Poesiemeister

Auswertung 11

Auswertung 10
Auswertung 12

Nach vier stressigen, aber auch ziemlich tollen Wochen kehrt nun wieder etwas Ruhe ein (seufz), so daß ich wieder pünktlich auswerten kann. Nachdem die letzte Fortsetzung doch zu bekannt war, werden die nächsten neun Fortsetzungen wieder aus dem hintersten Winkel unserer Dichterfürsten herausgekramt werden.

Zu den Ablachpunkten: Nur fünf von Euch haben Ablachpunkte verteilt, so daß ich deren Tabellisierung einstelle. Lachen dürft Ihr natürlich trotzdem.

Die Vorgabe vom letzten Mal:

    Der Sänger drückt' die Augen ein
    und schlug in vollen Tönen

Die Vorschläge:

1-1 (Max)

     die Tasten des Harmoniums
     zur Ode an die Schönen.

Arme Tasten, armes Harmonium. Lewando war auf deiner Seite, das macht einen Punkt.

Da fängt's schon an. Eigentlich müßte man ja davon ausgehen, daß der Sänger die Tasten nicht schlägt, sondern anschlägt. Aber ein Sänger, der die Augen eindrückt (wessen auch immer) schlägt vielleicht auch die Tasten. Wer weiß. Kommt erstmal in die Warteschleife. [Meister Qualle]

Eigentlich gar nicht schlecht, Harmonium (nun ja), aber Ode und Schönen ... mal sehen. Ich wäre zwar eher für schlug an, aber andererseits bleibt außer 1-17 nichts übrig !? Ok, wem auch immer ich jetzt diesen Punkt schenke, ich nehm's! [Lewando]

1-2 (Oliver Klink)

     das zweigestrichne C an, um
     der Sangeslust zu frönen.

Leider nicht. Das zweigestrichne C von einem Sänger, das fordert mehr als nur Leistung, das schreit schon nach dem Messer.

Und was ist mit den eingedrückten Augen los? Diese Lappalie ignorieren wir vor lauter Sangeslust? [Uwe Waldmann]

Frönen! Frönen steht in meiner Out-Reim-Tabelle gleich hinter Stöhnen und Dröhnen. Außerdem fehlt ein Reim, und die Sache ist zu konstruiert. [Meister Qualle] Wieso? Ich finde "frönen" prima. Ich fröne zum Beispiel dem Orkspiel, habe dem Go-Spiel gefrönt, werde gleich einem in Rotwein gebratenen Hähnchen frönen und vermeide andererseits, mein Haar zu frönen.

Test bestanden, aber das Reimen üben wir nochmal. Oha. Das zweigestrichne C, viel Spaß. Ich hoffe er war eingesungen, ansonsten wird es wohl nicht viel mit Sanges"lust". Hey, da ist ja ein Tippfehler! Ich glaube ich finde da ein fehlendes "h" in der Suppe. [Alex]

Klingt nicht nach Original. Zum einen irritiert das "um" am Ende der Zeile ein wenig (zumindest mich), zum anderen ist in der Vorgabe doch von mehreren Tönen die Rede, nicht nur von dem einen C. [Jörg Mintel]

Holterdipolter ... dachte ich im ersten Moment, stimmt aber doch halbwegs. Trotzdem ist das c" auch für einen Tenor schon ziemlich (zu) hoch. Außerdem frönen - hmm - kein Punkt. [Lewando]

1-3 (Jörg Mintel)

     Auf des Spötters Nasenbein
     Im Takt zu seinem Stöhnen

Uwe Waldmann und Cordula Müller entschieden sich für diesen Vorschlag, dessen selbständig entwickelte Bildhaftigkeit mit dem unschuldig-fröhlichen Motiv "Gewalt in der Kunst" lyrisch bestechend wirkt. Zwei Punkte für Jörg, ein guter Anfang.

Entweder diese Fortsetzung, oder 1-5. Wenn es schon eine der komischen Varianten sein soll, dann vielleicht eher diese. Das Versmaß ist zwar etwas holprig, aber die Slapstickatmosphäre ist noch ein wenig ausgeprägter. [Uwe Waldmann]

In heiligem Gedenken an W. Busch und alle seine Schüler! Versuchen wir es mal hiermit als Tip. [Cordula Müller] Guter Versuch, aber faaalsch. Busch hatten wir schon mal - was natürlich nicht bedeutet, daß er nicht zweimal drankommen kann, denn der Originalautor dieser Vorgabe ist auch schon zum zweiten Mal dabei.

1-4 (Steven)

     auf seine Klampfe kräftig drein,
     sie alle zu verhöhnen.

Etwas zu bukolisch für die meisten - nachgerade wohl für alle, denn niemand konnte sich für diese Vorgabe entschließen.

"Dreinschlagen" ist vielleicht noch ein vertretbarer Ersatz für "anschlagen". Aber durch das "kräftig" werden die vollen Töne aus der 2. Zeile vielleicht doch etwas überbetont, und mit der "Klampfe" zusammen ist das Ganze doch etwas unlyrisch. [Meister Qualle]

Tsts... "Klampfe" ist Umgangssprache. Hmpf. Man stelle sich einen Sänger vor, der mit zugekniffenen Augen auf einer Klampfe rumklopft. Dafür gibt es von mir einen Ablachpunkt. [Alex]

"Klampfe"! Sollte solch profane Umgangssprachlichkeit wirklich den Weg in die hohe Dichtkunst gefunden haben? Bezweifle ich, obwohl dieser Vorschlag gar nicht mal schlecht klingt. Aber "drein" wirkt auch sehr konstruiert. [Jörg Mintel]

Ist "dreinschlagen" ein Verb? [Markus Freericks] Ja. Was sonst?

1-5 (Markus Freericks)

     mit seiner Leier auf ihn ein:
     der Kritiker mußt' stöhnen.

Bei aller Sympathie für dich, schon weil du wie ich aus Oldenburg kommst und Oldenburger einen gewissen Gütevorsprung haben, aber da muß auch der Leser stöhnen. Und das bringt dann auch keine Punkte, tja, die Welt ist schon gemein.

Formal ist dies ein wenig glatter als 1-3, obwohl auch hier das Versmaß nicht hundertprozentig mit den ersten zwei Zeilen übereinstimmt ("der KRItiKER"). Die Entscheidung fällt zwar schwer, aber 1-3 gefällt mir etwas besser, also nur der zweite Platz für 1-5. [Uwe Waldmann]

Und das nicht zum letzten Mal. [Meister Qualle]

Die Kritiker der Minnesänger sind oft Sozialhilfeempfänger. [Alex]

Eine Fortsetzung ganz in meinem Sinne :-) Ein Augeneindrückender und draufschlagender Sänger. Aber ein ein mit einem ein zu reimen ist mir zu unoriginal. [Jörg Mintel]

1-6 (Digger)

     Es konnte nicht sein Ernste sein,
     Er fing nun an zu stöhnen!

"Ernste" stört. "Es konnte nicht sein Schwurbel sein" wäre viel besser, denn "Schwurbel" enthält nicht das künstliche Verlängerungs-E wie "ErnstE". Noch besser wäre natürlich eine völlig andere Fortsetzung, zum Beispiel:

   die Orgel an und drückt dabei
   die Ohren auch gleich mit entzwei.

Das hat außerdem den Vorteil, daß der gemeine Leser denkt, hier werde sich souverän vom Reimzwang gelöst, der ansonsten das Dichten und Denken niederrangiger Dichter beherrscht. So aber, mit "Ernste", gibt es leider keinen Punkt.

Auch hier bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wer schlägt wen, warum, und mit wieviel Toren Unterschied. [Uwe Waldmann]

"Ernste"! Das geht zu weit. Mal ein bißchen dehnen mag ja hingehen, aber "Ernste" ist eine Zumutung. [Meister Qualle] Und dehn' zu "Ernste" aus sodann.

"Ernste" ?! Und "nun" ist auch so'n Füllpartikel. [Markus Freericks]

1-7 (Holgi)

     Die Räuber mit der Laute fein
     Sie reichlich zu entlöhnen.

Sinnkrise. Ärgste Sinnkrise. Irgendwie machen die Zeilen noch nicht einmal den Hauch eines Sinnes. Aber sei's drum: kein Punkt.

Na ja. Hoffentlich war die Laute vorher beim Augeneindrücken nicht im Weg; so'n Ding ist doch schließlich ganz schön sperrig. [Uwe Waldmann]

Hmmmm, jaaaa, vielleicht noch nicht ganz. Sowohl das "fein" als auch das "entlöhnen" scheinen mehr aus Reim- als aus Sinngründen aufzutauchen. Wobei das "entlöhnen" für sich genommen vielleicht noch akzeptabel gewesen wäre. Immerhin kommt die latente Gewalt aus der Vorgabe hier zum Vorschein. Dafür einen Ablachpunkt von mir. [Meister Qualle]

"Entlöhnen": Es handelt sich hier um einen beispielhaft kreativen Umgang mit dem Deutschen Wortschatz? [Cordula] Nja, eher um Amtsdeutsch, und dabei noch ein kreatives "ö".

Huargh! Mein dritter Ablachpunkt dafür. Zu "entlöhnen"!? Wenn man sich einen Typen vorstellt, der die Räuber mit der "feinen" Laute verdrischt, um ihnen ihr Geld wieder abzunehmen und sie somit zu "entlöhnen"... der Krampfreim schafft hier eine wirklich lustige Konstruktion. [Alex]

Da ist mir der Sinn nicht klar. Löhnt er mit einem Lied, oder mit Prügeln? (Oder beides, a la Troubadix?) [Markus Freericks]

1-8 (Uwe Waldmann)

     Das Hohelied der Rache an:
     "Nie mehr sollst Du verhöhnen

Das unterlassene Gänsefüßchen ist schon die professionelle Reinlege, gut gemacht. Da gab's auch einen, der drauf reinfiel: Stefan "Haudrauf" Schwaiger.

Anscheinend bin ich der einzige, der eine ernste, tragisch-dramatische Fortsetzung produziert hat. Hoffentlich überlebt das "Hohelied der Rache" den Schmalztest. Mal schauen, was draus wird. [Uwe Waldmann]

Viel riskiert, würde ich sagen. Kein Reim auf die erste Zeile und dann das offene Ende. Ich glaub ja eigentlich nicht daran, aber bei dem allgemeinen Stöhn-Niveau muß auch diese Fortsetzung noch in der engeren Wahl bleiben. [Meister Qualle]

Soso, das Hohelied. Ein bißchen zu streulbrau, diese Fortsetzung. [Alex]

Ich hätte hier auf die Vorsilbe "ver-" verzichtet. Und das ausgerechnet ein Sängersmann was gegen Hohn hat, seine eigene stärkste Waffe, ist unglaubwürdig. [Jörg Mintel]

Der ist wirklich nett. Aber die angefangene wörtliche Rede ähnelt zu sehr dem Komma, auf das ich beim letzten Mal reingefallen bin. [Markus Freericks]

1-9 (Cordula Müller)

     Auf seine Laute munter drein,
     Weithin hörte man's Klingen und Dröhnen.

Die erste Zeile verspricht viel, was die zweite leider nicht halten kann. Viel Inhalt ist gut, aber wenn man dafür (zu) viele Silben braucht, ist es wieder die gute alte Tugend der Selbstbeschränkung, die die Punkte bringt.

Da ich heute meinen konstruktiven Tag habe, hier mein Vorschlag, um deine Fortsetzung zu retten:

     Der Sänger drückt' die Augen ein
     und schlug in vollen Tönen
     auf seine Laute munter drein,
     das macht die Ohren dröhnen.

Und dann dröhnen sich alle ein', und dann werden die Ohren eingedrückt, die vollen Köpfe eingeschlagen und überhaupt, das geht dann super ab.

Die erste Zeile erinnert heftig an 1-4 und weist bis auf die "Klampfe" dieselben Schwächen auf. Ich bin auch mehr für die Laute! Die zweite Zeile reißt's dann endgültig rein. Wenn es schon dröhnen muß, schlimm genug, warum dann auch noch klingen? Ohne Klingen hätte es besser geklungen. [Meister Qualle] Du meinst: Weithin hört' man's Dröhnen? Das führt zu einem so häßlichen "Ich weiß das Tempus, aber ich bring es nicht"-Auslassungszeichen nach "hört" und hat auch nicht dieses spontan discomäßige wie mein Vorschlag.

Mein erstes Gedicht ist nur so schlecht, um alle anderen über mein Können zu täuschen. Ist mir gut gelungen, gell? [Cordula] <Ja.>

Klingen und Dröhnen paßt IMHO nicht so ganz zusammen. Und wieder so ein "drein", nein, nein. [Jörg Mintel]

Zweite mal gut gelacht, aber 'nen bißchen lang das ganze ... Trotzdem: ein Ablachpunkt. [Lewando]

1-10 (Stefan "Haudrauf" Schwaiger)

     die Stimme an, die Stimmung um.
     Er wird den Abend krönen.

Ein echter Hit. "Die Stimme an, die Stimmung um" und das alles auf "schlug in vollen Tönen", das hätte gut das Original sein können. War es aber nicht, und alle Poesieschüler haben das auch gleich erkannt. Daher - diesmal völlig unverdient - keinen Punkt.

Sicher, mit ein paar eingedrückten Augen wird der Abend erst richtig stimmungsvoll. Trotzdem gibt's keinen Punkt, das Futur am Schluß macht einfach alles zunichte :-) [Uwe Waldmann]

Auch schon an der unteren Wählbarkeitsgrenze. Die Stimme anschlagen? Hm. Er schlug die Stimmung um? Hm hm. Die zweite Zeile gefällt mir dagegen ganz gut, und der Kontrast "Stimme - Stimmung" macht ja durchaus was her. Mal sehen. [Meister Qualle]

Sehr nett. Aber man schlägt nicht die "Stimme" an. Ansonsten aber wirklich sehr brauchbar, besonders die "Stimme-Stimmung"-Konstruktion. [Alex]

Ohne den Tempuswechsel wär es fast wahlbar; so gibts nur einen Ablachpunkt für "Simme an, Stimmung um". [Markus Freericks]

Aha! Hier kommt der König heimlich durch die Hintertüre geschlichen .... beinahe hätt ichs gewählt. [Ralf Menzel]

1-11 (Ralf Menzel)

     Mit Inbrunst auf der Laute sein
     Das Lied der Magdalenen.

Wer es auch immer war: Magdalena würde ich gerne kennenlernen. Sie war für Ralf mindestens 3 Poesiemeisterpunkte wert, und welche Frau kann das schon von sich behaupten? Das erinnert mich übrigens an einen miesen Witz, den ich neulich gehört habe, und der in die frauenfeindliche Ecke gehört. Daher bitte ich alle Frauen und alle empfindlichen Männer, die nächsten fünf Zeilen zu überlesen (Do not venture beyond this point or do so on your own RISK!):

Warum haben Frauen schmalere Hände als Männer?

Damit sie beim Putzen besser in die Ecken kommen.

So, das war die Abteilung "schlecht und geschmacklos". Wenden wir uns wieder der hehren Dichtkunst zu. Ralf bekommt die drei Punkte von Meister Qualle, Benjamin und Frank Schmidt.

Schon wieder eine gelungene zweite Zeile. Ich kenne zwar die Magdalenen nicht (gibt's mehrere?) aber die Idee hat schon was für sich. Die Laute ist auch dabei, was will man mehr? Das nachgeschobene "sein" und das überbetonende "Inbrunst" bilden bei dieser Fortsetzung den Wermutstropfen. Aber für einen Ablachpunkt reicht's schon mal. Wenig später, als Meister Qualle vor der Qual der Wahl steht:

So, das war's also. Die perfekte Fortsetzung ist weit und breit nicht in Sicht, also wird es wahrscheinlich wieder eine der ganz unmöglichen sein. Bei mir aber sind noch vier in der engeren Wahl geblieben, nämlich das Harmonium, das Hohelied der Rache, die Stimme - Stimmung und das Lied der Magdalenen.

Im Halbfinale hat sich dann das Lied der Magdalenen souverän gegen das Harmonium durchgesetzt, und das Hohelied der Rache wurde knapp von der Stimme geschlagen. Das Finale war mehr als spannend. In der ersten Hälfte konnte die inbrünstig geschlagene Laute technische und vor allem kämpferische Vorteile herausspielen, während die Stimme nur durch kreative Konter überzeugen konnte. Nach der Halbzeitpause verwischten sich die Leistungsunterschiede: der gekrönte Abend glänzte durch technische Perfektion und gutes Zusammenspiel, das Lied der Magdalenen begeisterte darüber hinaus durch kreative Effekte. Letztlich fiel die Entscheidung sehr knapp für das Lied der Magdalenen. Und damit zurück zu Würg Jontorra. [Meister Qualle]

Wieder ein Beitrag zum Thema "groteske Genitive". Aber die "Magdalenen" einzuführen, das hat was, und das wird ihm sicher einige Lokomotiven-Punkte bringen. [Alex] Obwohl Magdalena ja wohl keine Lokomotive ist.

"Magdalenen" = ">=2 Magdalenas" ? Und die "Laute sein" ist scheint auch nicht so gelungen mir. [Markus Freericks]

Auf den zweiten Blick klingt das 'sein' ja eigentlich ganz nett. Hmm, Inbrunst? Hmm Lied der Magdalenen?? Nö. [Lewando]

1-12 (Lewando)

     auf die Tasten des Klaviers,
     daß uns die Ohren dröhnten.

Das Tempus ist schon okee, aber das "t" in "dröhnten" fehlt bei "vollen Tönen" so fürchterlich - Poeten sind schon ein kleinliches Volk.

Noch einer, der in blinder Wut das Klavier schlägt und dabei nicht auf den Reim achtet. [Uwe Waldmann]

Nu is aber gut. Richtiges Tempus (wohl lange geübt, was?), aber falscher Reim. Das hass ich wie Messing. [Meister Qualle]

1-13 (Frank Schmidt)

     Auf unsre alten Lieder ein,
     wie um sie zu verhöhnen.

Aus undefinierbaren Gründen hat sich Lupus (Stefan P. Wolf) dazu entschlossen, diesen Vorschlag für das Original zu halten. Keiner weiß, wieso, aber Frank hat damit den ersten Punkt erreicht.

Jetzt bekommt auch noch das traditionelle Liedgut Prügel. Sachen gibt's... [Uwe Waldmann]

Ganz schön brutal, dieser Dichter. Die armen alten Lieder werden den Schlägen nicht standhalten können und für immer versinken. [Cordula]

1-14 (Werner Ente)

     um dann ganz leis' zu schluchzen.
     Sie aber lauscht ins Lied hinein

Schön. Da hört man wenigstens das Schluchzen nicht mehr so. Oliver Klink hielt diese Fortsetzung für das Original, das macht einen Punkt für Werner.

Häh? Messing-Pfirsich-Pflaum? Thomas, Du wirst doch wohl nicht...? [Uwe Waldmann]

Na immerhin, mal was anderes! Leicht avantgardistisch angehaucht, würde ich sagen. Trotzdem weiß ich nicht, ob man es dem Dichter durchgehen lassen kann, daß er oder sie uns nicht verrät, WAS der Sänger denn nun geschlagen hat. Bei näherem Überlegen: Nein. [Meister Qualle]

Kollege Hechtbauer läßt grüßen. Oder Khurrad will uns alle ärgern. [Alex]

Ach ja, schön romantisch :-) Aber trotz aller Sentimentalität nehm' ich diesen Vorschlag nicht. Erst die vollen Töne, dann leises Schluchzen ist mir zu abrupt. [Jörg Mintel]

1-15 (Stefan "Gulp" Schiller)

     Bis tief in dunkle Nacht hinein
     hört' man der Trumba Stöhnen.

Trumba trumba täterä!! Prima. So muß man's machen. Gibt es eine Trumba wirklich? Wenn nein, gibt das einen Extrapunkt für's Genialabsurde. Wenn ich länger darüber nachdenke, könnte eine Trumba natürlich die Vorgängerin der modernen Trumbette sein. Nicole Grochowina meint dazu: "Denn Tumba klingt so hübsch alt wie die Vorlage." und vergibt einen Punkt an Gulp.

Manche Verse reimen zwar,
doch sind jedes Sinnes bar.
[Uwe Waldmann]

Trumba? Was ist das denn? Erinnert mich entfernt an "Streulbrau". Scheint eine Kreuzung aus Tuba und Rumba zu sein, und trotz der musikalischen Eltern mit besonderen Stöhneigenschaften ausgestattet. Nur so weiter! [Meister Qualle]

1-16 (Johann Wolfgang von Goethe)

     Die Ritter schauten mutig drein,
     und in den Schoß die Schönen.

Markus Freericks meint dazu: "Eindeutig, das Original! Als einziger Vorschlag wird hier mehr als nur ein Zuhörer/Opfer vorgestellt; ein ganzer Kontext (Ritter, Hofdamen, etc) wird sichtbar. Das seltsame "schlagen", mit dem sich die meisten anderes Vorschläge abgemüht haben, wird souverän ignoriert. Ja, so kann das nur Goethe!" Und damit hat Markus natürlich recht. Hier das Gedicht, das "Der Sänger" heißt, in der Langfassung:

   Was hör' ich draußen vor dem Tor,
   Was auf der Brücke schallen?
   Laß den Gesang vor unserm Ohr
   Im Saale widerhallen!
   Der König sprach's, der Page lief;
   Der Knabe kam, der König rief:
   Laßt mir herein den Alten!

   Gegrüßet seid mir, edle Herrn,
   Gegrüßt ihr, schöne Damen!
   Welch reicher Himmel! Stern bei Stern!
   Wer kennet ihre Namen?
   Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit
   Schließt, Augen, euch: hier ist nicht Zeit,
   Sich staunend zu ergötzen.

   Der Sänger drückt' die Augen ein
   Und schlug in vollen Tönen;
   Die Ritter schauten mutig drein,
   Und in den Schoß die Schönen.
   Der König, dem das Lied gefiel,
   Ließ, ihn zu ehren für sein Spiel,
   Eine goldne Kette holen.

   Die goldne Kette gib mir nicht,
   Die Kette gib den Rittern,
   Vor deren kühnem Angesicht
   Der Feinde Lanzen splittern;
   Gib sie dem Kanzler, den du hast,
   Und laß ihn noch die goldne Last
   Zu andern Lasten tragen.

   Ich singe, wie der Vogel singt,
   Der in den Zweigen wohnet;
   Das Lied, das aus der Kehle dringt,
   Ist Lohn, der reichlich lohnet.
   Doch darf ich bitten, bitt' ich eins:
   Laßt mir den besten Becher Weins
   In purem Golde reichen.

   Er setzt' ihn an, er trank ihn aus:
   O Trank voll süßer Labe!
   O wohl dem hochbeglückten Haus,
   Wo das ist kleine Gabe!
   Ergeht's euch wohl, so denkt an mich,
   Und danket Gott so warm, als ich
   Für diesen Trunk euch danke.
Und die Moral von diesem Reimwerk ist:
auch Goethe dichtet ab und an mal Mist.

1-17 (Alex Mottok)

     die Weise an - der Leut' Gewein
     erstarb in leisem Stöhnen.

Ein guter Anfang für Alex: drei Punkte von Peter Kretschmar, Gulp und Digger.

Wer sind "die Leute"? Hat er ihnen allen die Augen eingedrückt? Ist der Gesang noch schlimmer als die Schmerzen? Fragen über Fragen, und keine Antwort in Sicht. [Uwe Waldmann]

Bevor ich angefangen habe, mir über diese Fortsetzung Gedanken zu machen, war sie schon im Dröhn- und Stöhnfilter hängengeblieben. Schade! [Meister Qualle]

Tja, wie bei vielen anderen (auch bei mir) ein Gestöhne ohne Ende, jedoch durch "der Leut' Gewein", ein schöner Ausdruck. Ich weiß nicht, ob dies die richtige Lösung ist, aber wenn nicht hat der Erschaffer dieser 2 Zeilen den Punkt verdient. [Digger]

Na ja, immerhin. Das erste, was ich in die engere Wahl nehmen würde. Nur das Stöhnen stört mich dann doch daran. Ich glaub, ich wähl lieber was anderes. [Lewando]

Nachdem auch ich mir das Stöhnen (zusammen mit vier anderen Leidensgenossen) nach dem Lesen der Vorgabe nicht verkneifen konnte, habe ich mir vorgenomen, auch keine der anderen vier Fortsetzungen, die das Wort 'stöhnen' beinhalten, zu wählen. Aber eigentlich liest es sich ja recht schön und da ich alle anderen Gedichte mittlerweile gestrichen habe, werd ichs wohl oder übel unter leisem Stöhnen nehmen müssen. [Gulp]

1-18 (Meister Qualle)

     die Laute an im Mondenschein,
     die Liebste zu versöhnen.

Silberweißer Mondenglanz - naja, man kann nicht alles haben. Trotzdem schön nach dem Volksgeschmack und den Stimmen gefischt; das magere Ergebnis dieser Angelaktion: zwei Punkte, davon einer von Fred (der nahezu beinahe nicht gilt: Fred, du sollst nicht Qualle wählen, das ist so verdächtig!) und einer von Jörg Mintel.

Was für ein romantisches Gemüt, kann ich den kennnenlernen? (Da ja fast nur Männer mitspielen, gehe ich mal davon aus, daß es sich auch hierbei um einen solchen handelt. Es ist übrigens noch nicht geklärt, wie der weibliche Poesiemeister heißen wird. Die vermännlichte Form "Meisterin" werde ich nämlich nicht akzeptieren. Wie wäre es mit Poesiemagistra, Poesiemajestrix, Poesiemeistrix, Poesiematrix...? Ich bitte um angemessene Alternativvorschläge!) [Cordula] Tja. Romantisch, das ist so ungefähr das Allerletzte, was mir zu Meister Qualle einfallen würde. "Verwandlungsfähigkeit" dann schon eher. Und zur weiblichen Form: Weibliche Poesiemeister gibt es nicht; solltest du mich vom Gegenteil überzeugen, darfst du dir deinen Titel aussuchen (das weicht von der privaten Mail an dich ab, macht aber nix, zeigt nur meine Flexibilität).

Hier frage ich mich, ob leisere Töne anzuschlagen der Romantik nicht zuträglicher wäre. Es ist zwar nett, paßt aber leider nicht. Äh, ich streiche das mit dem nicht passen wieder und behaupte das Gegenteil! (Mußte grade feststellen, das jeder Vorschlag meinem Selektionsprozeß zum Opfer fiel) [Jörg Mintel]

1-19 (Fred)

     Den Spottvers an, um obendrein
     Den König zu verhöhnen.

Kein Punkt. Die Fortsetzung legt zwar nahe, daß der Sänger zuerst den Hofschranzen die Augen weggedrückt hat, um dann sein Attentat geistig fortzusetzen (das Wort ist schärfer denn das Schwert), aber das ist doch zu abgefahren und daher leider von niemandem gewählt worden. Doch es tritt der König auf. Das reißt alles wieder raus und macht es zu meinem persönlichen Topfavoriten. Schade, daß das nichts wert ist, jedenfalls in Punkten. Nächstes Mal versuche doch einer eine Fortsetzung, in der eine Lokomotive und ein König gleichzeitig vorkommen!

Nicht schlecht. Neben 1-3 und 1-5 ist dies der dritte Vorschlag, der für mich in Frage kommt. Aber irgendwie glaube ich nicht ganz an das Historiendrama (dann könnte ich ja gleich 1-8 wählen -- wenn ich's dürfte). Hoffentlich kann ich meiner Intuition trauen. [Uwe Waldmann]

YEAH! Den König! Da isser wieder! Sämtliche Lokomotivenpunkte dieser Welt für diesen Vorschlag! Außerdem ist er ganz gut gemacht. [Alex]

"König" zählt doch zu den In-Wörtern? Verdächtig. Aber ich glaube einfach nicht, daß Khurrad uns eine Stelle vorsetzt, in der ein König verhöhnt wird. ;-) [Jörg Mintel]

1-20 (Andreas Hechtbauer)

     Die Tuba fing an zu dröhnen
     Mit Pauken und Kontrabaß im Verein

Hmm. Eine Tuba ist im Vergleich zu einer Trumba eben halt nur eine Tuba. Das gibt dann leider auch keinen Punkt.

Vielleicht sollten die Pauken anfangen, damit das Gedicht zu einem brauchbaren Rhythmus findet. [Meister Qualle]

Ach, wenn man die Tuba schlägt, fängt sie an, mit Pauken und Trompeten zu dröhnen? Ich glaub ja nicht alles, was man hier so liest. [Cordula]

Aha. Der Sänger schlägt also ganz objektlos. Schade eigentlich. [Alex]

Das grausige Metrum: "schlug in vollen Tönen/fing an zu dröhnen" macht das ansonsten schöne Bild vom Orchester zunieder. [Markus Freericks]

1-21 (Benjamin)

     er brach und spie ganz hundsgemein
     die Leute zu verwöhnen.

Der Vorschlag klingt irgendwie wie hingekotzt. Das gab folgerichtig keinen Punkt.

Meine Fresse! Sind wir hier auf einem Punk-Konzert? [Meister Qualle]

Merkwürdigen Geschmack scheint dies Publikum zu haben ;-) (ob das nicht "ver-h-öhnen hieß?) [Jörg Mintel]

1-22 (Stefan P. Wolf)

     Die Weise an vom Mägdelein
     Der schönsten aller Schönen.

Alex, Ralf Menzel und Hubertus Hinse gaben Stefan drei Punkte (insgesamt, nicht jeder einzeln).

Formal ist's ja in Ordnung, aber was es mit den eingedrückten Augen auf sich hat, bleibt völlig im Dunkel. Im übrigen hatten wir die Maiden und Mägde doch erst in der letzten Runde; die kann man doch nicht schon wieder bringen. [Uwe Waldmann]

Na, das Mägdelein hatten wir doch auch schon öfter mal, oder? Macht die jetzt dem König Konkurrenz? Aber eine Weise anschlagen klingt mir eh zu brutal. [Qualle]

Hmpf. 1-18 oder 1-22, das ist hier die Frage. 1-22 klingt zwar ein bißchen nach Qualle ("Mägdelein"), aber dafür ist 1-18 in einem Zusammenhang im Gedicht vom Inhalt her schwerer vorstellbar. Daher wähle ich mal todesmutig 1-22. Überhaupt, 21 Teilnehmer, nicht schlecht! [Alex]

Schon wieder ne Magd. Benjamin? [Markus Freericks]

Nun denn, könnte sein. Paßt eigentlich ganz gut, ich glaub, ich nehm's nicht - rein intuitiv. [Lewando] <Super-Begründung. Weiter so.>

Auch schön. Leider stört mich das Mägdelein. Hört sich ziemlich nach Andreas Hechtbauer an. [Gulp]

Und hier die Tabelle der ersten Runde:

Alex Mottok                     3
Ralf Menzel                     3
Stefan "Lupus" P. Wolf          3
Meister Qualle                  2
Jörg Mintel                     2
Markus Freericks                2
Max                             1
Uwe Waldmann                    1
Gulp                            1
Werner Ente                     1
Frank Schmidt                   1

Ewigenliste (Punkte aus der Partie 1)

Meister Qualle                  30
Alex Mottok                     28
Benjamin                        22
Andreas Hechtbauer              14
Ralf Menzel                     14
Oliver Klink                    12
Stefan Schwaiger                7
Holgi@Psycho                    4
Marina                          4
Achim Bietmann                  4
Max                             4
Ripley                          4
Peter Kretschmar                3
Torsten Koeppe                  3
Pedl Rau                        2
Ruediger Klings                 2
Alwin                           2
Joachim Stehle                  1
Simon Klaiber                   1
Michael Below                   1
Volker Schardin                 1
Arne Leisner                    1
Werner Ente                     1
Joerg Mintel                    1

Auswertung 10
Auswertung 12