Poesiemeister

Auswertung 9

Auswertung 8
Auswertung 10

Der letzte Vorschlag der ersten Runde naht (schon in dieser Auswertung wird er Euch erreichen). Wer wird Poesiemeister der ersten Runde werden? Die Antwort ist vielleicht nicht so besonders schwer (ich sage nur: Friedenshand), aber Ihr habt es in der Hand (schon wieder dieses ekle Wort, wenn auch zur Unkenntlichkeit verstümmelt).

Für die Auswertung der einzelnen Partien habe ich mir gerade eben folgende Regeln ausgedacht:

o Derjenige mit den meisten Punkten wird Poesiemeister. Und er heißt in allen folgenden Tabellen und Runden "Meister Soundso", wobei statt "Soundso" irgendwas eingesetzt wird. Ohne Beschränkung der Allgemeinheit könnte der nächste Poesiemeister zum Beispiel als "Meister Qualle" aufgeführt werden (was Qualle bestimmt ganz schön nerven wird, höhö).

o Wer schon mal Poesiemeister wurde, kann es nicht nochmal werden. Bei der nächsten Partie spielt also der Poesiemeister der letzten Runde nahezu außer Konkurrenz mit. "Nahezu", denn selbstverständlich zähle ich die Punkte schon mit, und bei drei Echtpoesiemeisterschaften denke ich mir noch was Neues aus.

Gebt den Zweiten eine Chance. Wenn auch eine kleine. Was mich sofort auf das Thema Ablachpunkt bringt. Die meisten von Euch waren dafür, keiner dagegen, und viele haben sich enthalten. Damit führe ich diese Wertung ein. Jeder kann drei Ablachpunkte verteilen: er kann einer Fortsetzung drei Ablachpunkte geben, er kann einer Fortsetzung zwei und einer anderen einen Ablachpunkt geben, und er kann drei Fortsetzungen jeweils einen Ablachpunkt geben. Die Statistik hierüber wird vollständig selbständig geführt und hat auf die normale Poesiemeistertabelle keinerlei Auswirkung. Sie dient nur dazu, da zu sein.

Und dann noch einige Kleinigkeiten vom letzten Mal:

BHAK: Banging Head Against Keyboard. [Alex Mottok]

Alex dazu, daß Qualle die Tabelle anführt:

Ärger! Naja, aber man muß auch sagen, daß Qualle verdient führt. Er ist einfach besser, auch wenn ich mich, als Kritikersprüche-Autor immer deutlich in Qualles Schatten stehend, natürlich diebisch über die Überraschung schlechthin gefreut hätte. Drei Punkte werde ich wohl nicht mehr aufholen (insbesondere bei meiner nun wirklich bescheuerten Fortsetzung für diese Runde), aber vielleicht kann ich es noch ein bißchen spannend machen und Benjamin endgültig abhängen...

Qualle zu meinen Out-Wörtern:

Na sowas. Muß ich dafür Verständnis haben? Jedenfalls würde ich sowas kaum zweimal bringen, ich bin durchaus in der Lage, neue Out-Wörter zu erzeugen. ("Schreckensdumpf" war doch auch schon wieder ganz cool, oder?) Bei "sodann" sehe ich das natürlich voll ein. Niemand benutzt "sodann".

Qualle zu meinen In-Wörtern:

Zur Kirchweih zeuchts im Dachgestühl. So in der Art?

Die Vorgabe vom letzten Mal:

   Hier klafft ein Maul, das zahnlos auf sich reißt.
   Hier hebt sich zweier Arme schwarzer Stumpf.

Und das waren die Vorschläge:

9-1 (Oliver Klink)

    Dort schimmert rot das Blut, das einst durchströmt
    der Toten Körper, von denen nichts blieb als der Rumpf.

Die ersten beiden Zeilen deuten eher auf Zombies hin - wirklich rotes Blut, das noch Sauerstoff vermuten läßt, ist hier wohl out. Volker Schardin fand es prima. Einen Punkt für Oliver.

Argh! Grammatisch halsbrecherisch konstruiert. Und überhaupt, sollen das iambische Pentameter sein? Kann da einer nicht bis fünf zählen? [Alex]

Nach dem Komma begann das Drama. Bis dahin hätte man diese Fortsetzung formal ja noch durchgehen lassen können. Aber dann auch diese Kettensägenfantasien, nee. [Qualle]

Rettet dem Dativ...oder auch den Akkusativ. Ist aber egal, es paßt beides nicht. [Steven]

Ach was. Und woher dann die Stümpfe und das Maul? [Stefan Schaiger]

Elke Krankenschwester dazu: Altes Blut ("einst") ist braun, nicht rot. Und schimmern tut es schon gar nicht. [Benjamin]

9-2 (Georg Heym)

    Ein Irrer lallt die hohlen Lieder dumpf,
    Wo hockt ein Greis, des Schädel Aussatz weißt.

Ich finde das Gedicht ja ziemlich prima (wenn auch nicht gerade besonders erheiternd), aber Benjamin und Elke verrieten mir gerade eben gemeinschaftlich, daß es eher deprimierend und widerlich ist. Außerdem hat der Dichter offenbar den Fehler, aus der falschen Gegend Deutschlands zu stammen und überhaupt ekelhaft sozialistisch lügenhaft Vorstadtleben zu präsentieren, das es - Schande, oh Dichtkunst! - gar nicht wirklich gibt. Es ist schon gemein, daß einige Dichter nicht gefällige Unterhaltung dichten. Solche Gedichte eignen sich so wahnsinnig schlecht für Werbeunterbrechungen...

Und dann noch einige kleine Anmerkungen, um Gerüchte ins Wahrhafte zu drehen: Es handelt sich NICHT um Stephan Heym. Es handelt sich um Georg Heym. Dieser Mann starb mit 35 Jahren im Jahre 1912. Das Gedicht stammt aus dem Jahr 1910. Naja. Aber es HAETTE tatsächlich ein sozialistisches Propagandamachwerk sein können. Wenn es eins gewesen wäre.

    Die Vorstadt

    In ihrem Viertel, in dem Gassenkot,
    Wo sich der große Mond durch Dünste drängt,
    Und sinkend an dem niedern Himmel hängt,
    Ein ungeheurer Schädel, weiß und tot,

    Da sitzen sie die warme Sommernacht
    Vor ihrer schwarzen Höhlen schwarzer Unterwelt,
    Im Lumpenzeuge, das vor Staub zerfällt
    Und aufgeblähte Leiber sehen macht.

    Hier klafft ein Maul, das zahnlos auf sich reißt.
    Hier hebt sich zweier Arme schwarzer Stumpf.
    Ein Irrer lallt die hohlen Lieder dumpf,
    Wo hockt ein Greis, des Schädel Aussatz weißt.

    Es spielen Kinder, denen früh man brach
    die Gliederchen. Sie springen an den Krücken
    Wie Flöhe weit und humpeln voll Entzücken
    Um einen Pfennig einem Fremden nach.

    Aus einem Keller kommt ein Fischgeruch,
    Wo Bettler starren auf die Gräten böse.
    Sie füttern einen Blinden mit Gekröse.
    Er speit es auf das schwarze Hemdentuch.

    Bei alten Weibern löschen ihre Lust
    Die Greise unten, trüb im Lampenschimmer,
    Aus morschen Wiegen schallt das Schreien immer
    Der magren Kinder nach der welken Brust.

    Ein Blinder dreht auf schwarzem, großem Bette
    Den Leierkasten zu der Carmagnole,
    Die tanzt ein Lahmer mit verbundener Sohle.
    Hell klappert in der Hand die Kastagnette.

    Uraltes Volk schwankt aus den tiefen Löchern,
    An ihre Stirn Laternen vorgebunden.
    Bergmännern gleich, die alten Vagabunden.
    Um einen Stock die Hände, dürr und knöchern.

    Auf Morgen geht's. Die hellen Glöckchen wimmern
    Zur Armesündermette durch die Nacht.
    Ein Tor geht auf. In seinem Dunkel schimmern
    Eunuchenköpfe, faltig und verwacht.

    Vor steilen Stufen schwankt des Wirtes Fahne,
    Ein Totenkopf mit zwei gekreuzten Knochen.
    Man sieht die Schläfer ruhn, wo sie gebrochen
    Um sich herum die höllischen Arkane.

    Am Mauertor, in Krüppeleitelkeit
    Bläht sich ein Zwerg in rotem Seidenrocke,
    Er schaut hinauf zur grünen Himmelsglocke,
    Wo lautlos ziehn die Meteore weit.

Gewählt hätten das Original eine ganze Menge von Euch, aber immer nur fast. Insgesamt leider keinen Punkt für Georg.

Ganz hübsch, der Spiegelreim (auch mein Favorit steht in diesem Reimschema). Aber "ein Irrer" ist Umgangssprache, und die zweite Zeile verstehe ich auch nicht ganz. Für eine Frage fehlt das Fragezeichen, für einen Satzanschluß ist es zu holperig. Und überhaupt: spielen wir hier das Spiel "groteske Genitive" und "Grammatik-Achterbahnfahren"? Dennoch: nicht schlecht, durchaus ein Kandidat für die engere Wahl. [Alex] Satzzeichen sind illegale Kriterien, denn sie verändere ich willkürlich, was ich ja auch dauernd wiederholt habe.

Häh (Zeile 2)? Wahrscheinlich bin als Dipl.-Physiker und wenig literarisch gebildeter Mensch einfach zu doof dafür. [Peter Kretschmar]

9-3 (Alex Mottok)

    Hinfort! Hinweg, verjagt den Todesgeist,
    Und habt ihr ihn, trennt ihm den Kopf vom Rumpf.

Erst verscheuchen und dann doch köpfen. Konsequent oder inkonsequent - aber nicht dieses ewige Hin und Her.

Nun ja. Selbstkritisch muß ich wieder mal anmerken, daß die erste Zeile wohl recht brauchbar ist, die zweite jedoch höchstens für einige Ablachpunkte gut. Entstanden durch Zeitdruck - zunächst rief Picard und dann Kemal Abdullajew und das Schloß Salzau. Aber "Stumpf" ist echt ein harter Brocken, ebenso wie "Geist". Die bessere Lösung wäre vielleicht irgendetwas mit "Triumph" gewesen. So hat das ganze eher humoristischen als punkteträchtigen Wert. [Alex selbst]

So schlimm war das nicht: Ralf Menzel war auf deiner Seite. Ein Punkt.

Hinfort allein wär ja vielleicht noch gegangen, aber zusammen mit "hinweg" hat es doch wieder deutliche "sodann"-Qualitäten. Und zwischen verjagen und einfangen könnte sich die Henkersmannschaft auch mal entscheiden. [Qualle] Heute habe ich übrigens ein Spiel gespielt, wo man sich auch für den Sudan als Startland hätte entscheiden können. Habe ich aber nicht gemacht. Sudan. Pah. Welch plumper Versuch.

9-4 (Volker Schardin)

    Ein Kopf liegt im Feuer, zollt Tribut dem Totengeist.
    Die Wilden schlagen die Buschtrommel dumpf.

Schön. Das ist zwar nicht einer meiner Lieblingsvorschläge dieser Runde, aber hat wenigstens Atmosphäre, wenn schon nicht das rechte Versmaß. Mit falschem Versmaß könnt Ihr allerdings kaum noch jemanden kommen, wenn Ihr nicht gerade Lokomotiven einbaut. Null Punkte für Volker.

Brrr... noch so ein Totengeist. Das Bild zwar stimmig getroffen, aaaaber das Versschema... wurks! [Alex]

Der Rhy-Rhy-Rhythmus der Buschtrommel ist noch verbesserungsfähig. [Qualle]

Nett, so ein Tribut zollender Kopf. Und dann noch diese netten Beat Boys mit ihren Buschdrums... [Oliver Klink]

Völlig dumpf-sinnfrei, Daktari unter Zombies :-) [Stefan P. Wolf]

9-5 (Max)

    Hier blinzeln Augen, leer schauend und kalt
    Hier legt man sie nieder, weit draußen im Sumpf.

Ein kraftvolles Bild: den Menschen möchte ich sehen, der seine Augen freiwillig niederlegt, nur weil es gerade Sumpf draußen hat. Leider auch keinen Punkt.

Reimt sich leider nicht. Außerdem erscheint mir der erneute Anschluß mit zweimal "hier" wirklich zu gewollt. Was das Olli? [Alex]

Wer sind "sie", wenn man fragen darf? Die Augen? [Qualle]

Augen, die leer und kalt schauen und trotzdem (verführerisch?) blinzeln? Läuft da etwa Brigitte Nielsen rum? [Stefan Schwaiger]

9-6 (Jörg Mintel)

    Da wandeln vorbei drei Westen, weiß und feist.
    Vier Hunde folgen ihnen im Triumph.

Nach der Lokomotiven-Fortsetzung (9-14) mein Liebling. Die allmähliche Steigerung von drei zu vier (Westen zu Hunden) hat mir es besonders angetan. Und natürlich der Triumph. Das erinnert mich an Benjamins Reimtaktik: Suche dir erst das Reimwort, dann die Füllwörter und sorge dich dann um den Sinn. Wenn überhaupt. Leider kein Punkt.

Gute Güte... "weiß und feist"! Recht keck, aber die wandelnden Westen sind eher den Brüller des Tages wert. Man stelle sich drei durch irgendein Horror-Szenario wandelnde Westen(!!!) vor! Warum hat dieser Mensch ausgerechnet Westen gewählt!? Ist das wieder so ein Schreibfehler von Benjamin? So ziemlich alles und jeder kann da wandeln, aber Westen? Warum nicht drei Bratpfannen oder drei Telefone? Oder meinte er/sie vielleicht drei Wesen? [Alex] Ich finde, es paßt schon irgendwie. Lauter ärmliche Leute in zerrissenen Kitteln, aber dann doch drei feiste, zigarrenrauchende Unternehmer in Westen. So klassenkämpferisch, hätte beinahe echt sein können.

Fünf Freunde tatternd alt und dreist, klaun sechs Uhr früh einen Sieben-Meter-Schlumpf.... - pääääh, wie plöd. [Max]

Subtiiiiil! Aber was soll das? Naja, "Triumph" auf "Stumpf" zu reimen zeugt schon mal von viel Eigeninitiative. Nur weiter so. [Qualle]

Genial! Alex? [Stefan P. Wolf]

Toller Pars pro Toto. Leider haut die Silbenanzahl nicht ganz so hin... [Steven]

Waaahnsinn! Wandelnde Westen! Und Hunde hinterher! Das muß nach einer Zeichnung von Egner gedichtet sein (Du liest doch Titanic?). Wenn in der Vorlage "kläfft" statt "klafft" gestanden hätte, wäre diese hundsmäßig gute Fortsetzung mein Tip gewesen. [Stefan Schwaiger]

9-7 (Qualle)

    Und der Verstand erahnt nur schreckensdumpf,
    was ihm der Herr der Unterwelt verheißt.

Friedenshand. Feuerbrand. Schreckensdumpf. Ihr lernt es nie. Naja. Sowas kann doch nur Qualle sein. Liebe Kinder, macht doch einfach mal den Schmalztest. Zerschneidet die Poesiemeister-Vorschläge, so daß jeder Vorschlag ein Schnipsel ist. Dann toastet einige Weißbrotscheiben, legt auf jede Scheibe ein Schnipsel, und der Schnipsel, der dann schmilzt, nach Schmalz riecht und sich überhaupt für einen Papierschnipps ganz schön merkwürdig verhält - das war der Vorschlag von Qualle. Alex, Peter Kretschmar und Steven meinten, Schmalz ist mein Hobby, und tippten auf Qualle als angeblichen Originalautor. Drei Punkte.

Sehr gut. Versmaß stimmt, kaum zu glauben. Das stimmt ja sonst fast nirgendwo. Dieser Spiegelreim ist zwar etwas seltsam, aber ich behalte es mal im Auge. Hmmm... das erinnert ein bißchen an Hechtbauers Wildschwäne, aber ich wähle es trotzdem. Wenn es schon nicht das Original ist, hat sich der Autor den Punkt wenigstens redlich verdient. Wahrscheinlich ist 9-2 doch das echte, aber das wäre so uncool, das darf man einfach nicht wählen. Also, mein Tip: 9-7 [Alex] 9-2 wäre zwar uncool, aber zwei Punkte wert gewesen.

Ja, wirklich ziemlich dumpf. Ist aber trotzdem die einzige Lösung, die zur Vorgabe paßt. Ich wähle also 8-7. [Steven]

9-8 (Peter Kretschmar)

    Hier brodelt knochenbleicher Schlamm, Du weißt:
    Dein Schicksal zog Dich tiefer in den Sumpf.

Und ich habe mich schon gefragt, ob es an meinen Plattenpanzer lag, der mein Absinken im Modder verursacht hatte. Wer so ein Schicksal hat, braucht kein Pech (und keinen Punkt) mehr.

Kernig! Man stelle sich eine knochenbleiche Friedenshand vor, im Schein eines scharlachroten Feuerbrands. Aber knochenbleicher Schlamm, der brodelt, das schlägt alles! Mal sehen, wie tief einen das Schicksal noch ziehen kann! [Qualle] Stimmt. Dieser Vorschlag würde auf warmem Toastbrot auch zerschmelzen.

Was ist knochenbleicher Schlamm? Knochenbleich ist ja prinzipiell ein Quallewort: Viel Silben, viel Schmalz und wenig Inhalt. Aber Qualle hätte sicherlich von knochenbleichen Gebeinen berichtet. Original oder Amateur, das ist hier die Frage. [Benjamin]

9-9 (Alwin)

    Mit einem Bissen nur - Streulbrau verspeißt!
    Es zieht den Treusten hinab in den Sumpf.

Ja. Ja. Ja. Mehr vom Streulbrau! Streulbrau. Was ist wohl Streulbrau? Oder besser: Wer ist Streulbrau? Eine Fortsetzung, die zwar keinen Punkt bekam, aber vom Ablachstandpunkt weit oben rangierte.

Sehr hübsch, möglicherweise das Original. Hauptsächlich das holperige "hinab" (wenn man iambisch betont) hindert mich daran, 8-9 zu wählen. [Alex]

Streulbrau? Nie gehört! Ist das ein Rattengift? Ansonsten wäre das ja schon alles akzeptabel, wenn man davon absieht, daß verspeist mit nur zwei s geschrieben wird und daß der Rhythmus durch das Wort "hinab" völlig im Eimer ist. Wie wäre es mit "abwärts"? [Qualle]

Mit Abstand die streulbrauste Fortsetzung. Allerdings steh ich mehr auf fumbgrote Gedichte und deshalb keinen Punkt von mir. [Stefan Schwaiger]

9-10 (Ralf Menzel)

    Wenn auch der Ort "Der Tod der Hoffnung" heißt,
    So führt nur hier ein Weg durch diesen Sumpf.

Das war ein gewagtes Experiment, einen Einschub mit Anführungsstrichen zu riskieren, aber einigermaßen gelungen. Qualle und Stefan P. Wolf haben sich für diesen Vorschlag entschieden.

Das wäre auch ein Kandidat für die engere Wahl. Nur ein Problem: In einem Sumpf sieht man eigentlich keine Gerippe und verkohlte (warum auch) Leichen rumliegen oder stehen, weil die üblicherweise versinken. Daher keine Stimme von mir für sämtliche Sümpfe dieser Runde. 8-10 klingt übrigens irgendwie nach Qualle. [Alex]

Tja. Langsam muß ich mir Gedanken machen, ich habe schon zu viele gestrichen. Formal ist dieses Ding auch ok, aber irgendwie will mich das nicht überzeugen. Ein Ort, der "Der Tod der Hoffnung" heißen soll? Pathos, sei mit mir! Mal sehen. <Wenig später> Scheiße ... das war's schon? Dann muß ich ja doch 8-10 wählen. Das wird wahrscheinlich ein Punkt für Benjamin. Naja, muß auch mal sein, nach den vielen, die ich schon von ihm habe ... hehe. [Qualle]

Nein. Nein. Nein. Ich werde mich für keine Fortsetzung entscheiden, die auf Sumpf endet, und wenn mir der Anfang noch so nett vorkommt! :-) [Oliver Klink]

Wenn Winnetou auch durch "Das Tal des Todes" reist, so bleiben doch Sam Hawkins Witze dumpf. [Stefan Schwaiger]

9-11 (Benjamin)

    Ein dürres Kind auf einer Wurzel beißt,
    von Ferne donnern die Kanonen dumpf.

Nett. Und ohne sodann. Da ist ein klitzekleines formales Problemchen, aber das habt Ihr fast alle selbst gemerkt. Denn so sitzt ein dürres Kind auf einer Wurzel und beißt objektlos in die Gegend. Immerhin waren Stefan Schwaiger, Werner Ente und Andreas Hechtbauer großzügig und haben diesem Vorschlag ihre Stimme geschenkt.

Grammatikalicher FEHLER! Wenn schon "einer Wurzel", dann bitte "kaut". [Max]

Oh je, armes Elend! Beißt man auf einer Wurzel oder eine Wurzel? Keine Ahnung. Ich werd's gar nicht erst versuchen. [Qualle]

Krampfreim, das heißt "in eine" oder "kaut"! [Stefan Pee Wolf]

Hmmmm.... Beißt ein Kind nun auf eine Wurzel oder wirklich auf einer Wurzel? Wo sind denn hier die Grammatikspezialisten? [Steven]

Wollte ich eigentlich nicht wählen, weil Andi meinte, daß muß allein schon wegen der "Kanonen" das Original sein. Je öfter ich es allerdings lese, desto eindringlicher finde ich das Bild vom dürren Kind, das auf einer Wurzel rumkaut. *ZONK* Mein Tip! [Stefan Schwaiger]

Das ganze erinnert so sehr an ein Kriegsszenario, daß sonst eigentlich nichts in Frage kommt. [Andreas Hechtbauer]

9-12 (Stefan Pee Wolf)

    Fast hört man, wie sein Schrei die Stille beißt,
    wird beinah' Zeuge bei dem Tod im Sumpf.

"beißt" - ein wirklich gutes Reimwort. Man müßte nur noch gute Wörter davor finden. Diese Fortsetzung hat etwas Unvollendetes: "fast" - "beinah'". Und wieder Sumpf: Sumpf kann es nun wirklich nicht sein; das dichtet ja fast jeder. Leider kein Punkt.

Die Stille beißen? Sehr bilderreich. Aber die Stille scheint zurückgebissen zu haben, oder warum hört man den Schrei nur "fast"? [Qualle]

9-13 (Ripley)

    Noch einen Schluck vom guten Geist
    Und ausgespielt den letzten Trumpf.

Auch hier hat's keine Stimme hinverschlagen. Der "gute Geist", der andren in die Waden beißt, könnte "spirited liquor" sein, für den übrigens Mr. Duran Chance in Parlatuvier (Tobago) auch eine Lizenz zum Verkaufen hat, aber das alles zu einem Skatspielerszenario zu machen - das ist ein bißchen gewagt.

Poker und Saufen? Nicht mit mir! [Max] Ach was?!

Prost! Contra! Und plötzlich waren die Silben alle. [Qualle]

Dieses schöne Gedicht trägt den Titel 'Invalidenskat mit Trinkgelage. Apocalypse NOW!' und ist von mir, daher keine Stimme. [Ripley]

9-14 (Holgi@Psycho)

    In der Mitte ist der mit Nieten beschlagene Rumpf.
    So steht das stolze Roß, welches Lokomotive heißt.

Und das ist er: unser heutiger Topfavorit. In ungefähr anderthalb Stunden werde ich 1835 spielen - und dazu paßt diese Fortsetzung unter anderem auch. Ach, Versmaß! Och, Rhythmus! Hauptsache: Lokomotiven! Da verzeihe ich Euch auch allen, daß Ihr wieder keine Königsfolge gebracht habt. Kennt einer eigentlich ein gutes Eisenbahngedicht? Max, Oliver Klink, Benjamin und Ripley waren für diesen Vorschlag, was satte vier Punkte für Holgi macht. Qualle, paß bloß auf - bei so einem gerissenen Dichter könnte die zweite Poesiemeisterpartie schwer für dich werden.

Argh. Unstimmig in so ziemlich jeder Hinsicht. Versschema, Inhalt, Stil... Das erinnert ein bißchen an die Japaner und die Karl-May-Festspiele... War das damals nicht Volker Schardin? [Alex] Jaja. Aber im Vorschlag kommt eine Eisenbahn vor. Das reißt alles wieder raus.

DAS paßt so gar nicht, also nehm ich's. Warum? Da fällt mir keine einleuchtende Antwort ein. [Max]

Originell, wenn das Versmaß gepaßt hätte, hätte ich vielleicht hierauf getippt. [Peter Kretschmar]

Und plötzlich so viele Silben. Trotzdem hat diese Fortsetzung was. Irgendwas von einem Bilderrätsel. Nur die Auflösung kommt zu schnell. [Qualle] Hättest du nur ein klein wenig auf's Versmaß geachtet, Holgi, hätte diese Fortsetzung nicht vier, sondern dreizehn Stimmen bekommen. Arbeite dran!

Das ist so blöde und noch dazu die einzig verbliebene Fortsetzung, die ich wählen könnte, daß ich mich also einfach mal für 8-14 entscheide! [Oliver Klink]

Harald Schmidt würde sagen: "Ja, ich sehe sie regelrecht vor mir!" [Stefan Pee Wolf]

Hey, wer hätte daran gedacht! Eine Lok mit Kessel als Maul und Schornsteinen als Stümpfen. Tolle Idee! *applaud* Allerdings wurde die Verwendung oder Verbreitung des Worts "Lokomotive" wegen Mißklangs von der Genfer Lyrikkommision untersagt. Das hat der Autor wohl nicht gewußt. [Stefan Schwaiger]

MEIN TIP: 8-14! Solche Ideen müssen belohnt werden. Auch wenn sie tausend Silben brauchen. [Benjamin]

Der einzige Vorschlag, der der Vorgabe einen nachvollziehbaren Sinn gibt. Leider zu bemüht, um das Original sein zu können. [Ripley]

Der Zwischenstand nach der 9. Runde:

                                alt    diesmal   Gesamt
Qualle                          27     3         30
Alex Mottok                     24     1         25
Benjamin                        19     3         22
Andreas Hechtbauer              10     -         10
Oliver Klink                    7      1         8
Ralf Menzel                     6      2         8
Stefan Schwaiger                6      -         6
Holgi@Psycho                    1      4         5
Marina                          4      -         4
Achim Bietmann                  4      -         4
Max                             4      -         4
Ripley                          4      -         4
Peter Kretschmar                3      -         3
Torsten Koeppe                  3      -         3
Pedl Rau                        2      -         2
Ruediger Klings                 2      -         2
Alwin                           2      -         2
Joachim Stehle                  1      -         1
Simon Klaiber                   1      -         1
Michael Below                   1      -         1
Volker Schardin                 1      -         1
Arne Leisner                    1      -         1
Werner Ente                     1      -         1

Auswertung 8
Auswertung 10