzelkritik (meist ohne Autor, siehe oben):

6-1

      die Englein gehen auf die Reise -
      es schweigt der Mensch gedankenreich.

Gewählt von Uwe Waldmann, erhält dieser Vorschlag einen Punkt. Na, wer war's?

Nach dem niiiiiedlichen Reh vom letzten Mal vorsichtig geworden, ordne ich diesen Vorschlag Qualle zu. Es ist einfach zu beschaulich, um wahr zu sein. [Markus Freericks]

Seit Beginn dieser Partie hat mich noch keine Fortsetzung in solche Gewissenskonflikte gestürzt. Dieses Ding riecht so sehr nach Qualles Schmalztopf, daß man es eigentlich nicht wählen darf. Aber was sonst? 6-4 gefällt mir, aber dürfte von Markus stammen (der schon seit Runde 2 mit Reimen geizt). 6-17 hätte ich vielleicht gewählt, wären die frühsten Vöglein nicht erst in der letzten Runde dran gewesen. Und des Frühlings neue, schwere, altgewohnte, lang verstummte, frohe, fortwährend gleiche, wundervolle Weise? Nein, dann schon lieber die Englein. [Uwe Waldmann]

6-2 (Peter Kretschmar)

      Die Böden schwer, die Ernten reich,
      Ein Storch zieht suchend seine Kreise.

Kein Punkt für Peter.

Nachdem die Äcker schon erwähnt wurden, sind die Böden etwas redundant. Zieht der Storch seine Kreise, weil noch keine Tümpel erwähnt wurden, in denen er Froschchöre zum Mittagessen finden kann? Dann vielleicht besser
Die Tümpel voll der Frösche Chör',
dem Storche wohl zur Mittagsspeise.
[Markus Freericks]

6-3

      Der Winter färbte viele Wangen bleich,
      doch nun horchen alle auf des Frühlings Weise

Auch diesen Vorschlag hat niemand gewählt.

Färbt Kälte nicht eher Wangen rot (zumindest, solange man nicht erfroren ist)? Und wieso dann denn das "doch" da, wollten die alle totenbleiche Wangen haben? [Jörg Mintel]

Der verdiente Gewinner unseres Sonderpreises für die meisten Silben. Bei dieser übermächtigen Konkurrenz haben 6-5 und 6-19 keine Chance. [Uwe Waldmann]

6-4

      und Berge wolkig himmelan,
      begegnen unserm Lauf.

Hierfür entschieden sich Nicole Grochowina und Mick.

6-4 ist es. Zugegeben: Das Versmaß ist nicht ganz korrekt, aber shit on it. Hier geht es es wenigstens nicht die Reise, Weise, Schneise und das alles leise. [Nicole Grochowina]

Steinstark! Diese Berge, wie sie einem beim Joggen begegnen, während man sich gerade über die Jogurette unterhält... [Qualle]

6-5

      unter dem Mondenschein ach so bleich
      erstrahlst auch Du in neuer Weise.

Nicht erstrahlen tun hier Punkte.

Ach so bleich? Ach so ist ach so out. [Qualle]

6-6

      Die Au verwaist, ragend der Deich,
      vom Licht' Lunas auf ihrer Reise.

Die Au verwaist, ragennt der Deich. Nett. Leider kein Punkt.

Mit dem Apostrophe will uns der Dichter offenbar sagen, daß er hier dem Versmaße zuliebe auf das sonst unübliche Dativ-e verzichtet. [Uwe Waldmann]

6-7

      ich lieb dies Land, und muß doch gleich
      still klagend auf die Reise

Jörg Mintel entschied sich für diesen Vorschlag.

Nicht schlecht. Kam in die innere Auswahl, flog aber wg. Silbenzahl raus. Wenn's ne "lange" oder "schwere" oder "weite" Reise gewesen wäre, hätt's vielleicht anders ausgesehen. [Markus Freericks]

Ist mit 6-21 zusammen in der engeren Auswahl gelandet. Hm, ich denke, ich wähle dies hier. Hat etwas mehr Aussage, ist nicht ganz so glatt. [Jörg Mintel]

6-8

      Wie glücklich zeigt sich die Natur,
      doch schlägt das Herz auf schwere Weise

Ralf Reske gab hier einen Punkt.

Ganz gut gemacht, doch etwas quallig. [Alex]

6-9

      Der seidge Wind auf seine Weise
      die Ähren wiegt, die Ernte reich.

Armin Michel meinte, dies sei das Original. Stimmt aber nicht...

O weh, das ist ja noch qualliger! Der seidge Wind! Das ist durchaus ein Out-Wort wert. "Seidge" kann man doch nun wirklich nicht dichten. [Alex]

6-10 (Gottfried Benn)

      doch wo sind Sieg und Siegsbeweise
      aus dem von dir vertretenen Reich?

Max und Jörg Schepers haben sich hier jeweils zwei Punkte verdient, die ich aber in der diesmaligen Tabelle nicht berücksichtige, weil ich die erst zum nächsten Mal aktualisieren kann.

Das Originalgedicht geht so:

Einsamer nie als im August:
Erfüllungsstunde -, im Gelände
die roten und die goldenen Brände,
doch wo ist deiner Gärten Lust?

Die Seen hell, die Himmel weich,
die Äcker rein und glänzen leise,
doch wo sind Sieg und Siegsbeweise
aus dem von dir vertretenen Reich?

Wo alles sich durch Glück beweist
und tauscht den Blick und tauscht die Ringe
im Weingeruch, im Rausch der Dinge,-:
dienst du dem Gegenglück, dem Geist.

An diesem 1936 entstandenen Gedicht fasziniert mich besonders das Ende der vorletzten Zeile: ",-:". Ob das wohl ein rechtsgekippter Smilie ist?

(Gewählt,...) Weil zum einen nur in 6-10 eine Person direkt angesprochen wird. Zum Anderen gehört diese Fortsetzung zu der kleinen Minderheit, wo nicht das Klassische "a-b-a-b" gereimt wird, sondern "a-b-b-a". [Max]

Meine Kombination war: Die Poesiefalschmünzer, die sich inhaltlich eine so bizarre Fortsetzung ausdenken, tun das entweder in perfektem Reim und Versmaß, oder sie weichen auch in der Form von der Vorlage in krasser Manier ab. Hier stimmt alles - bis auf "vertretenen" statt "vertret'nen". Diese souveräne Lässigkeit weist auf authentische Dichtung hin. Außerdem bin ich auf den Kontext gespannt und wäre sehr entäuscht, wenn es keinen gäbe! [Jörg Schepers]

Da wienern die Leute die Felder bis sie glänzen, und trotzdem denkt hier jemand nur an militärische Nebensächlichkeiten. [Jörg Mintel]

6-11

      Das Land liegt still, doch farbenreich
      in seiner altgewohnten Weise

Peter Kretschmar hat für den Vorschlag gestimmt.

Komischer Kontrast, Geräusch-Farbe. Hatte das Land zwischendurch eine laute schwarz-weiße Phase durchlaufen (die Assoziation eines Punk-Landstrichs drängt sich mir auf)? [Markus Freericks]

6-12

      erklingt die lang verstummte Weise
      des Friedens in ganz Österreich.

Diese Weiterdichtung erwählte sich Markus Freericks.

Und noch ein Mitdichter mit kriegerischen Gelüsten. Jaja, da steht zwar so nett und unschuldig ein Frieden in den Zeilen herum, aber zwischen ihnen ist jahrelanger Krieg herauszulesen. Sowas wollen wir mal nicht auch noch durch Punkte unterstützen. Außerdem ist der Übergang zwischen Original und Fortsetzung hier etwas seltsam. Entweder soll das eine Frage sein, oder -Silbenzahl hin oder her- da gehört ein "Es" oder ähnliches an den Anfang. [Jörg Mintel]

Also, das wäre ja nun wirklich die Höhe. Einfach sämtliche Kommata in der Vorgabe weglassen, so daß sich der Sinn ändert. Nene, sowas tut Khurrad nicht. [Alex]

6-13

      O daß kein Ende dieser Reise,
      auf Schwingen silbern, vogelgleich.

Schön. So sinnlos, so silbern, so punktlos.

Da wurde also endlich mal das "Himmel"-Motiv aufgegriffen. Irgendwie fehlt mir aber das Verb. Weil am Ende ein Punkt ist, kann es nicht nachgereicht werden, also fehlt es oder muß noch vor den Vorgabezeilen kommen (= viel zu weit weg). [Markus Freericks]

6-14

      Die Herzen hoch, die Früchte reich,
      und aus den Gräsern, horch, die Weise.

Ohne Punkt blieb auch diese Fortsetzung.

Die erste Zeile ist prima, außer den reichen Früchten. Eigentlich müßten es reife Früchte sein, aber das reimt sich ja leider nicht auf "weich". Wie schade. [Alex]

6-15 (Jörg Mintel)

      Von Worten jetzt der Dichter reich,
      von ihrem Klang die Menschen weise

Benjamin und Ralph Jacobs meinten: hier muß er hin, der Punkt.

Bevor jemand diesem (meinem) Vorschlag eine Sinnkrise vorwirft: Als ich damals die Vorgabe las, kamen mir die gewählten Attribute immer seltsamer vor. Seen-hell geht ja noch (obwohl ich eher an "dunkel" denken würde), aber Himmel-weich?! Und dann Äcker-rein/glänzend (Äcker sind doch immer voll Erde)?!?! Ok, war ein Anfall von fehlendem Einfühlungsvermögen in die Dichterische Freiheit. Tja, und da hab ich das dann aus Sicht eines leicht frustrierten Dichters noch etwas gesteigert. [Jörg Mintel]

Hier ist meine Wahl. Ergriffen bin ich, staunend bleich. Und ist es vergebens, so dünkt es mir doch ein schönes Motto für den Poesiemeister zu sein. [Ralph Jacobs]

Möglich. Nicht allzusehr die Vorgabe imitiert. Der Gegensatz (Dichter-Menschen) hat zwar was qualliges, aber jeder Punkt für Kay ist ja ungefährlich. [Benjamin]

6-16

      Der Winter gründet bald sein Reich:
      macht manches weiß und manchen weise.

Ein prima Spruch. Hat zwar wenig mit der Vorgabe zu tun, aber ist in sich wirklich gut. Alexandra Musto, Ralf Schiffers, Stephan Hellwig und Stefan P. Wolf haben diesen Vorschlag gewählt.

Mein Tip in der 6. Runde ist 6-16. Selbst wenn's nicht das Original ist, hat der Dichter wenigstens keine Ähren auf die reinen Äcker gesetzt und das Versmaß gut getroffen. Das ist auf jeden Fall einen Punkt wert. [Alexandra Musto]

Ich habe zwar nicht begriffen, warum der Winter wie wen "weise" machen soll, aber das Teil klingt doch sehr hübsch. Mal abgesehen von dieser netten Allegorie. Ist ja fast schon ein Aphorismus...Mein Tip also: 6-16! [Stephan Hellwig]

6-17

      Bereit für ihre lange Reise,
      die ersten Sommervögel gleich.

Digger fand diesen Vorschlag prima: ein Punkt.

6-18 (Benjamin)

      Der Weiße Riese schwimmt im Teich
      und Omo ist des Fisches Speise.

Qualle hat Benjamin hierfür einen Punkt geschenkt. Hat er auch verdient: zwar völlig originalunfähig, aber ein Baustein meiner Kampagne "Verbietet die Werbung für Waschmittel und Damenbinden!".

Toll! Der Dichter bekommt von mir einen Genialitätspunkt ehrenhalber. IMHO der originellste von allen 22 Vorschlägen. (Nur leider nicht der "originalste", fürchte ich) [Jörg Mintel]

Und das wähl ich jetzt. Wenn es schon keine Ablachpunkte mehr gibt, dann hat sich dieser Dichter halt einen echten Echtpunkt verdient. [Qualle]

Ja, ja. Für etwas Ausgefalleneres habt Ihr nichts übrig. Nicht mal, wenn es von Form und Inhalt paßt. Dann gibt's eben weiterhin die üblichen Feuerbrände, Friedenshände, Altweibersommer und schwarzenden Leeren. Aber nölt dann nicht rum, ich würde immer den gleichen Müll dichten. [Benjamin]

6-19

      und Frühlingsluft, an Düften reich,
      bringt aus dem Tal herauf des Schäfers frohe Weise

Leider keinen Punkt.

Nett. Die lange Zeile liest sich gut. Bei der Vorgabe "Seen-Äcker" assoziere ich allerdings eher flaches Land als Berg-und-Tal. [Markus Freericks]

6-20

      Es fällt der Regen sanft und reich
      Fortwährend auf die gleiche Weise.

Uah. Gähn. Fallender Nieselregen macht mich immer so müde. Gibt keinen Punkt.

Ist auch stark, weil logisch: Der Regen fällt immer von oben nach unten. [Ralf Reske]

6-21

      Im Sonnenlicht erstrahlt die Welt
      auf eine wundervolle Weise

Diese Weiterdichtung wählten Asrael und Ralf Menzel.

Das könnte es sein. Hinreichend nichtssagend, um mitten aus einem längeren Gedicht rausgerissen zu sein. [Markus Freericks]

6-22

      Ein Tag wie Schweben, und zugleich
      Beginn der ersten Seelenreise.

Einen Punkt von Alex Mottok.

Hmmm... was könnte das heißen? Vielleicht meinte der Autor "Ein Tag wie Schweden"? Oder auch "Ein Tag wie Schwaben"? Und überhaupt, die erste Seelenreise... wieviele kann man denn pro Jahr buchen? [Alex]

Die Tabelle fällt diesmal aus.

Auswertung 15

Schlußbemerkung (18. 12. 2001):

Tja, und das war auch das Ende dieser Poesiemeisterrunde. In den letzten Monaten des Jahres 1994 passierte bei mir viel Privates; insbesondere zog ich um, verliebte mich, zog noch mal um und 1995 heiratete ich. Dabei ist leider "Poesiemeister" unter die Räder gekommen. Erst 2000 habe ich eine weitere Staffel gestartet. Die Auswertungen kann man hier ebenfalls lesen.