Poesiemeister 1994

Auswertung 7

Auswertung 6
Auswertung 8

Nach zu kurzen vier Wochen bin ich wieder zurück aus Tobago und stelle mit Freude fest, daß der Farbunterschied zwischen den weißgrauen Tasten des Computers und meinen Händen zugenommen hat. Falls jemand nicht genau weiß, wo er dieses Jahr seine Ration Sonne her kriegt: Tobago. Eine Insel in der Karibik, die viele noch nicht kennen, und deshalb noch nicht so verdorben ist wie die anderen. Mit echten Palmen und funktionierender Kokosnußmilch! Ich kann nicht garantieren, daß diese Auswertung völlig tobagofrei ist...

Offenbar hat sich die lange Pause nicht günstig auf die Teilnehmerzahl ausgewirkt - nur sieben gültige Züge (und ca. fünf ungültige, die sich noch auf die Auswertung davor beziehen). Daher habe ich unter die Vorgaben eine (ziemlich beknackte) von mir gemischt. Wer die errät, kriegt natürlich keinen Punkt, aber das haben ja die meisten Vorgaben mit meiner gemeinsam.

In Zukunft möchte ich Poesiemeister mit einem zweiwöchentlichen ZAT abwickeln, damit auch weit entfernte Leute im Netz eine Chance haben. Beispielsweise haben Andreas Hechtbauer und Stefan Schwaiger und noch einige andere mir Mails geschickt, die sich auf die Auswertung "eins vorher" beziehen und daher nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Ich hoffe, das kann durch einen etwas sanfteren ZAT vermieden werden.

Nochmal einige Hinweise: a) Ich garantiere nicht, daß sich die Vorgabe unbedingt mit den fehlenden beiden Zeilen in irgendeiner Weise reimen muß. b) Ich ändere die Interpunktion gelegentlich ab; genauso variiere ich, ob die Buchstaben am Anfang einer Zeile groß oder klein geschrieben werden. Daraus könnt Ihr also keine Schlüsse ziehen.

Zu dichten waren die nächsten beiden Zeilen zu

     Alle Glocken gehn; ihre Töne schwelln
     himmelan aus Kirchen und Kapelln

Zu den Vorschlägen:

7-1 (Benjamin Doerr)

     Stetig trägt der heilge Klang die Mär:
     Der Friede ist gebrochen. Setzt Euch zur Wehr.

Zwei Sätze in einer Zeile deuten an, daß uns der Dichter unheimlich viel sagen will. Alex tippte darauf: "Angemessen konfus, um das Original sein zu können. Der einzige unfriedliche Reim. Das ist zwar etwas ungewöhnlich (Krieg mit dem Segen der Kirche), und das Versmaß will mich auch nicht so recht überzeugen, aber irgendetwas treibt mich dazu, diese Fortsetzung zu wählen." Krieg mit dem Segen der Kirche: wirklich so ungewöhnlich? Sei's drum: ein Punkt für Benjamin.

Kommentar dazu:

Das wähl ich nicht. Wenn die Kirchen schon wieder die Waffen segnen sollen, dann ohne mich. [Qualle]

7-2 (Oliver Klink)

     Zur Kirchweih keiner fehlen mag
     An diesem heilgen Tag

Ich komme aus Niedersachsen, da gibt es nur Jahrmärkte und vielleicht noch Rummelplätze (lang lebe der Kramermarkt). Aber das Wort "Kirchweih" hat mich schon immer fasziniert; vielleicht lag das daran, daß ich als kleines Kind lange gebraucht habe, bis ich Josephine Siebes "Geschichten aus Oberheudorf" vom Niederuntersüddeutschen ins Klardeutsche transferiert bekam, und dabei prägte sich dann auch das Wort "Kirchweih" nachhaltig ein, nachdem mir mein Vater erklärte, daß es eine euphemistische Umschreibung für "Jahrmarkt" sein soll (stimmt das eigentlich?). Kirchweih-Fans sind unter Poesiemeistern aber nicht weit verbreitet. Tjä. Null Punkte.

Zweimal hintereinander "heilg"? Dabei hätte gerade dieser Fortsetzung die eine oder andere Silbe mehr ganz gutgetan. [Qualle]

7-3 (Pedl Rau)

     Jedes Haus bald brennt, alles flackert rot
     Eilt schnell herbei - wir sind in Not!

Die erste Zeile startete verheißungsvoll, aber die zweite ist ein wenig schwächlich und riecht nach Pflichtzeile. Die Feststellung "Wir sind in Not" ist nach den vorhergehenden anderthalb Zeilen beinahe schon untertrieben. Leider kein Punkt für Pedl.

Vom Rhythmus her ganz akzeptabel, aber wo bleibt die Logik? Warum fangen die Häuser erst an zu brennen, nachdem schon alle Glocken geläutet wurden? [Qualle] Ja, wo bleibt sie denn, die Logik? Vielleicht in den Zeilen vor oder hinter den vier Ausschnittzeilen? Möglicherweise tummelt sie sich auch noch in der Karibik rum und trinkt Pinha Colada mit intakter Kokosnußmilch; in diesem Fall sollten wir ihr mal schreiben, damit sie einige Liter davon mitbringt.

7-4 (Armin Michel)

     Herauf zu den Sternen, hinauf zum alten Mond,
     Dem zur Freud zu klingen, der über allem wohnt.

Damit der alte Erdtrabant ganz fürchterlich ins Grinsen kommt, legen sich die Küster nochmal so gerne in die Glockenzüge. Der Vorschlag stieß allerdings auf wenig Gegenliebe (0 Punkte). Apropos wenig Gegenliebe: auch die Kokosnußmilch von Howü stieß auf wenig Gegenliebe gestern, als wir versuchten, Pinha Colada zu machen. Hat da jemand einen Tip? In Tobago ist Kokosnußmilch ein flüssiger, süßer Schlabber. Hier scheint es eine halbfeste weiße nach Albumin schmeckende Masse zu sein.

Ganz nett. Nur die Reihenfolge Sterne-Mond ergibt keinen Sinn. Vielleicht entstammt das Gedicht ja einer Zeit, wo man das noch nicht so genau messen konnte, aber der Mond hatte im Vergleich zu den Sternen schon immer etwas familiäres. Der Satz "Er schoß seinen Ball hinaus auf die Straße, hinaus zur Gartenpforte" wäre ähnlich seltsam. [Alex Mottok]

Ob dem auch diese Fortsetzung gefallen hätte? Naja, wenn man hinterm Mond wohnt... [Qualle]

Hättest Du statt wohnt thront genommen, hättest Du 'nen Punkt bekommen. [Achim]

Dem Mond zur Freude - und was sagen die Nachbarn zur nächtlichen Ruhestörung? [Ripley]

7-5 (Benni Bärmann)

     Der Pfarrer bricht -
     Die Sonne sticht.
Großartig!!! So muß man dichten - vier Silben, zwei Zeilen, es reimt sich, es ist prägnant und es hat mit der Vorgabe nichts zu tun. Wirklich brillant. Hätte das Original sein können, aber leider besitze ich keine Gedichtbände von Benni. Unverständlicherweise hat sich keiner von Euch für diese Fortsetzung entschieden, die den Geist von Rüdiger Klings aufrechterhält.

Der Dichter schreit -
Das geht zu weit. [Alex Mottok]

Ein eindrucksvolles Dokument zeitgenössischer Lyrik, das sich nur mit einem gewissen Widerwillen in den hehren Rahmen des ersten Verses fügen möchte. [Qualle]

Ist Rüdiger zurück? [Ripley] Leider nicht - er fehlt irgendwie, nicht?

7-6 (Volker Schardin)

     Es zeucht der Schall im weiten Land
     So gülden wie die Sonne

Das "zeucht" ist schon ziemlich überzeugend, auch "gülden" gefällt mir ziemlich gut, wäre da nicht die Sinnkrise. Auch hier gibt es keinen Punkt, aber bei nur 7 abgegebenen Zügen ist das nahezu der Erwartungswert.

Es zeucht der Schall? Was soll denn das heißen? Aber, wie 7-1, konfus genug. Nur schade, daß es sich, entgegen der Vorgabe, überhaupt gar nicht reimt. [Alex Mottok]

Ein gewagtes Ding, aber ein zeuchender, güldener Schall erinnert mich doch zu sehr daran, daß der Sehnsucht die Hand einfriert. [Qualle]

Hübsch, das 'zeucht'. Der springende Punkt ist bloß, daß eben dieser fehlt. [Ripley] Achtung: Watch dem fake! Das mache ich gelegentlich absichtlich, um genau diese Rückschlüsse zu torpedieren. Die Zeichensetzung muß nicht die Originalzeichensetzung sein.

7-7 (Arne Leisner)

     Ziehn gar dräuend über Felder und Wiesen,
     Rufen heran der Männer helfende Hände.

Sehr hübsch. Klingt irgendwie klassisch. Und überzeugte Benjamin ohne weiteres. Das macht einen Punkt.

Argh. Hat sich da jemand abgesprochen? Das klingt genau wie 7-6. Sogar "Felder und Wiesen" / "weites Land" hat gewisse Ähnlichkeit. Und dann wieder so ein Wort, das kein Mensch versteht. Entweder das ist irgendein seltsamer Bluff, oder eins von beiden ist das Original, und der jeweils andere kennt das Gedicht. [Alex Mottok] Weder noch, glaube ich.

Klingt irgendwie widersprüchlich, einerseits dräuen die Töne finster rum, andererseits wollen sie jemanden herbeirufen. [Qualle]

Nicht schlecht ... diese Form gibt es ja wirklich und klingt auch alt! Mal sehen, wer darauf reinfällt !?! [Holger@Psycho]

Dieser Vorschlag zählt sicher zu jenen, die ursächlich der Androhung Khurrads, eine Vorgabe ohne anschließenden Reim zu bringen, entstanden sind. Dieser Versuch scheint mir allerdings bei einer Vorgabe, die sich selbst so klangvoll reimt, reichlich deplaziert. [Ripley]

7-8 (Joachim Stehle)

     Schon ist Licht zu sehn; bald beginnt der Tag,
     Der uns die Gewißheit bringen mag.

Das muß ein wichtiger Tag sein, wo die Glocken als Verstärkung für die allmorgendlich krähenden Hähne gebraucht werden. Euch war der Morgenschlaf wichtiger; daher leider kein Punkt für Joachim.

Nun ja, das "sehn" ist einfach zu gewollt auf "schwelln" und "Kapelln" gedichtet, so ähnlich wie Ollis und meine vielen Ausrufezeichen bei der Lustgeschrei-Runde. Außerdem wäre es geradezu orkisch gemein, mitten in der Nacht die Glocken klötern zu lassen ("bald beginnt der Tag"). [Alex Mottok] Genau. In Parlatuvier, einem kleinen Fischerort im Norden Tobagos, wo Kay-Viktor (Qualle) und ich unseren Urlaub verbrachten, fingen die Hähne für gewöhnlich um 4.15 Uhr Ortszeit an zu krähen. Das ist 9.15 Uhr MEZ. Das wäre alles gar nicht so schlimm, wenn ich meinen Körper nicht vorher mühselig daran gewöhnt hätte, die Ortszeit ernst zu nehmen. Meistens weckten die Hähne die Hunde, die dann ohne Unterlaß weiter bellten, weil sie kleine, schwächliche Köter waren, die sonst keinerlei Befriedigung aus ihrem Leben ziehen konnten. Die Vorstellung alleine, im Morgengrauen hätten noch zusätzlich Glocken geläutet - weia.

Könnte man sowohl formal wie inhaltlich gerade doch durchgehen lassen. Kommt erstmal in den Merker. [Qualle] Qualle hat seinen Zug vor dem Urlaub abgegeben...

7-9 (Alwin)

     Zur Trauung schreitet das königlich Paar,
     Um Frieden zu schließen vor Gottes Altar.

Könige. Ich liebe Könige. Ich sollte es lieber nicht öffentlich bekanntgeben, weil die Zeit noch nicht reif dafür ist, aber insgeheim haben wir auf Tobago einen Geheimplan entwickelt, der Bevölkerung dieser Insel die Freiheit von Trinidad wiederzugeben. Bislang ist Tobago ein ziemlich kleiner Verwaltungsbezirk der Republik von Trinidad und Tobago (fünfzigtausend Einwohner, gegenüber über einer Million auf Trinidad). Die Bevölkerung dort ist aber anders strukturiert (und viel netter) als auf Trinidad, das Klima ist hervorragend, es gibt nichts Widerliches in der Tier- oder Pflanzenwelt, die Strände sind wie im Bilderbuch - was fehlt also als einziges? Der König. "Königreich Tobago", das klingt doch einfach prima. Wenn ich die Tobagoaner durch eine langangelegte Werbekampagne (geplant sind zwanzig Jahre) von den Vorteilen einer klassischen Monarchie überzeugt habe, habe ich auch schon eine prima Idee, wer denn der Begründer des Königlichen Hauses auf Tobago sein könnte... Auch Werner Ente mag Könige: ein Punkt für Alwin.

Bäh. Meinen König hat damals auch kaum einer gewählt, darum wähle ich den hier jetzt auch nicht. [Alex Mottok] Könige werden nicht gewählt. Könige werden von Gottes Gnaden eingesetzt. So wird es auch dem künftigen König von Tobago ergehen.

Eins nach dem anderen bitte. Erst wird geheiratet und anschließend können wir die Waffenstillstandsverhandlungen einleiten. [Qualle]

Seit wann schließt man denn so Frieden? Der Streit fängt doch jetzt erst an! [Holgi@Psycho]

7-10 (Alex Mottok)

     Und, kaum erklungen, bricht hervor
     Der Sonne Licht am Himmelstor.

Ein anderer meiner Favoriten unter den Wörtern ist "brechen". Damit kann man so schön viel anfangen. Alles bricht. Und das Bild des sich unwillig öffnenden Himmelstores, aus dem ungeduldig das Licht der Sonne hervorhetzt, nachdem es sich nochmal kurz schuldbewußt nach der Sonne umgedreht hat, so ein Bild hat doch irgendwas. Achim Bietmann hat sich für diesen Vorschlag entschieden (einen Punkt).

Im Nachhinein betrachtet keine so sehr hitverdächtige Vorgabe. Das "kaum erklungen" soll sich eigentlich auf die Glocken beziehen, bezieht sich in dieser Konstellation jedoch unlogischerweise auf "der Sonne Licht". Außerdem paßt "Himmelstor" nicht so recht, das klingt eher nach einem Ostfriesen- oder Bratscherwitz. Das Himmelstor ist etwas abstraktes, das man nicht sehen kann, und wo daher auch keine Sonne hervorbrechen kann. Nun ja, vielleicht erbarmt sich ja jemand dieser Vorgabe, immerhin ist es doch ein recht hübsches Bild von läutenden Glocken und der direkt anschliessend hinter den Wolken hervorbrechenden Sonne. [Alex Mottok] Dem Gegner klassischer Musik, dem rate ich zur Selbstkritik. Auch von Alex und fiel mir in diesem Zusammenhang mal wieder so ein.

Erst mußte die Sonne stechen, jetzt muß sie auch selbst noch brechen. Nein danke. [Qualle]

Alle sind hier am brechen... erst die Welle, dann der Pfarrer und jetzt auch noch die Sonne! Hualp! [Holgi@Psycho]

7-11 (Theodor Fontane)

     Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
     ein Dienst nur, den sie heute hat

Die letzten beiden Strophen des Gedichts gehen so:

     Alle Glocken gehn; ihre Töne schwelln
     himmelan aus Kirchen und Kapelln,
     ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
     ein Dienst nur, den sie heute hat:
     Zehntausend folgen oder mehr,
     und kein Aug' im Zuge, das tränenleer.

     Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
     mit Blumen schließen sie das Grab,
     und mit goldner Schrift in den Marmorstein
     schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:

     "Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
     hielt er das Steuer fest in der Hand,
     er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
     er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
     John Maynard."

Hähä. Da habe ich Euch aber gründlich reingelegt, was? Freu, glucks, strahl... Das Netteste bei Poesiemeister als GM ist, wenn man ein superoberbekanntes Gedicht vorgibt, und zwar so fiese zwei Zeilen, daß wirklich keiner drauf kommt. Ich hoffe (damit sich die Schadenfreude auch so richtig lohnt), daß Ihr sicher alle die Ballade von "John Maynard" kennt und vielleicht sogar wie ich auswendig lernen mußtet. Hach, und keiner hat's gewußt! Einer hat es allerdings geraten: Qualle. Das gibt fette zwei Punkte für ihn. Nun muß ich nur noch zwei Zeilen aus "Hänschen klein" ausgucken, die keiner rät...

Interessant. Wie letzte Runde bei Qualle, wenn es das Original ist, ist der Stimmungswechsel Krach-Schweigen recht gelungen, wenn nicht, wirkt er ein wenig bizarr. [Alex Mottok] Mit anderen Worten: Wenn es das Original ist, ist es Kunst, sonst ist es schlecht. Wie es dem Original gelingt, jene inerte Kraft zu entfalten, die es mystisch von Texten abhebt, die nicht das Etikett eines Originals tragen, ist mir rätselhaft.

Ahaa! Geheimnisvoll! Ist das jetzt der neue Trend - Fortsetzungen mit Tiefgang dichten? Mit der äußeren Form bin ich ja nicht hundertprozentig zufrieden, aber ansonsten könnte mich das Ding schon ködern. Mal sehen. [Qualle]

7-12 (Steven)

     Trunken voller Glück und bar jeder Pein
     Freuen sie sich, es muß Frieden sein

Klar. Was sonst? Bar jeden Punkts, bedauerlicherweise.

Oh wie schön, die Glocken sind trunken vor Glück und freuen sich über den Frieden! Ein sehr nettes Bild. Ich frage mich, wer aus der hochverehrten Dichter-Riege wohl "bar jeder Pein" schreiben würde. Vielleicht Qualle? [Alex Mottok]

Wer freut sich? Die Glocken? Die Töne? Nee, die schwelln ja noch. Ich glaub das nicht. [Qualle]

Hat wieder der besoffene Küster geläutet? [Holgi@Psycho]

7-13 (Ralf Menzel)

     Siegreich war die Schlacht; treu des Kampfes Glück.
     Bald schon kehrt des Königs Heer zurück.

Der König, der König! Kennt übrigens jemand das Lied "Eine Königin mit Rädern untendran" von "Foyer des Arts"? Ripley gab seine Stimme diesem Vorschlag.

Soso. Die Schlacht ist siegreich und der Kampf hat Glück. Da hat aber jemand tief in die Beziehungskiste gegriffen. [Alex Mottok]

Jaaa, der König, der König. Er muß immer mal wieder dabei sein. Wäre in Ermangelung besserer Fortsetzungen sogar wählbar. [Qualle]

Auch wenn diese Fortsetzung inhaltlich verräterisch typisch für die Werke aus unserem Kreise ist, hat sie für mich vom Äußeren am meisten Ähnlichkeit mit der Vorgabe und soll deshalb meine Stimme bekommen. [Ripley]

7-14 (Werner Ente)

     Und verkünden den weißen Tauben gleich
     Die Botschaft: Frieden, Frieden im Reich.

Komischerweise hat diese Fortsetzung keine Punkte bekommen. Dabei ist sie mein Favorit gewesen, weil sie so überschwillt von Pathos - so wie es ja auch die Vorgabe tut. Und ich bin mir ziemlich sicher: Theodor Fontane wäre sich auch hierfür nicht zu schade gewesen.

Hmpf. Wo ist das Komma vor den weißen Tauben? Oder verkündet man den weißen Tauben die Friedensbotschaft? Was haben die davon? [Alex Mottok] Bist du dir sicher, daß das Komma vor den weißen Tauben zwingend ist? Ich bin mir da nicht so sicher.

Nicht überzeugend. Tageskalauer: Lieber schwarze Blinde als weiße Taube. [Qualle]

7-15 (Christian Gorni)

     Die Menge jubelt - Tränen fließen,
     Derer sich niemand schämt zu vergießen.

Kurz mal nachdenken: "derer"? Ist das korrekt? Schämt man sich nicht des Vergießens oder der Tränen - aber nicht nicht der Tränen zu vergießen? Klingt irgendwie wie deutsches Patois, was mich wiederum an den Klassiker "Da King Gone Mad" erinnert, den Kay-Viktor und ich auf einem Ausverkaufsplakat an einem Kaufhaus in der Innenstadt von Port of Spain auf Trinidad fanden. "Panic Sale". "Da People Laughin". "Da Whole Tong Gone Frenzy". Wo ich gerade beim Zitieren von trinidadischer Werbung bin, darf hier natürlich nicht die wegweisende Slogandichtung von Chiney's Wrecking Service (auch Port of Spain) fehlen. Auf seinem Abschleppwagen fand man folgende Sprüche:

We are no stranger to danger.

No hill is too steep, no ditch is too deep.

Large or small, we handle them all.

Nicht zu vergessen die Trinidader Anti-AIDS-Werbung, die durch die Trinidad And Tobago Television verbreitet wurde: "Be wise - condomize!"

Ein typischer Fall von Satzbau-Mix. Und der ist ja durchaus modern. Korrekt wäre gewesen: Tränen fließen, derer sich niemand schämt. Korrekt wäre auch gewesen: Tränen fließen, die sich niemand schämt zu vergießen. Aber der Mix ist nun mal - faaaaalsch! [Qualle]

7-16 (Ripley)

     Zum Altar hin führt's das Paar,
     Wie das Volk noch keines sah.

Das führt sich sozusagen wie von selbst. Leider auch hier kein Punkt.

Bißchen sparsam. Und wenn es da eine abstrakte Größe gibt, die das Paar führen könnte (die Glocken zum Beispiel oder die Töne aus der Vorgabe), dann hätte diese konsequent weiter im Plural auftreten müssen ("zum Altar hin führen sie das Paar"). [Qualle]

7-17 (Qualle)

     Ihren Ruf vernimmt man in Stadt und Land,
     Und man reicht sich stumm die Friedenshand.

Friedenshand. Burps. Apropos "Hand": Das erinnert mich an die Hände, die einem ständig auf Tobago entgegenwinken. Je weiter man in das Niemandsland auf dieser Insel kommt, desto häufiger wird selbst bleichhäutigen Touristen gewunken, so daß man gar nicht umhin kommt, zurückzuwinken. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran, und auch an die Winkgrenze. Sie liegt so ungefähr bei Plymouth; südwestlich davon sind die Tobagoaner schon zu sehr an die Touristen gewöhnt und abgebrüht. Zurück zur Friedenshand: Holgi@Psycho ist darauf reingefallen. Macht nichts, Holger. Nächstes Mal weißt du: sowas kann nur von Qualle kommen. Wenn du also irgendwo einen scharlachroten Feuerbrand, eine Friedenshand oder sonst irgendetwas Oberkitschiges siehst, ist es entweder Qualle - oder das Original. Ein Punkt für Qualle (Insgesamt schon drei. Na, Alex, was sachste dazu? Und so unverdient...).

Nun ja, das ist ja ganz nett. Aber die "Friedenshand" glaube ich nicht so ganz. Und das "stumm" paßt auch nicht zu einem echten Friedensschluß. [Alex]

Jop, das ist es! Kann sich doch nur um Frieden handeln, wenn gleich alle Kirchen ihre Glocken läuten lassen. [Holger] Nö, das ist nicht zwangsläufig. Laut den "Kieler Nachrichten" läuteten in ganz Lübeck alle Kirchenglocken, nachdem irgendwelche Schurken die dortige Synagoge in Brand zu setzen versuchten. Wie Frieden kommt mir das nicht vor.

Was ist denn die Friedenshand? [Achim]

Donnernde Glocken über lautlosem Händeschütteln; ein geradezu entrücktes Schauspiel. [Ripley]

Und nun der Zwischenstand nach der 7. Runde:

                                alt    diesmal   Gesamt
Qualle                          19     3         22
Alex Mottok                     19     1         20
Benjamin                        15     1         16
Andreas Hechtbauer              10     -         10
Oliver Klink                    7      -         7
Stefan Schwaiger                6      -         6
Ralf Menzel                     5      1         6
Marina                          4      -         4
Achim Bietmann                  4      -         4
Max                             4      -         4
Peter Kretschmar                3      -         3
Torsten Koeppe                  3      -         3
Pedl Rau                        2      -         2
Ruediger Klings                 2      -         2
Ripley                          2      -         2
Alwin                           1      1         2
Joachim Stehle                  1      -         1
Simon Klaiber                   1      -         1
Michael Below                   1      -         1
Volker Schardin                 1      -         1
Arne Leisner                    -      1         1

Auswertung 6
Auswertung 8