Poesiemeister

Auswertung 10

Auswertung 9
Auswertung 11

Leider hat sich Ripley bereits aus dem Kreis der Poesielehrlinge verabschiedet:

[Zur neuen Vorgabe:] Sorry, hier muß ich passen. Mal davon abgesehen, daß mir zu dieser Vorgabe nichts vernünftiges einfällt, nutze ich die Gelegenheit, um mich aus dieser Runde zu verabschieden. War nett mit Euch, aber leider habe ich von den theoretischen Grundlagen der Poesie überhaupt keine Ahnung (Wie wär's mal mit einer Einführung für Unbedarfte?). [RIPLEY]

Tja. Schade. Damit gleich den Poesiegesellenbrief ehrenhalber - mit der Auflage, ihn in der Öffentlichkeit nicht zu verwenden.

Und Ripley weiß noch mehr zu sagen:

Ich habe meine Stimme der Fortsetzung 9-6 (Jörg Mintel) und nicht der 9-14 (Holgi) gegeben, was hinsichtlich meiner Kommentare auch sonst keinen Sinn geben würde.

Da hat er recht. Daher muß ich Holgi einen Punkt wegnehmen (trotz Lokomotive, schnief) und Jörg einen gönnen.

Die nächsten ZATs stehen unter gewissen Vorbehalten. Ich werde am 52. April, hinter dem sich natürlich der 22. Mai (Pfingstsonntag) verbirgt, nicht in Kiel sein, weil ich stattdessen ein wenig herumorke. Möglicherweise schaffe ich es also nicht, am Pfingstmontag auszuwerten. Aber keine Panik. Irgendwann klappt das schon.

Eine merkwürdige Sache sind Eure Kommentare zum Schwierigkeitsgrad der Vorgaben. Jedesmal sagen mir die meisten von Euch, daß die gerade aktuelle Vorgabe schwieriger ist als alle vorigen. Das würde bedeuten, daß ich einen monoton steigenden Schwierigkeitssinn entwickle, der mir bislang noch nicht bewußt war. Faszinierend, wozu ich alles fähig bin.

Für die Neuen unter Euch noch ein paar Hinweise: Die Zeichensetzung wird von mir gelegentlich willkürlich verändert und verfälscht, sowohl beim Original wie auch bei den Fortsetzungen. Manchmal aber auch nicht; ich versuche dabei, so behutsam wie möglich vorzugehen, ohne Euch die Gewißheit zu verschaffen, daß bestimmte Zeichen am Vorschlagsende auf das Original hindeuten (ich erinnere da an die Folge vom letzten Mal mit dem Komma am Schluß). Sinnändernde Zeichensetzungen mache ich natürlich nicht.

Auch übrige Trivialfallen (wie z. B. Großschreibung von Zeilen am Anfang) versuche ich durch willkürliche Änderungen zu vermeiden. Verlaßt Euch also nur auf den Wortlaut.

Zu den Ablachpunkten: Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich sie beibehalten will. Jedenfalls möchte ich sie möglichst leicht finden. Bitte schreibt daher das Wort "Ablachpunkt" aus, damit ich in meinem Editor einfach nach dem Begriff "Ablachpunkt" suchen kann und - wupps - alle Eure Punkte finde.

Die Vorgabe vom letzten Mal:

    Ich liebe die Wiesen, die Straßen, den Wald,
    die Länder und Städte, wo Menschheit sich ballt.

Die Vorschläge:

10-1 (Alex)

     Doch seh' ich all dieses nur selten bei Licht
     Bei Vollmond, da zeigt sich mein wahres Gesicht!

Dann fahren die Eckzähne aus und es geht ab. Holgi fand die Fortsetzung gut genug für seinen Punkt.

Oha, ein Werwolf? Nee, über so einen Blödsinn kann nur ein Poesiemeister-Anwärter dichten... :-) [Oliver Klink] Hart gegeben.

Graf Dracula läßt grüssen! Tja, die Wahl fällt mir echt schwer, aber das hier muß es sein. [Holgi]

Keine schlechte Idee, mit dem Werwolf. Trotzdem ein ziemlich konstruierter Zusammenhang. Technisch ok. [Qualle]

Ein Werwolfgedicht? Wäre ja was neues, aber ich mag's nicht recht glauben. [Andreas Hechtbauer]

10-2 (Andreas Hechtbauer)

     Wo Leben pulsiert, die Natur sich erhebt,
     zu Neuem und Vollem, zu Taten bestrebt,

Schönes Ding. Gelungen das Komma am Schluß, das ich mal nicht verändert habe, weil ich die Idee, das Herausgerissene damit anzudeuten, einfach genial fand. Auch gut: Der Vorschlag beachtet meine Warnung. Ja. Das ist schon so einfach super. Aber die Warnung, die ich meine, ist auch sinnvoll: so richtig original klingen nur Fortsetzungen, die die Vorgabe nicht innerhalb von den vier Zeilen erschöpfen - denn das Gedicht, aus dem die Vorgabe stammt, ist ziemlich sicher länger als nur vier Zeilen. Ja, Andreas, das war Qualität, und daher hast du dir die vier Punkte auch verdient, die dir Markus Freericks (klingt irgendwie heimatnah, der Nachname. Stammst du aus Jever, Norden, Emden oder so?), Uwe Waldmann, Ralf Menzel und Ripley verschafft haben.

Wo erhebt sich die Natur zu neuen, vollen Taten? In den Städten? Nö! Zur Entschuldigung des Autors muß man sagen, daß die Vorgabe aus heutiger Sicht ziemlich heterogen ist. Wald und Wiesen lieb ich ja auch, genau deswegen aber keine Straßen. Früher konnte man das noch anders sehen. [Stefan Schwaiger]

Diese Kommas am Ende der Zeilen suggerieren mir "nimm's, nimm's". Ja, ich weiß, kein Kriterium! Deswegen falle ich auch nicht darauf herein und wende mich von der tatendurstigen Natur ab. [Jörg Mintel]

Erstaunlich. Irgendetwas von pulsierendem Leben wollte ich zuerst auch dichten. Aber diese Konstruktion ist nicht sehr stimmig. Wer oder was ist denn bitte zu Taten "bestrebt"? Die Natur? Oder das "Neue und Volle"? Und überhaupt, das "Volle" paßt nun wirklich nicht, also, sehr nett gedichtet, aber kein Punkt von mir. [Alex]

Das Komma am Ende irritiert mich ziemlich. Letzten Endes kann es mich aber auch nicht von der Echtheit dieser Fortsetzung überzeugen, da sie doch voller Widersprüche ist: Das Leben pulsiert zu Taten bestrebt, und die Natur erhebt sich zu Neuem und Vollem. Soweit könnte man das ja noch durchgehen lassen, aber durch die Überkreuzschreibweise ist es eher die Natur, die zu Taten bestrebt ist. Und es paßt auch nicht mehr so richtig zum ersten "wo". [Qualle]

Meins. Schön. :-) [Andreas Hechtbauer]

10-3 (Max)

     Ich liebe die Blumen durch Beton wachsen bald,
     und Tiere hinfort ziehn zum Wald, der so alt.

Hallo, Versmaß - danke schön! Dieser Vorschlag hat interessante Ideen, aber die Ausführung, weia. Mal schaun, ob man das verbessern kann:

Ich liebe die Blumen, Beton und den Wein,
die Tiere, den Wald und den vielstell'gen Schein.

Hm. Naja, auch ein wenig gezwungen.

Ich liebe Beton, wie er plötzlich zerknallt,
wenn die Blumen durch ihn durchwachsen.

Irgendwas ist daran immer noch falsch. Aber jetzt:

Doch falls sich Beton über alles ergießt,
wird das ohne weitres durch "Startrek" versüßt.

Oder durch Königs- oder Lokomotivfolgen.

Erklärt mir bitte mal jemand die erste Zeile dieser Fortsetzung? [Oliver Klink]

Ah, da wird's öko. Schön, aber dazu passen halt die ersten beiden Zeilen nicht. [Stefan Schwaiger]

Huch, doch ein Reim mit dem Original? Nochmal Wald? Den Sinn deute ich mal so: Nachdem die Tiere die Menschheitsballen niedergemacht haben werden, lassen sie die zuwachsenden Ruinen hinter sich zurück. Tja, so nett diese Vorstellung auch ist... [Jörg Mintel]

Huargh! Dafür vergebe ich den ersten Ablachpunkt. Und zwar für den "Wald, der so alt". Nun ja, andererseits erwartet man in dieser Runde irgendetwas abstruses, daher könnte das glatt das Original sein, selbst wenn weder der Reim (schon wieder 2x "al[l]t/d", wer würde so etwas dichten?) paßt, noch das Versmaß... [Alex Mottok] Also, einen Stöhnpunkt würde ich hier ohne weiteres verteilen, aber gleich einen Ablachpunkt?

Ich sehe das Gedicht den Sinn kriegen nicht. [Qualle]

10-4 (Peter Kretschmar)

     Der Meerestiefen buntes Gewimmel,
     den funkelnden Glanz der Sterne am Himmel.

Ja, das ist doch nett! Wieso hat diesen Vorschlag nur Werner Ente gewählt, was einen Punkt für Peter macht?

Inhaltlich daneben. [Max]

Versmaß stimmt nicht... [Oliver Klink] <Die sind gemein zu dir, Peter!>

Mit "Gewimmel" assoziiere ich Gewürm, oder meinetwegen eine Karpfenfarm, aber nicht die Meerestiefen. Besser vielleicht

           Der Meerestiefen eisige Stille,
           Den Duft des Tees gebraut aus Kamille.
[Markus Freericks]

Auch ganz hübsch, aber nicht schlüssig. Man erwartet, wenn es schon so nett weitergehen soll (was ich ja sehr bezweifele), daß es irgendetwas mit Menschen zu tun haben muß, zumindest entfernt. Wenn das eine Aufzählung sein soll, scheint der Autor wohl kaum etwas nicht zu lieben. [Alex]

Der Schreibfehler wird wohl ein solcher gewesen sein. Aber der Satz ist nicht komplett, und der andere war schon zu Ende. [Qualle] Was für ein Schreibfehler? Ich weiß von keinem Schreibfehler.

Es wimmelte bunt in den Meerestiefen, vor Nässe taten die Fischlein triefen? Oder wie? Nein. [Andreas Hechtbauer]

10-5 (Oliver Klink)

     Die Ferne, die Fremdheit, sie ziehen mich an,
     die Gier nach dem Neuen, sie treibt mich voran.

Für diesen Vorschlag haben sich einige nicht entschieden, weil "an" und "voran" zwar gesprochen recht unterschiedlich sind, aber geschrieben irgendwie ziemlich ähnlich. Und dennoch: vier Punkte für diesen leicht schimmelweißen Vorschlag, und zwar von Max, Jörg Mintel, Steven und Frank Schmidt.

Nimmt das Motiv der Straßen und Länder sehr gut wieder auf! Ach, es gefällt mir von allem am besten, wem schenke ich hiermit den Punkt? [Jörg Mintel]

Liebe und Gier gehen ja leider oft einher. Überhaupt sind die Reisefortsetzungen diesmal meine Favoriten. Gegen diese entscheide ich mich wegen zuviel "an" im Reim. [Stefan Schwaiger]

10-6 (Stefan P. Wolf)

     So zieh' ich denn hinaus, meinen Ranzen geschnürt,
     will sehen, wohin mich das Schicksal wohl führt.

Du solltest deinen Vorschlag laut vorlesen. So entdeckt man rhythmische Unsicherheiten am leichtesten. Wenn du das "denn" weggelassen hättest, wäre sicher der ein oder andere Punkt bei dir hängen geblieben, aber so: leider nix.

"So ziehe ich denn" klingt ein wenig nach "sodann"... :-) Gefällt mir trotzdem eigentlich ganz gut... [Oliver]

Auch schön, vielleicht sogar das Original? Aber ich muß mich entscheiden und hier sorgen "denn" und "wohl" für leichte Minuspunkte gegenüber 10-10. [Stefan Schwaiger]

Argh! Wozu um alles in der Welt hat der Autor das "denn" eingebaut? Ohne "denn" hätte es gepaßt. Selber schuld. Außerdem ist das jetzt schon die dritte 08-15-Fortsetzung. Und vermutlich nicht die letzte. [Alex]

Das "denn" ist ein Füllwort, das mit Gewinn hätte weggelassen werden können. [Qualle]

10-7 (Steven)

     Und nicht zu vergessen die Freunde, die Maid,
     die Feiern, bei denen sich jeder langweilt.

Wenn man weibliche Wesen als "Maild" bezeichnen könnte, hätte es gepaßt. Man müßte sich nur noch eine Begründung für die Betonung des "weilt" einfallen lassen, aber da gibt es berühmte Vorbilder. Ich erinnere nur an "langbeinigen Spinnen vergleichbar", meiner Lieblingszeile aus dem "Totentanz" von Goethe. So gibt es leider keinen Punkt.

Hier macht mich der leichte Qualitätsunterschied in den Reimen "Wald - ballt" und "Maid - langweilt" stutzig. [Stefan Schwaiger]

Ich liebe es, wenn sich ein Wort auf eins reimt,
doch hasse es, wenn es zu reimen nur scheint.
[Qualle]

10-8 (Stefan Schwaiger)

     dort lärmt es in Gassen, aus Häusern, auf Plätzen,
     wo Brunnen im Wind das Getümmel benetzen.

Die Welt ist ungerecht. Neben dem Original mag ich diese Fortsetzung am liebsten, weil die Vorstellung der herumspritzenden Wassertröpfchen, wie sie die herumflanierende Menge benetzen und dabei möglichst noch die Sonne scheint, mich ungeheuer an das Lefferseck in Oldenburg erinnert. Aber was tut Ihr? Ihr wählt sie einfach nicht. Nur Stefan Grochowina hat sich erbarmt und Stefan Schwaiger einen Punkt verschafft. Es spielen übrigens mindestens drei Stef(ph)ane mit. Könnt Ihr Euch nicht mal einen neuen Vornamen zulegen? Oder wenigstens einen Spitznamen? Stefan? Na? Oder du, Stefan? Stephan heißt ja schon "Steven", das unterscheidet ihn schon mal ganz gut.

Es steht nun wirklich nicht in jeder Menschenmenge ein Springbrunnen herum, der die Leute bespritzt. Hier wird auch nur auf die Städte eingegangen, wo bleiben da die geliebten Wiesen und Straßen? [Jörg Mintel] Nun ja. Das mag sein. Aber sind wir da nicht ein wenig kleinlich? Bei so netten Brunnen, was interessieren da noch Wiesen und Straßen!

Yeah! DAS ist wirklich nett. Das ist schön, das paßt, und das ist ein bißchen unerwartet. Wirklich eine gute Leistung, und ich glaube fast, daß entweder 10-8 oder 10-11 das Original ist... aber da ich nicht riskieren will, schon wieder Qualle einen Punkt zu geben, wähle ich lieber das andere. [Alex]

Hübsch benetzt! Aber muß es denn ausgerechnet ein Getümmel sein? Außerdem stört mich das kleingeschriebene "dort" am Anfang. Der Satz vorher war doch zu Ende. [Qualle]

10-9 (Werner Ente)

     Wo Menschen in Freundschaft die Hände sich geben,
     dort fühl ich mich wohl, dort tobt das Leben.

Was mir an dem Vorschlag mißfällt, ist ja wohl jedem klar: Friedenshand, kommst du gewankt. Gut gefällt mir "tobt", weil das mit "ballt" aus der Vorgabe korrespondiert. Insgesamt aber leider nur null Punkte.

In der zweiten Zeile eine Silbe zuwenig. Mit "denn dort tobt das Leben" wäre es besser gekommen. Trotzdem ist mir das zu umgangssprachlich und zu wenig poetisch. [Oliver Klink]

Ob es besonders dort tobt, wo man Freundschaftshände sich reicht? Hm, naja. [Jörg Mintel]

Au ja. Nicht mehr die Friedenshände, sondern nur noch die Hände. Und schon wieder tobendes Leben. Das könnte fast Qualle sein, aber der würde solche Versmaßfehler wie in der zweiten Zeile einfach nicht machen. [Alex]

Das mag ja so sein. Aber erstens weiß ich gar nicht, wo hier die Logik abbleibt (warum soll ausgerechnet dort das Leben toben, das tobt auch im Saloon bei einer Keilerei), und zweitens "tobt" das Leben in der deutschen Lyrik nicht, dort "toben" höchstens eifersüchtige Ehegatten oder so. [Qualle] Naja, die ganze Menschheit ballt sich eigentlich auch nicht. Nur Menschen.

Was bist Du? Ein Hand-Bazillus? [Ripley]

10-10 (Ralf Menzel)

     Mit Sehnsucht im Herzen, so zieht's mich hinaus.
     Denn bin ich auf Reisen, dann bin ich zuhaus.

Dieses scheinbare Paradox (Reisen:zuhaus) - wirklich nett. Das gab auch volle sechs Punkte, und zwar von Oliver Klink, Stefan Schwaiger, Stefan P. Wolf, Qualle, Andreas Hechtbauer und Benjamin.

Heimweh! Fernweh? Sehnsucht.... Qualle???? [Frank Schmidt] <Nee, diesmal hat er völlig versagt, dazu kommen wir noch.>

Wurks. Gleich zwei einsilbige Füllwörter in zwei Zeilen. Und passenderweise auch noch "so" und "dann". Wenn man die beiden zusammenfügt, erhält man... aber lassen wir das. [Alex]

Ja, das sieht doch ganz schön echt aus. "Sehnsucht im Herzen", das wählt bestimmt sonst keiner wegen akuter Schmalzgefahr, aber ich wähl das. Irgendwie scheint mir das genauso einfach gestrickt zu sein wie die Vorgabe. Auch formal haut es mit den zweigeteilten Versen recht genau hin. [Qualle] Weit gefehlt. Schmalz wirkt immer. Nächstes Mal gibt es eine extraschmalzige Vorgabe, da fallt Ihr dann bestimmt alle drauf rein, weil Ihr denkt, nach diesem Kommentar darf man wirklich keine Schmalzfortsetzung mehr wählen.

10-11 (Arnold Hau)

     Doch Dörfer und Herren, den Topf und den Baum,
     die hass ich wie Messing, wie Pfirsich und Pflaum.

Ganz klar: das Original. Ich habe Euch extra einen Hinweis gegeben ("Beware"), damit ich mir hinterher nicht anhören muß, daß es ungeheuer fies war, ein solch seltsames Gedicht rausgesucht zu haben. Ich finde, einmal muß man sich das gönnen. Oder zweimal? Mal schaun. Das ganze Gedicht geht übrigens so:

   Bekenntnis

   Ich liebe die Wiesen, die Straßen, den Wald,
   die Länder und Städte, wo Menschheit sich ballt.
   Doch Dörfer und Herren, den Topf und den Baum,
   die hass ich wie Messing, wie Pfirsich und Pflaum.
   Die Mäuse und Mädchen, die hab ich recht gern,
   doch Klöster und Sperber, die stehen mir fern.
   Mich ärgern Vulkane, doch völlig neutral
   steh ich zu Klavieren, zu Gras, Rauch und Zahl.

Das Gedicht ist abgedruckt in "Die Wahrheit über Arnold Hau", einer Biographie mit ausgewählten Werken, herausgegeben von Robert J. Gernhardt, F. W. Bernstein und F. K. Waechter. Es stammt aus der andorranischen Phase von Hau. Das Buch sagt hierzu:

1939. Jahrelang ist Arnold Hau gereist. Florenz, Warschau, Luegi, Asien und Frankreich heißen einige der Stationen seiner Wanderschaft. Jetzt hat er das Bedürfnis nach Ruhe und Geborgenheit. Der Zufall hilft ihm, eine Bleibe zu finden. Er lernt 1939 in Wiesbaden Lou (Luise) Wahldorf kennen, mit der ihn bald eine enge, aber geistige Bindung vereint.

Diese weltgewandte Frau leitet eine Holdinggesellschaft in Andorra, und Hau folgt ihr in dieses ruhige Fleckchen Erde. Hau fragt und strebt weiter, aber sein Fragen wird gelassener, sein Streben ruhiger. Ein nie verletzender, versöhnlicher Humor klingt an, wie man ihn bisher in seinen Werken vergebens gesucht hätte. Heiter und weltbejahend sind schon die Titel seiner Gedichte und Bildfolgen: "Pünktlichkeit ist eine Zier", "Bekenntnis" und, unmißverständlich, "Ein Ja zum Leben".

Alex hat richtig getippt, das macht zwei Punkte für ihn.

Na, das dürfte doch wohl einer der heißesten Anwärter auf den "Ablachpunkt" sein... [Steven]

Au ja. Das ist wieder mal angemessen konfus. Warum sollte jemand Pfirsich und Pflaum hassen? Und dann auch noch "Messing"? Das erinnert ein bißchen an die wandelnden Westen. Aber die Vorgabe war so stinknormal, da muß die Fortsetzung einfach konfus sein. Außerdem (fast) die einzige Fortsetzung, die Khurrads Hinweis ("Beware!") erklären würde. Mein Tip: 10-11. [Alex]

10-12 (Benjamin)

     Ich liebe die Menschen, den Herrn und die Magd -
     ich liebe sie alle, ob jung, ob betagt.

Etwas sehr universell gedacht. Und ob es wirklich angebracht ist, Mägde zu lieben? Gibt's die überhaupt noch? Leider kein Punkt.

Aua. [Oliver Klink]

Oh, oh, welch mittelalterliches Weltbild bricht hier hervor. Die Mensch- heit teilt sich also auf in Herren und Mägde. Wohl auch noch in alte Herren und junge Mägde, was? Könnte es also durchaus sein, hmm. [Stefan Schwaiger]

Aha. Der Herr und die Magd gehören also nicht zu den Menschen. Ein wirklich liebevoller Autor. Sagte nicht damals Erich Mielcke vor der Volkskammer so etwas ähnliches? [Alex]

10-13 (Volker Schardin)

     Ich bin ausgezogen, die Welt anzusehn,
     um fern von daheim neue Wege zu gehn.

Auch Volker hat keinen Punkt geerntet.

Und tschüß. [Max]

Aua. [Oliver]

Ganz nett, wenn nicht die ersten paar Wörter so holpern würden. Außerdem suggeriert das Tempus hier etwas zu sehr einen Striptease o.ä. [Alex]

Formal und inhaltlich durchaus ok, aber irgendwie will mich das nicht überzeugen. Steht einfach zu wenig drin. [Qualle]

10-14 (Qualle)

     Herr Hirsch! Beantworten Sie meine Frage!
     Welcher Wagen hat die Vorfahrt?

Qualle wollte einfach keine Punkte mehr machen. Er führt ja eh, und Alex eine Chance geben ist einfach mal fair. Es hat natürlich nicht gereicht, aber nur, weil nicht genügend auf Alexens Vorschlag tippten (naja, woran sollte es auch sonst liegen, nöch?).

   Welch Wagen!
   Wie müßig, nutzlos, und dem Augenblick verhaftet
   solch Frag' mir dünkt. Denn wie der Wagen selber,
   der, eben noch in bunt lackiertem Bleche,
   schon morgen rostend auf der Halde ruht,
   so auch der Mensch!
   [Holgi]

Hmpf. Dafür keinen Ablachpunkt von mir. Ich habe mir extra nochmal die Platte angehört, und das geht anders. Außerdem ist die Führerschein-Nummer kein Gedicht und wäre somit regelwidrig. [Alex]

10-15 (Ripley)

     Zuhaus' bin ich einsam, wird es mir kalt.
     "Raus in den Frühling!" mein Ruf erschallt.

"Zuhaus bin ich einsam" geht ja noch, aber dann stockt es. "Sodann wird mir kalt" würde zum Beispiel gehen. Würde natürlich niemand wählen, ist ja klar, aber das hat auch so leider niemand.

Wunderschön schräge. Und so sinnlos. Und so falsch. [Steven]

Dann doch bitte "Hinaus". "Raus" klingt wirklich etwas seltsam. Außerdem kommt das Versmaß schon wieder nicht hin. Warum haben so wenig Fortsetzungen ein brauchbares Versmaß? [Alex]

Bißchen ruckelig, der Rhythmus. Und auch die Logik hat hier etwas Schaden genommen: wenn es drinnen kalt ist, wird draußen auch noch nicht viel mit dem Frühling los sein. [Qualle]

Dies war die erste Auswertung, in der Ablachpunkte (ALP) vergeben wurden. Hier eine Übersicht, wie Ihr die ALP verteilt habt:

Arnold Hau                 7
Otto Waalkes               7
Steven                     2
Alex                       1
Max                        1
Benjamin                   1

Ja, und dann gibt es schon die Endtabelle der 1. Partie! Hier ist sie:

                                alt    diesmal   Gesamt
Meister Qualle                  30     -         30
Alex Mottok                     25     3         28
Benjamin                        22     -         22
Andreas Hechtbauer              10     4         14
Ralf Menzel                     8      6         14
Oliver Klink                    8      4         12
Stefan Schwaiger                6      1         7
Holgi@Psycho                    4      -         -
Marina                          4      -         -
Achim Bietmann                  4      -         -
Max                             4      -         -
Ripley                          4      -         -
Peter Kretschmar                3      -         -
Torsten Koeppe                  3      -         -
Pedl Rau                        2      -         -
Ruediger Klings                 2      -         -
Alwin                           2      -         -
Joachim Stehle                  1      -         -
Simon Klaiber                   1      -         -
Michael Below                   1      -         -
Volker Schardin                 1      -         -
Arne Leisner                    1      -         -
Werner Ente                     1      -         -
Jörg Mintel                     1      -         -

Meister Qualle also von nun an. Beinahe hätte Alex ihn geschafft. Einige der Späteinsteiger haben aber echte Poesiemeisterqualitäten, so daß es nicht so einfach für Alex sein wird, seinen zweiten Platz in der nächsten Partie zu wiederholen, um seinen Meistertitel zu erringen.

Auswertung 9
Auswertung 11