Poesiemeister

Auswertung 15

Auswertung 14
Auswertung 16

Maastricht war heiß und hustig, daher nur mittelgut. Genauer gesagt: die erste Woche war prima, während schon das Wochenende andeutete, was dann die zweite Woche auch grausam verwirklichte: Krankheit drohte. Husten, anschließend die üblichen grippalen Anfälle - da mußte man schnell nach Hause, um sich allein in den Schlaf zu greinen.

Ihr habt sicherlich alle mitbekommen, daß es diese Auswertung nur für die SOFTBOX-User und diejenigen, die unmittelbar bei deceiver pollen, direkt gibt. Die anderen können leider nur die Auswertung über die Bretter, in die sie üblicherweise gepostet wird, bekommen. Das liegt daran, daß ich für Mail Geld bezahlen muß, und zwar gar nicht mal so wenig. Übrigens auch für ankommende Mail, schnief.

Hier ein Brief von Bernd Reh zum Land abpflügen:

Hallo Poesiemeister!

Jemandem (etwas) abpflügen heißt: Land "gewinnen". Früher (heute auch noch) grenzten die Felder von Bauern oft unmitelbar aneinander. Da lag es nahe, wenn man als Zweiter pflügt, einfach von des Nachbars Feld noch ein, zwei Reihen mit umzupflügen. Das war dann 'neues Land'. Evtl. Versetzen rumstehender Grenzsteine sichern diesen Anspruch zusätzlich. Deshalb werden heute meist auch 1/2 Meter unter den Grenzstein sogenannte "Hütchen" eingebuddelt, damit man die Versetzung merkt.

Die Vorgabe war:

      Sie reiten durch den Wald. Kein Lüftchen regt sich heut.
      Zersplittert liegen Ästetrümmer quer im Pfad.

5-1 (Stefan P. Wolf)

      Sie treiben sich zur Eile. Schnauben und Hufe - unwirklich laut.
      Mit jeder Minute scheint die Schneise dunkler und enger.

Die Sonne scheint heller und heißer, die Schneise dunkler und enger. So gibt das keinen Punkt.

Vom Inhalt her herrlich. Aber die Vorgabe hat so schöne Hexameter, das kann nicht so weitergehen. [Jörg Schleicher]

Und nach jedem Durchlesen erscheint mit diese Fortsetzung dumpfer und unpassender. [Alex]

5-2 (Jörg Schleicher)

      Die Pferde tänzeln leicht. Er greift nach ihrer Hand,
      und kein Gedanke reicht mehr an den Sturm zurück.

Ralf Menzel und Benjamin fanden den Vorschlag gut - 1 Punkt.

Tja, Benjamin, Kitsch as Kitsch can (oder wie hieß das??). Ich wähl das jedenfalls nicht! [Lewando]

5-2 und danach 5-3, diese beiden gefallen mir inhaltlich am besten. Aber wie heißt es doch: Wiederhole keine alten Fehler -- die Auswahl an neuen ist groß genug. Zweimal habe ich auf Fortsetzungen getippt, die nicht oder nur teilweise reimten, und zweimal habe ich damit Markus erfreut. Nicht schon wieder. Dieses Mal ist mir der Inhalt völlig egal; Hauptsache, Versmaß und Reim stimmen. [Uwe Waldmann] Wie man's macht, macht man's verkehrt.

Heute kein Lüftchen, aber Ästetrümmer. Also gestern Sturm. Ein durchaus nachvollziehbarer Gedankengang, der für's Original sprechen könnte. Aber diese geschickt eingeflechtete Liebenden-Romantik riecht zu sehr nach Punktefang. Außerdem: Er, Sie, ein Sturm um sie herum und daran denkt keiner mehr? [Jörg Mintel]

5-3 (Markus Freericks)

      Von Fern her schlägts halb Drei. Die Sonne sticht herab.
      Noch zwanzig Meilen bis zum Hof der Lilienthals!

Dieser Name - schön! Immerhin hat der Vorschlag auch eine Stimme, nämlich die von Peter Kretschmar, abgekriegt.

Fast hätte ich es genommen, aber die herabstechende Sonne störte mich doch zu sehr, sollte der Wald dermaßen licht sein? [Ralf Schiffers]

Yeah! Die Sonne zieht ihr Messer und sticht eiskalt zu. Das Lilienthal einzuführen, hat auch was. Aber von wo schlägt es denn bitte halb drei? Hat da jemand seinen Wecker angelassen? [Alex]

Klingt ein wenig nach John Maynard. Außerdem habe ich die Nase voll von Eigennamen. [Benjamin]

5-4 (Peter Kretschmar)

      Ringsum bleibt alles still. Der Atem klingt schon laut.
      Der weiche Grund dämpft federnd jeden Schritt.

Für mich die beste Fortsetzung. Ich finde das Original schon gut, aber diese Fortsetzung hat es ebenfalls. Allerdings etwas handlungsarm - was soll's. Max, Ralf Schiffers, Jörg Mintel und Stefan P. Wolf haben hierfür gestimmt.

Störend ist das Füllsel "schon", ansonsten gefällts mir. Vielleicht ein wenig zu stark an die Vorgabe angelehnt. Kam in die engere Wahl, und ist um Haaresbreite von 5-12 geschlagen. [Markus Freericks]

Dann aber doch bitte "Der Atem klingt schön laut". Außerdem stimmt die Silbenzahl in der zweiten Zeile nicht- außer man liest es so, daß schon bei "federnd" das Tempo halbiert wird, das wäre natürlich genial, weil es zum Inhalt der Zeile paßt... [Alex]

5-5 (Conrad Ferdinand Meyer)

      Die frühsten Vöglein zwitschern, halb im Traum noch.
      Friedsel'ge Wolken schwimmen durch die klare Luft

Das Gedicht stammt von meinem Lieblingsdichter, zu dem mein altes Gedichtbuch folgendes sagt:

Konrad Ferdinand Meyer. 1825 - 1898.

Neben Gottfried Keller steht Meyer als Vertreter der Schweiz in der Reihe der neueren deutschen Dichter. Obgleich auch in Zürich geboren, hat er mit Keller wenig Berührungspunkte gehabt, da Herkunft und Lebensschicksale durchaus verschieden waren; denn Meyer hatte als Sohn einer reichen Patrizierfamilie die Sorge um das tägliche Brot nur vom Hörensagen kennen gelernt.

Sein Vater starb früh, und die Mutter, obwohl fein gebildet, war der Aufgabe, dem jungen Mann auf den rechten Weg zu helfen, nicht völlig gewachsen. Auf ihren Wunsch studierte er Rechtswissenschaft; doch bald wandte er sich geschichtlichen Studien zu. Längere Zeit hielt er sich Lausanne, Genf und Paris auf; auch Italien lernte er genau kennen. Die französische Sprache beherrschte er ebensogut wie die deutsche; ja, er hatte zeitweilig die Absicht, sich um eine Professur für französische Sprache und Literatur zu bewerben. Seine ersten Balladen dichtete er, 39 Jahre alt, zwar in deutscher Sprache, doch kam er aus dem Schwanken nicht heraus. Klarheit über sich selbst erlangte er erst in den Tagen, als Deutschland mit Frankreich rang: "Achtzehnhundertsiebzig war für mich das kritische Jahr. Der große Krieg, der bei uns in der Schweiz die Gemüter zwiespältig aufgeregt, entschied auch einen Krieg in meiner Seele. Von einem unmerklich gereiften Stammesgefühl jetzt mächtig ergriffen, tat ich bei diesem weltgeschichtlichen Anlasse das französische Wesen ab, und, innerlich genötigt, dieser Sinnesänderung Ausdruck zu geben, dichtete ich 'Hutters letzte Tage'." Während der folgenden beiden Jahrzehnte hat Meyer lyrische Gedichte, Balladen und geschichtliche Novellen geschrieben.

In den letzten Jahren lebte er auf seinem Landsitz zu Kilchberg am Züricher See. Er hatte unter schwerer Nervenerkrankung zu leiden, die sich bis zur Umnachtung des Geistes steigerte. Zwar erlangte er in einer Heilanstalt die Klarheit des Geistes zurück, doch blieb er bis zu seinem Tode ein gebrochener Mann.

Und so geht das Original:

   Die Füße im Feuer.

   Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm.
   Der Donner rollt. Ein Reiter kämpft mit seinem Roß,
   springt ab und pocht ans Tor und lärmt. Sein Mantel saust
   im Wind. Er hält den scheuen Fuchs am Zügel fest.
   Ein schmales Gitterfenster schimmert goldenhell,
   und knarrend öffnet jetzt das Tor ein Edelmann...

   "Ich bin ein Knecht des Königs, als Kurier geschickt
   nach Nimes. Herbergt mich! Ihr kennt des Königs Rock!"
   "Es stürmt. Mein Gast bist du. Dein Kleid, was kümmert's mich?
   Tritt ein und wärme dich! Ich sorge für dein Tier!"
   Der Reiter tritt in einen dunklen Ahnensaal,
   von eines weiten Herdes Feuer schwach erhellt,
   und je nach seines Flackerns launenhaftem Licht
   droht hier ein Hugenott im Harnisch, dort ein Weib,
   ein stolzes Edelweib aus braunem Ahnenbild...
   Der Reiter wirft sich in den Sessel vor dem Herd
   und starrt in den lebend'gen Brand. Er brütet, gafft...
   Leist sträubt sich ihm das Haar. Er kennt den Her, den Saal...
   Die Flamme zischt. Zwei Füße zucken in der Glut.

   Den Abendtisch bestellt die greise Schaffnerin
   mit Linnen blendend weiß. Das Edelmägdlein hilft.
   Ein Knabe trug den Krug mit Wein. Der Kinder Blick
   bangt schreckensstarr am Gast und bangt am Herd entsetzt...
   Die Flamme zischt. Zwei Füße zucken in der Glut.

   "Verdammt! Dasselbe Wappen! Dieser selbe Saal"
   Drei Jahre sind's... Auf einer Hugenottenjagd...
   Ein fein, halsstarrig Weib... 'Wo steckt der Junker? Sprich!'
   Sie schweigt. 'Bekenn!' Sie schweigt. 'Gib ihn heraus!' Sie schweigt.
   Ich werde wild. Der Stolz! Ich zerre das Geschöpf...
   die nackten Füße pack' ich ihr und strecke sie
   tief mitten in die Glut... 'Gib ihn heraus!'... Sie schweigt.
   Sie windet sich... Sahst du das Wappen nicht am Tor?
   Wer hieß dich hier zu Gaste gehen, dummer Narr?
   Hat er nur einen Tropfen Bluts, erwürgt er dich."
   Eintritt der Edelmann. "Du träumst! Zu Tische, Gast..."

   Da sitzen sie. Die drei in ihrer schwarzen Tracht
   und er. Doch keins der Kinder spricht das Tischgebet.
   Ihn starren sie mit aufgeriss'nen Augen an -
   den Becher füllt und übergießt er, stürzt den Trunk,
   springt auf: "Herr, gebet jetzt mir eine Lagerstatt!
   Müd' bin ich wie ein Hund!" Ein Diener leuchtet ihm,
   doch auf der Schwelle wirft er einen Blick zurück,
   und sieht den Knaben flüstern in des Vaters Ohr...
   Dem Diener folgt er taumelnd in das Turmgemach.

   Fest riegelt er die Tür. Er prüft Pistol und Schwert.
   Gell pfeift der Sturm. Die Diele bebt. Die Decke stöhnt.
   Die Treppe kracht. Dröhnt hier ein Tritt? Schleicht dort ein Schritt?
   Ihn täuscht das Ohr. Vorüber wandelt Mitternacht.
   Auf seinen Lidern lastet Blei, und schlummernd sinkt
   er auf das Lager. Draußen plätschert Regenflut.

   Er träumt. "Gesteh!" Sie schweigt. "Gibt ihn heraus!" Sie schweigt.
   Er zerrt das Weib. Zwei Füße zucken in der Glut.
   Aufsprüht und zischt ein Feuermeer, das ihn verschlingt...
   "Erwach'! - Du solltest längst von hinnen sein! Es tagt!"
   Durch die Tapetentür in das Gemach gelangt,
   vor seinem Lager steht des Schlosses Herr - ergraut,
   dem gestern dunkelbraun sich noch gekraust das Haar.

   Sie reiten durch den Wald. Kein Lüftchen regt sich heut,
   zersplittert liegen Ästetrümmer quer im Pfad.
   Die frühsten Vöglein zwitschern, halb im Traum noch.
   Friedsel'ge Wolken schwimmen durch die klare Luft,
   als kehrten Engel heim von einer nächt'gen Wacht.
   Die dunklen Schollen atmen kräft'gen Erdgeruch.
   Die Ebene öffnet sich. Im Felde geht ein Pflug.
   Der Reiter lauert aus den Augenwinkeln: "Herr,
   Ihr seid ein kluger Mann und voll Besonnenheit
   und wißt, daß ich dem größten König eigen bin.
   Lebt wohl. Auf Nimmerwiedersehn!" Der andre spricht:
   "Du sagst's! Dem größten König eigen. Heute ward
   sein Dienst mir schwer... Gemordet hast du teuflisch mir
   mein Weib! Und lebst!... Mein ist die Rache, redet Gott."

Eure Kommentare hierzu:

Leider hat der Traum alles zerstört, "im Traume" hätte es wohl heißen müssen. Aber 'Friedsel'ge Wolken' ist auch nur unter Vorbehalt hinzunehmen. [Jörg Schleicher] Qualle meint auch, es müsse "im Traume" heißen. Meine Ausgabe sagt aber: "im Traum". Da kann man nichts machen.

5-5 ist es, weil es am Besten diese peacige Stimmung auffängt. Außerdem wird es von bombastischen Bildern getragen. Schwimmende Wolken, frühe Vvgel, zwitschernde, traumhafte Luft. Selbst wenn es nicht das Original ist, ist der Punkt verdient. [Nicole Grochowina]

Uargh. Schmalztest leider nicht bestanden. Aber für Qualle ist das nun wiederum nicht ausgefeilt genug. [Alex]

5-6 (Nicole Grochowina)

      Tief und dunkel verkündet von Ferne das Kirchengeläut:
      Der König ist tot, die Mörder noch frei

Der König ist tot? Tot? Wirklich tot? Tut mir das nicht an! Solche scheußlichen Fortsetzungen wählt natürlich niemand. Null Punkte.

Kritik an der 1. Zeile: Die Vorgabe ist iambisch. Kritik an der 2. Zeile: Die Vorgabe ist sechshebig. Und der gemordete König kommt mir irgendwie bekannt vor. [Jörg Schleicher]

Irgendwann nutzen sich auch Könige, Kirchenglocken & Mörderhände ab. [Markus Freericks]

Hier haben wir doch gleich eine ganze Ansammlung von Lieblingswörtern des durchschnittlichen Poesiemeisteranwärters: König, Mörder und zur dramatischen Untermalung noch das Kirchengeläut. Aber wir wissen doch alle, gedungene Mörder benutzen Kähne im Moor und keine Waldwege ;-) [Jörg Mintel]

Ein starkes Stück Kirchengeläut. Einmal lang, einmal kurz heißt wahrscheinlich "Der König ist tot". Elfmal kurz, viermal lang und dreizehnmal kurz heißt dann halt "die Mörder noch frei". [Qualle]

5-7 (Uwe Waldmann)

      Im Schritt der kleine Trupp sich einer Lichtung naht,
      als eine Büchse knallt. Der Fuchs des Fähnrichs scheut

Der Fuchs des Fähnrichs überzeugte mich auch ziemlich. Und nicht nur mich: auch Jörg Schepers, Armin Michel, Stefan Schöf und Michael Sempels.

Interpunktion hin, angefangene Sätze her: es gefällt mir. Kam in die engere Wahl. Ich bin kein Reiter, ist "Schritt" eine Gangart? Ausgeschieden, weil mir der Satz am Anfang doch zu lang ist. [Markus Freericks] Scheritt, Terab und Galopp sind die Basis-Gangarten der Pferde. Der meisten, jedenfalls.

Das ist eigentlich schon zu schön und glatt, um richtig zu sein. Egal, trotzdem! [Jörg Schepers]

5-8 (Ralph Jacobs)

      Die Stunden schleichen träg. Der Hufschlag hallt zurück.
      Ein Gebäude erscheint, alle Fenster zerschossen.

Das erinnert mich an meine Bundeswehrzeit, als wir auf einem Truppenübungsplatz Geländekampf übten und die Pappkulissen immer gleich umfielen. Leider kein Punkt.

Die erste Zeile bleibt in Versmaß und Stimmung eng an der Vorgabe. Die zweite bricht beides wohl absichtlich. Für meinen Geschmack geht hier zu viel zu Bruch. [Jörg Schleicher]

5-9 (Armin Michel)

      Dann scheint es ihnen bald, als seien sie zuhaus
      Wie man es träumt sich, doch noch immer sind sie fern.

Hierfür entschied sich Alex.

Verletzt das Füllwortkriterium:


                                nette Wörter - Füllwörter
       Füllwortqoutient FWQ := ---------------------------
                                     Gesamtwörterzahl
Hier würde ich "scheint", "zuhaus", "träumt" und "fern" als nette Wörter (naja, immer noch keine Ästetrümmer) bezeichnen, "dann", "bald" und "noch" dagegen als Füllwörter, ergibt also insgesamt einen FQW von 5%. Das ist klar zuwenig, vergleicht man es mal mit der Vorgabe: (9-0)/16 = 56%. [Benjamin]

5-10 (Olav Müller)

      Des Mondes Licht scheint kalt. Ein jedes Wesen scheut.
      Die Welt ist stumm auf ihrem Weg zum Grab.

Nicht nur der Fuchs des Fähnrichs, sondern gleich alle Kreaturen - das ist zuviel und gibt keinen Punkt.

Kann ich leider nicht in die Auswahl nehmen. Obwohl mein Hauptkriterium, das Versmaß, genau getroffen ist. Die Vorgabe spielt für mich tagsüber, die Sonne scheint hell und warm. Und der gesuchte Reim, der dennoch leicht mißlang, der hilft dem Dichter auch nicht an das Licht zurück. [Jörg Schleicher]

5-11 (Lewando)

      Der Hufen Hall verstummt. Die Sonne bald vergeht.
      Die Dunkelheit bricht schnell herein, es ist zu spat,

Müßte es nicht "Der Hufe Hall" heißen? Naja, wer weiß. Jedenfalls hat sich Jörg Schleicher nicht abschrecken lassen, diese Fortsetzung trotzdem zu wählen.

Jetzt laß ich mich also doch durch den groben Schnitzer hier reinlegen. Und durch das gequälte "spat", um den Reim zu retten. Ich glaube, das sich das hier sonst keiner geleistet hätte, also muß das das Original sein. [Jörg Schleicher]

Wenn der Inhalt nicht wäre (schneller Nachteinbruch), wärs toll. Ich gehe davon aus, daß "spat" ein Tippfehler unseres GM ist? Nacheinander drei Sätze mit "der... die... die..." anzufangen ist suboptimal. [Markus Freericks] Nö, kein Tippfehler.

5-12 (Qualle)

      Und selbst das Reh, das sonst den Blick des Menschen scheut
      spitzt nur die Ohren, als die bunte Sippschaft naht.

Niiiiiedlich! Gibt zwei Punkte von Markus Freericks und Uwe Waldmann.

Wieso 'selbst das Reh'? Hier muß doch nichts gesteigert werden. Und die bunte Sippschaft? 'Das bunte Völkchen' gefiele mir hier besser. Aber ich sortiere diesen Vorschlag wirklich nur mit Bauchschmerzen aus. [Jörg Schleicher]

"Verwandte sind wie Ratten. Was sie nicht essen, nehmen sie mit." Soviel zum Thema "Sippschaft". [Max]

Zirkus auf Wanderschaft? Damit hätte ich nach der Vorgabe nicht gerechnet. - später - Nachdem ich alles gestrichen habe, was in Versmaß oder Reim von der Vorgabe abweicht, sind noch drei Fortsetzungen übriggeblieben, und ehrlich gesagt, keine davon begeistert mich übermäßig. Das scheue Reh ist eigentlich nur für Ablachpunkte gut, bei Bischof Eginhard (5-13) ist mir der Sinn der Warnung nicht klar, und der als Altweibersommer verkleidete November (5-14) kommt auch nicht in Frage. Bischof oder Bambi? Wenn ich auf die letzten Runden zurückblicke -- "Korn und Dorn" und der abpflügende Kunz -- dann ist sogar Bambi nicht ausgeschlosssen. Auch wenn das eventuell einen völlig unverdienten Punkt für einen Mitspieler gibt. [Uwe Waldmann]

5-13 (Jörg Schepers)

      "Hier nahm er seinen Weg", warnt Bischof Eginhard.
      Die Männer machen Halt. Vom Tal her dringt Geläut

Ralf Reske wählte diese Fortsetzung.

Auch dies war in der Endausscheidung. Aber nach der 'Golo'-Pleite in der Silberhorn-Geschichte bin ich bei der Erwähnung von Namen sehr sehr vorsichtig geworden. [Armin Michel] Viel später wird das ein späterer Poesiemeister als "ye olde name-dropping tricke" geißeln...

Hübsch ausgedacht, der Bischof Eginhard. Das wär doch was für den Sachsenfürsten und seine Kumpels. [Qualle]

5-14 (Benjamin)

      Altweibersommer. Wenn der nächste Sturm schon dräut,
      die Bäume kahl, des Winters eisig Kälte naht.

Benjamin meinte, ihm fiele nichts ein, aber allein mit dem Wort "Altweibersommer" würde man schon ein, zwei Punkte ziehen. Genauso war es auch: Lewando und Frodo haben sich für diese Fortdichtung entschieden.

Wenn auch der Sturm mir gut gefällt,
und der Altweibersommer auch,
so glaub' ich doch, daß dies Gedicht
den Weg der Reiter eher beschreibt,
als der Naturgewalten Drang.

Und wenn ich den Dichter auch loben möchte ob der guten Reime, die er gefunden hat, so glaube ich doch, daß der Reim für dies Gedicht nicht unabdingbar ist. [Jörg Schleicher]

Dräut??? Altweibersommer?? Moment mal, sollte das 'Die Sommerpäuse dräut mit Macht' etwa ein Tip gewesen sein?? Wenn nicht, hab ich da wohl was falsch gedräutet ... Aber auch sonst haben die beiden Zeilen was für sich. Mir gefällt's - mein Tip! [Lewando]

"Dräuen" soll vermutlich eine alte Form von "drohen" sein. Dennoch erinnert es ein wenig an "darrend". Es dräuet gar streulbrau der Scheuch? Außerden mag ich "des Winters eisig Kälte" nicht so recht. [Alex]

Ähja, Herr Dichter, aber da waren doch gerade noch Reiter, oder? Könnten wir die Wettervorhersage nicht ein wenig verschieben.. [Jörg Mintel]

5-15 (Jörg Mintel)

      Hinter jedem Baum scheint den beiden ein Soldat.
      War hier gerade noch ein Laut? Ein Pferd dort scheut.

Hier und dort: Punkte fort.

Dieses Schema paßt nun wiederum nicht so gut, zumal auch das Versmaß hinten und vorne nicht stimmt. [Alex]

5-16 (Spiritwalker)

      Die Pferde zieht es vorwärts. Der Jäger Spannung wächst;
      Gibt es Hasenbraten abends zum Salat?

"Zur Suppe heut 'ne Beschwerde?" Kein Punkt.

Wobei die Frage mit welchem Gedichtband der Hase erschlagen wurde, eine nähere Untersuchung wert wäre. [Ralf Schiffers]

5-17 (Fred)

      Die Nacht bricht schnell herein. Der Mond scheint silberhell.
      Ein Flehen dringt den Weggefährten leis ans Ohr.

Keinen Punkt für leises Flehen. Vielleicht hätte man es mit lautem Jammern versuchen sollen?

Die Mischung aus Silberhorn und Knabenohr kommt mir zu bekannt vor. Wahrscheinlich kommt das Flehen von Krötenchören, die im Gebüsch dem König auflauern. Herrscht Themenmangel im Land? [Markus Freericks]

Also "silberhell" klingt mir entschieden zu quallig. Daher kann ich das hier natürlich auf keinen Fall wählen. [Alex] Zusammenwohnen färbt halt ab.

Dunkel dichten ist natürlich ganz schön prima, aber muß es gleich blitzschnell in einer Zeile Nacht werden und der gute alte Silbermond aufgehen? [Benjamin]

5-18 (Ralf Menzel)

      Noch lange währt ihr Ritt. Das Ziel ist noch sehr weit.
      Die Pferde tragen sie, bis daß die Nacht sich naht.

Sobald die Nacht nahe ist, heißt es absteigen, damit man nicht abgeworfen wird. So sind sie, die Tagespferde.

Die erste Zeile ist sehr gelungen und hat mich fast in Versuchung gebracht, 5-18 zu wählen. Die letzten Worte haben dies jedoch ver- hindert. Eine Sonne, die "sich naht"? Vielleicht NARRT sie sich ja, dann macht das "sich" Sinn. [Digger] Wieso Sonne? Nacht ist angesagt.

5-19 (Alex Mottok)

      Verjagt ist nun der Feind, und mit ihm, wie es scheint
      Verschwindet auch die Kälte vor dem Tor der Stadt.

Digger entschied sich für diese arktische Fortsetzung. Wer war der Feind? Die Schneeprinzessin vielleicht?

Stilistisch würde ich sagen, daß dies dem Geist eines Hobbydichters aus unserem Kreise entsprungen ist. Dennoch ist es die gelungenste Fortsetzung, zumal diese Fortsetzung einiges mit der Vorgabe gemeinsam hat: Die erste und die zweite Hälfte der ersten Zeile reimen sich, und die letzte Zeile reimt sich auf die letzte Zeile der Vorgabe. Gut abgeguckt, auch wenn es ein bißchen zuviel des Guten an Kälte ist. [Digger]

5-20 (Digger)

      Die Schwaden wirbeln hoch. Auch Rauch erhebt sich noch.
      Die Feuersbrunst vollführte gerad ihre Tat.

Böse Feuersbrunst. Unartiges Ding. Kein Punkt.

"Ans Werk!" sagte die Feuersbrunst zu sich selbst und spuckte in die Hände. "Hoch"-"noch" kann ich als Reim nicht gelten lassen, und verunglückte Reime schaden mehr denn sie nutzen. Der Tempuswechsel (vollführte) hat den einzigen Zweck, eine Silbe zu spendieren. [Markus Freericks]

Und hier die Tabelle der fünften Runde:

                                alt   neu    gesamt
Meister Qualle                  10    4      14
Markus Freericks                12    1      13
Benjamin                        10    2      12
Uwe Waldmann                    6     4      10
Alex Mottok                     7     1      8
Ralf Menzel                     7     -      7
Gulp                            7     -      7
Jörg Mintel                     5     -      5
Peter Kretschmar                1     4      5
Stefan "Lupus" P. Wolf          4     -      4
Armin Michel                    3     1      4
Hubertus Hinse                  3     -      3
Jörg Schepers                   2     1      3
Frank Schmidt                   1     2      3
Jörg Schleicher                 1     2      3
Ralf Reske                      2     -      2
Lewando                         1     1      2
Nicole Grochowina               -     2      2
Max                             1     -      1
Werner Ente                     1     -      1
Steven                          1     -      1
Digger                          1     -      1
Ralph Jacobs                    1     -      1

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