Poesiemeister 1994

Auswertung 5

Auswertung 4
Auswertung 6

Zunächst etwas Verwaltung:

Zwei wichtige Ereignisse greifen in mein Leben entscheidend ein:

1. Mein Urlaub.

2. Die UMS klemmt sich vom Z-Netz ab.

Zu 1.: Ich bin vom 27. Februar bis zum 25. März 1994 im Urlaub (Trinidad und Tobago, besonders Tobago). Das ist nett, aber wahrscheinlich modemlos. Daher gibt es während dieser Zeit keine Auswertungen.

Außerdem bin ich am nächsten Wochenende in Greifswald, um die dortigen Ureinwohner über die Vorzüge des westdeutschen Beamtenrechts zu unterrichten. Das Seminar, das ich dort halte, geht vom Donnerstag bis zum Sonntag nachmittag, und dann habe ich auch keine Lust mehr auszuwerten, sondern fresse mich lieber satt und dick an dem, was Benjamin bis dahin gekocht hat (träum).

Das bedeutet, daß die nächsten ZATs für alle Spiele (Ork und Poesiemeister) wie folgt liegen:

a) Mittwoch, 23. Februar 1994, 16.00 Uhr

b) Samstag, 26. März 1994, 24.00 Uhr

Zu 2.: Jan, der Sysop der UMS, hat sich bedauerlicherweise dafür entschieden, das Z-Netz von seiner Box abzuhängen. Das bedeutet, daß ich im Moment ohne gültige Z-Netz-Adresse bin. Ich werde das natürlich umgehend ändern und dann die neue Adresse sofort in die einschlägigen Bretter posten. Diese einschlägigen Bretter sind: /KIEL/ALLGEMEIN, /KIEL/ROLLENSPIELE und Z-NETZ/FREIZEIT/SPIELE.

Meine Fido-Adresse und meine Usenet/Internet-Adresse bleiben.

So, und nun zu der Auswertung. Mit Spannung erwarten alle (außer mir) sicher die Auflösung des Lustgeschreis. Die Vorgabe 6, die ja eine unheimlich leichte Vorgabe war, habe ich übrigens diesmal nur gewählt, weil mein Gedichtbuch über den Dichter folgendes vermerkt:

Er wurde geboren zu Breslau, war Offizier, machte dann große Reisen und lebte zuletzt mit seiner Familie auf dem Gute Haseldorf bei Uetersen.

Außerdem ist der Name des Dichters genial (folgt in der nächsten Auswertung).

Eine Beobachtung, die ich häufig gemacht habe, ist, daß Ihr versucht, in die nächsten beiden Zeilen inhaltlich etwas wie eine abgeschlossene Handlung zu pressen, so daß die vier Zeilen einigermaßen für sich stehen könnten. Das ist natürlich nur bedingt sinnvoll, denn der Dichter hatte unheimlich viel Platz für die Entwicklung seiner Reimkunst. Die Lustgeschrei-Vorgabe wird es Euch vormachen, was ich meine: die nächsten beiden Zeilen sind alleine mit den beiden vorgegebenen Zeilen zusammen wenig sinnvoll, erst im ganzen wird es ein Gedicht.

Übrigens, ein kleiner Tip: nicht alle Gedichte, die ich präsentiere, müssen sich reimen.

Etwas Presse von Benjamin an Anja Andres:

Vielen Dank für die Punkte, die Du mir so zahlreich spendest (bisher waren Dir alle meine Fortsetzungen einen Punkt wert). Spricht für Deinen Geschmack, daß Du Dich nicht von "klippert's und klappert's" oder den "äsern der Pferde" hast betören lassen. Magst Du etwa gar keine Pferde? Sehr vernünftig. Weiter so! Wenn Du zehn Punkte schaffst (von Dir an mich), lade ich Dich zu unserem sonntäglichen Sektfrühstück ein.

Das ist auch für mich okee. Vielleicht gibt es dann zum Sektfrühstück sogar Sekt, wenn du kommst, Anja. Du darfst Rüdiger mitbringen.

Zu dichten waren die nächsten beiden Zeilen zu

   Horch! Stimmen durch den Wald! Ein Lustgeschrei!
   Gekreisch! Gewieher! Freches Volk, vorbei!

Und das waren die Vorschläge:

5-1

   Danach dann die Stille! Ein Surren? Gar zwei? Nein, es sind deren viele!
   Japaner sind da und nehm'n alles auf - so sind die Karl-May-Festspiele.

Gedichtet von Volker Schardin. Hat einen gewissen Bonus auf Originalität, aber die massive Silbenüberflutung zeigt dann doch noch Trainingsbedarf. Man muß ja Versmaße nicht einhalten, aber man darf sich bei dessen Mißachtung nicht erwischen lassen und - ertappt - noch schnell fünf, sechs weitere Silben ausstoßen.

Kommentare dazu:

Urgs. Die goldene Pappnase für diesen Vorschlag. [Alex]

Waaaahnsinnswendung. Das müßte es sein - wenn es nicht so eine verflixte Überlänge hätte... [Steven]

Echte Meister wählen so einen Vorschlag natürlich nicht. Daher keinen Punkt für Volker.

5-2

   Ein Hirsch! Ein Knall! Die Hunde hinterher.
   Endlich - kein Geräusch mehr.

Das stammt von El-Botzo und hat eine später nochmal vorkommende nette Idee: Erstmal Geräusch aufbauen, dann Geräusche abbauen. Und ordentlich abgehackt! Ausrufezeichen! Dennoch: der Dichter weint. Vielleicht sollte sich El-Botzo von dem "Merde"-Stil lösen: auch die zweite weitergedichtete Zeile verdient Aufmerksamkeit.

Die erste Zeile ist ja noch gut zu lesen, aber bei der zweiten hat den Autor anscheinend die Lust verlassen. [Qualle]

Die erste Zeile ist ja ganz passend, aber die zweite haut dann überhaupt nicht mehr hin. [Oliver Klink]

Und auch keine Stimme von mir. Also ehrlich, die Situation auf einen Jäger und einen Hirsch und ein paar Hunde herunterzustufen, ist wirklich etwas seltsam. Es ist im Wald ganz offensichtlich mehr los, als eine Jagd, bei der ein einziger Hirsch erlegt wird. Stimmen! Lustgeschrei! Gekreisch! Volk! Nix mit "Ein Hirsch, ein Knall" und Ruhe. [Alex Mottok]

5-3

   Es brodelt im Gesträuch, der Hain erbebt!
   Sieh dort! Er sprengt herbei! Der König lebt!

Hübsch gedichtet von Alex Mottok. Mein Liebling. Wie das Gesträuch siedet und schließlich kocht, Dampf ausscheidet, bis daß der es abdeckende Hain gelüpft wird! Das Tosen erweckt selbst Könige, die auf Pferderücken daherschlummern. Und versmaßmäßig angemessen kaputt. Ralf Menzel meinte dazu: "Von diesen Vorschlägen mag mir diesmal inhaltlich keiner so recht gefallen. Ich tippe auf 5-3, weil dieser zumindestens einen gewissen Spannungsbogen bildet." Ein Punkt für Alex.

Gefällt mir. Das Versmaß ist besser als bei der Vorgabe. Aber inhaltlich ist diese Fortsetzung zu dramatisch. Die Vorgabe ist viel vergnüglicher. [Qualle]

Ohne das völlig unpassende Brodeln hätte ich wohl diesen gewählt. [Oliver Klink]

5-4

   Vorbei an der Meute! Das frohe Lachen verhallt!
   Wohlan, Postillion! Fahr er schneller! Es dämmert bald!

Auch schön ausrufezeichenreich, und immerhin den Handlungsstrang vorantreibend, der Vorschlag von Oliver Klink. Für ihn haben sich Christian Gorni und Alex Mottok entschieden (zwei Punkte).

Und wem dämmert's? Mir! [Qualle]

Ich glaube, es ist 5-4. Die Silbenzählerei ist zwar ganz spaßig, aber letztendlich doch nicht unbedingt maßgeblich. Die 2x10 Silben in der Vorlage können auch Zufall gewesen sein. 5-4 paßt zwar nicht 100%ig (der Anschluß mit "vorbei" wirkt etwas seltsam), aber meiner Meinung nach immer noch besser als alle anderen. Meine zweite Wahl wäre 5-10 gewesen, aber ich bleibe bei 5-4. [Alex Mottok]

Hmmmmm. Vorbei - vorbei? Vielleicht eine etwas zu auffällige Wortfehlwahl. [Steven]

Unsere beiden Sexvorschläge:

5-5

   Ja schau! Ist es nicht dort bereits passiert?
   Tatsächlich! Eine Frau wird penetriert!

5-15

   Geil! Ich komme bald! Eieiei!
   Ich hoffe, Du hast Kondome dabei!

Börps. Nach dem Anfangsschmunzler verbleibt ein schales Gefühl. Wenn schon auf Paarung gereimt, dann bitte etwas eleganter. Der Vorschlag 5-5 stammt von Steven, der Vorschlag 5-15 von Rene Dröge. Beide blieben punktlos, obwohl man sich ja hätte vorstellen können, daß Marina - oder Rene für Steven und Steven für Rene?

Wegen Dummheit ausgeschieden. [Qualle zu 5-5]

Ist das nicht ein bisschen spät, erst jetzt daran zu denken? [Derselbe zu 5-15]

Huahua. Urkomisch. Und dabei kreischt und wiehert sie. Sehr originell. [Alex zu 5-5]

Quatsch! Jedes Kind weiß heutzutage, daß man das Kondom  vorher  anlegt! :-) [Derselbe zu 5-15. Gut, Qualle und Alex! Ihr seid nicht umsonst herangereift!]

Naja, so im Nachhinein bin ich mit meinem Fortsatz auch nicht mehr ganz so glücklich... [Steven zu seinem eigenen Vorschlag - das ehrt ihn]

Ist Marina diesmal mit zwei Vorschlägen dabei? Oder sollte es noch jemand geben, bei dem der Sexualtrieb mitdichtet? [Benjamin]

5-6

   Und dort, was seh ich? Da ist sie ja!
   Auf die ich gewartet das ganze Jahr.

Von Elke; daher schon mal einen abgerundeten halben Bonuspunkt. Abgerundet wegen des unvollkommenen Reims "ja"/"Jahr". Elke, sowas macht man nicht, aber das habe ich dir ja schon auf jener unglückseligen (oder glückseligen? wer weiß!) Fahrt nach Reinbek erzählt. Und wenn sie, auf die ich das ganze Jahr gewartet habe, wiehert, während das freche Volk an ihr vorbeizieht - naja, der Schluß ist nicht zwingend, aber doch vorhanden.

"Ja!" [sprich 'jaa'] auf "Jahr" [sprich 'jaa'] zu reimen, das hat schon was. Leider nichts Poetisches. Aber auch für scheinbar schon verlorene Dichterseelen gibt es Rettung, nämlich Benjis bescheidenes Poesiebrevier, wo wir im Kapitel "Was ist Reim" die folgende Merkregel finden:

        Laß dich bei deinen üblen Reimen
        doch nicht von rechter Schreibung leimen;
        sonst paarst wieder du 'ja' mit 'Jahr'
        - wie es so peinlich jüngst geschah -;
        und Hahn auf Schwan - welch Poesie,
        welch Klang! - gelingt dir nie.

[Benjamin - "Reimen"/"Leimen" kommt mir irgendwie bekannt vor. War nicht vor kurzem in einer wegweisenden Publikation des öffentlichen Lebens ein ähnliches Gedicht erschienen?]

Inhaltlich verschwommen, aber das könnte man ja noch durchgehen lassen. Allerdings muß ich den Reim "ja" auf "Jahr" leider einmal abziehen. Bleiben null Punkte. [Qualle]

Hrgh. Merkt denn keiner was da los ist? Krach, Lärm, Aufregung, viel Volk usw. Man stelle sich daneben einen Kerl vor, der ein Jahr auf seine Freundin wartet. Welten prallen aufeinander. [Alex]

5-7

   Es knallt! Hundegebell! Ein Horn ertönt!
   Jagdruf, jetzt Ruhe! Zu still! Ein Tier stöhnt!

Dieses "stöhnt" hat viele abgeschreckt, dabei hat sich Alwin sicher eine Menge dabei gedacht. Trotzdem einen Punkt von Benjamin Bärmann (nicht DER Benjamin, der mit vollem Namen Benjamin Doerr heißt). Benjamin B. heißt übrigens ab sofort Benni in diesen Auswertungen. Sechs Ausrufezeichen sind halt ein Zeichen für Qualität.

Der Ansatz mit den akustischen Jagd-Eindrücken will mir wohl zusagen. Allein die Ausführung ist mir eine Runde zu deutlich. [Qualle - tja, wer einem Qualle gefallen will, muß schon ein wenig feingeschmäcklicher zu Werke schreiten]

Tiere stöhnen nicht, jedenfalls nicht im Gedicht! [Oliver Klink - Wieso eigentlich nicht? Meine Haustiere haben immer gestöhnt, solange sie das noch konnten (ausser meiner Schildkröte, die hatte nicht die Organe dafür).]

Schon eher. Das könnte Qualle gewesen sein. Einer von den wenigen, die, nachdem sie kein konkretes Versmaß entdecken konnten, einfach die Silben gezählt haben. Sehr lobenswert. Aber schon wieder: Ein Horn, ein Tier, dann dazwischen Ruhe, das paßt alles nicht. Man erwartet mindestens 20 Hörner und ganze Hundescharen. Trotz des sehr musikalischen Horns kein Punkt von mir. [Alex - War ja auch nicht von Qualle.]

5-8

   Den Gassenhauer, liederlich gejohlt
   - Schäme dich, Echo! - hast du wiederholt!

Komisch. Hallo! Conrad! Keiner mag dich. Nur ich! Keiner hat das Original gewählt, dabei ist es neben der Brodelfortsetzung doch eindeutig die beste Fortsetzung! Gut, okee, nur zwei Ausrufezeichen, aber es ist ja vielleicht doch eher fraglich, Ausrufezeichen mit Dichtkunst zu verbinden, und zwei sind immer noch ganz schön viel für zwei Zeilen. Die Fortsetzung macht auch keinen Sinn, aber dazu siehe meine Vorbemerkung. Dafür sitzen die Worte, eines wie das andere, und das ist typisch für Conrad Ferdinand Meyer, von dem das Gedicht "Sonntags" stammt. Das geht in der Langfassung so:

   Ich liebe, Nymphe, deine keusche Flut,
   Die kühl im allertiefsten Walde ruht.
   Du spiegelst weder Stadt noch Firneschnee,
   Den Himmel schimmerst du, mein kleiner See!
   Dein Antlitz sagt mir alles, rasch erregt,
   Was dir das kindliche Gemüte bewegt,
   Und leicht erhellt, verdunkelt ohne Grund,
   Macht es mir alle deine Launen kund.

   Der Kahn, geborgen tief im Schilfe dort,
   Gefesselt ist er durch ein Zauberwort.
   Nie hat gelöst ihn eine trunkne Schar,
   Nie hat sich eine Dirn im Flatterhaar,
   Von rohen Buhlen durch den Wald gehetzt,
   Vor deinen Spiegel keuchend hingesetzt.
   Nie hat ein unstet zuckend Fackelrot
   Dir über deine kühle Stirn geloht!

   Horch! Stimmen durch den Wald! Ein Lustgeschrei!
   Gekreisch! Gewieher! Freches Volk, vorbei!
   Den Gassenhauer, liederlich gejohlt
   - Schäme dich, Echo! - hast du wiederholt!
   Verhülle, Nymphe, deiner Augen Schein,
   Verbirg dich tiefer in den Wald hinein!
   Und zürnend gegen den Tumult gewandt:
   "Hinweg!" gebot ich mit erhobner Hand.

   "Nicht näher!" Und im Walde ward es Ruh.
   Der Jubel zog sich einer Schenke zu.
   Du bliebst in deinem blauen Kleide rein,
   In deinem grünen Waldesdämmerschein -
   Indessen hat die Sonne sich geneigt.
   Wie süß in jedem Blatt die Stille schweigt!
   In Tannenduft und unter Himmelsruh,
   Bewacht von meinem Blick, entschlummerst du!

Das war also das völlig zu Unrecht missachtete Original. Von dem Dichter gibt es später noch mehr, aber ich sage natürlich nicht, wann.

5-9

   Schau! die Farben! War's dunkel, hell?
   Bunt oder grau? Es ging zu schnell.

Achim Bietmann schaffte am konsequentesten den Übergang von der akustischen auf die visuellen Ebene. Der Gegensatz "Horch!"/"Schau" wurde auch von anderen gebracht (siehe 5-10 zum Beispiel), aber nur Achim führte das zu seinem logischen Ende, wenn er sich auch mit "Bunt oder grau?" ein wenig um die Entscheidung drückte. Max wählte diesen Vorschlag ("Mmmmmmh, grübel. Ich glaub', das nehm' ich...").

Auch nicht schlecht, der Wechsel von den akustischen zu den optischen Eindrücken. Leider sind diese Eindrücke zu abstrakt geraten, im Vergleich zur Vorgabe. [Qualle]

Oh ja! Sehr gut die Stimmung eingefangen. Trotzdem: ich denke nicht, daß nach den zwei Vorgabezeilen schon alles vorbei ist, wie hier suggeriert wird. [Alex]

5-10

   Schau! Lichter überall! Ein heller Schein!
   Tanzen und Springen! Kann das möglich sein?

Klare Frage, klare Antwort: Nein. Ein Lustgeschrei und freches Volk, die versammeln sich nicht, um ein Tänzlein oder auch zwei zu wagen. Was soll sonst auch das Wort "vorbei!" in der zweiten Zeile der Vorgabe? Ralf Menzel hat zwar nicht in mir, aber immerhin in Alwin und Qualle Gläubige gefunden, was bei mir zum Beispiel daran liegt, daß ich das Original kenne, snigger. Zwei Punkte.

Diesmal ist der Versuch mit den optischen Eindrücken sogar noch besser geraten. Könnte in Ermangelung besserer Vorschläge in die engere Wahl kommen, dann wären da aber doch noch ein, zwei Schwächen zu analysieren. [Wenig später:] Wie, das war's schon? Dann bleiben mir ja wirklich nur noch die Vorschläge 5-10 und 5-16 zum Aussuchen übrig. Schwierig. Was ist aus dem frechen Volk geworden? Bei 5-10 tanzen und springen sie, bei 5-16 singen und musizieren sie noch dazu. "Frank und frei" paßt natürlich besser zum frechen Volk. Die Pferde, oder wer oder was in der Vorgabe sonst gewiehert haben mag, tauchen in beiden Fortsetzungen nicht mehr auf. Schwer. 5-16 könnte wegen dem stärkeren Hang ins Musikalische natürlich von Alex stammen. Wenn nicht, wird er es wahrscheinlich zumindest wählen. Und das werde ich auch ... Halt! Jetzt habe ich es gesehen! Was hat Fidel Castro mit dem Verein zu schaffen? Das Instrument heißt jedenfalls immer noch "Fiedel". Daher fällt meine Wahl nun doch auf Vorschlag 5-10. Grübel. [Qualle]

Ganz nett, aber warum sollte es nicht möglich sein, daß im Wald getanzt wird? Der isses also auch nicht... [Oliver Klink]

Hmmm... 10 Silben, wie sich das gehört. Vielleicht ist das das Original? Aber letztendlich für meinen Geschmack doch ein wenig zu harmlos. [Alex]

5-11

   Darum schürze, spring und schwinge dich
   Auf meinen Rappen hinter mich

Eigentlich stammt diese Fortsetzung von Gottfried August Bürger, und zwar aus einem Gedicht, das ich auch beinahe mal zum Weiterdichten ausgesucht hätte (vielleicht tue ich es auch noch; deswegen verrate ich nicht, welches es ist). Max hatte keine Lust, was selbst zu dichten, und hat daher diese Coverversion gewählt. Das sehe ich natürlich einerseits nicht gerne, andererseits ist Volker Schardin drauf reingefallen, und damit hat sich das schon gerechtfertigt. Bürger und Meyer haben so gut wie nichts miteinander zu tun; das merkt man, wenn man mal laut die Vorgabe und 5-11 hintereinander wegliest. Einen gerechtfertigten Punkt für die nette Idee für Max.

Kommt mir auch irgendwie bekannt vor. Der Zusammenhang mit der Vorgabe ist formal und inhaltlich recht lose. Hätte mit "Drum" statt "Darum" überzeugender sein können. [Qualle]

Der ist toll, aber ich glaube nicht, daß er auch original ist. [Oliver Klink]

5-12

   Sie reiten, rufen, lachen in den Tag
   und sehen nicht, wen solches stören mag.

Benjamins Vorschlag fand ich nicht besonders gut; das "solches stören mag" war zwar freundlich altmodisch, aber hier irgendwie deplaziert. Stefan Schwaiger und Stephan Hellwig (Steven) fanden den Vorschlag besser als ich; zwei Punkte.

Gerade das "solches" stört mich aber besonders. Mit dem Rest hätte ich mich ja anfreunden können. [Qualle]

Mich. [Oliver Klink]

DAS IST ES! Ich entscheide mich für 5-12! Der Text paßt zwar irgendwie nicht zu Deinem Anfang, aber da entscheide ich mich einfach intuitiv... (Wahrscheinlich liege ich dennoch wieder falsch. :-) ) [Steven - und wie recht er hat...]

Mein Tip: 5-12 Warum? Ganz einfach, bei allen anderen hatte ich was auszusetzen. Alle Jadgszenen und Königsgeschichten scheiden für mich aufgrund des dann unpassenden "frechen Volks" aus. Die Fortsetzungen, die auf sexuellen Defiziten beruhen (5,13,15), auch. Der Rest scheint mir semantisch zu losgelöst von der Vorgabe. Diese Subtraktionsmethode ist zugegebenermassen ziemlich simpel, mal schauen ob sie wenigstens effektiv ist. [Stefan Schwaiger]

5-13

   Ein Wildschwein bricht hervor
   oder war's ein Mann?

Dieser Vorschlag von Rüdiger Klings erinnert mich an eines der genialsten Orkgedichte überhaupt, das von Thorsten Franz stammt und ich hiermit zum Besten gebe:

Wir geben den Rum 'rum.
Blut und Eiter
stimmen mich heiter.
Ich esse den Kuchen und töte Elben.

Die Kommentare dazu:

... oder ein schlechter Dichter? [Max]

   Worte brechen aus ihm hervor
   oder war's ein Gedicht? [Qualle]

Der Gedanke an die Jagd war ja naheliegend, aber das Versmaß will so gar nicht passen und Männer brechen nicht hervor. Höchstens ihre letzte Mahlzeit, wenn sie einen über'n Durst gesoffen haben... [Oliver Klink]

Wohl doch eher ein Wildschwein. [Alex]

Sa-gen-haft! Diese Zeilen sind so wie auch schon Fortsetzung 4-1 einfach genial in ihrer Ausdruckskraft und Stilsicherheit. Klingt nach einem echten Rüdiger Klings. Ich kann nur sagen, weiter so! [Ripley]

Ja, ja, zum Verwechseln ähnlich... Aber eine interessante Idee, Frauensymphatiepunkte abzugrasen. Ob es wohl viele werden? Und wie kommt man von Kreischen und Wiehern auf Schweine und Männer? Mir wären ja zuerst Pferde und Frauen dazu eingefallen. Aber wahrscheinlich darf man als Dichter nicht so geradlinig zu Werke gehen. [Benjamin]

5-14

   Ho, mein Roß, schnell! Trag mich geschwind!
   Was ist's? Ob es des Königs Getreue schon sind?

Ein Vorschlag von Andreas Hechtbauer, was ein Teil der verehrten Poetencorona bereits wußte (lächel). Eigentlich ziemlich gut, wenn er es nicht schon in Z-NETZ/FREIZEIT/SPIELE veröffentlich hätte, anstatt mir die Mail privat zu schicken. Naja, die Idee mit den vor Lust wiehernden Königsgetreuen hat schon was; das fanden auch Ripley und Oliver Klink, was zwei Punkte macht.

Eine innere Stimme sagt mir, daß diese Fortsetzung von Andreas Hechtbauer stammt. Ganz ordentlich, Andreas! Weiter so! [Qualle, ein fleissiger Z-Netz-Leser]

Das ist diesmal mein Favorit! Meine innere Stimme sagt mir, daß ich den einfach nehmen muß! Entweder Original oder Qualle. [Oliver, ein nicht so fleissiger Z-Netz-Leser]

Inhaltlich einwandfrei. Aber irgendwie fehlt ein wenig die Dramatik der ersten zwei Zeilen. [Alex, der selten zufrieden ist]

5-16

   Glöckchen, Fidel und Schalmei!
   Ein Sang, ein Tanz, so frank und frei!

Hübsch. Aus den hellen Birken steigt... der Vorschlag von Ripley, für den sich leider keiner entschied. Qualle hätte ihn ja beinahe gewählt; ein einziges "e" fehlte daran. Oliver hingegen beschwerte sich über das "frank und frei": "Das 'frank und frei' klingt hier zu seltsam, ansonsten toll gedichtet." Alex aber erkannte den eigentlichen Fehler:

Auch sehr musikalisch, wofür ich ja immer zu haben bin, aber inhaltlich blanker Unsinn. Hier wird nicht gesungen und gefiedelt, sondern geschrieen und gekreischt!

Man beachte: "gefiedelt", nicht "gefidelt". Man ist lustig und fidel und betont die zweite Silbe und meint kein Streichinstrument, spricht der Oberlehrer. Nicht wahr? Haben wir alle was gelernt.

5-17

   Hufschlag! Ein Sirren! Bellen unter den Zweigen.
   Ein Signal. Rufe. Nur Raunen noch. Schweigen.

Der Vorschlag war der technisch beste, finde ich. Qualle hat ihn gebastelt, und erklärte dazu:

Aha. Jetzt muß ich mich also mal wieder an eine ernsthafte Fortsetzung machen. Mit dem Nudistenverein habe ich diesmal ja auch wieder eine nicht ganz ernstzunehmende Fortsetzung ins Rennen geschickt. Aber nachdem mich Alex so abgehängt hat, muß ich mal wieder was Rechtes dichten, auf daß den Ratern der Rauch aus den Ohren steigt.

Andererseits habe ich mir gerade ein Glas Wein eingeschenkt, es ist also nicht sicher, ob die Seriosität über die Kreativität siegen wird.

Analysieren wir also erst einmal die Szene. Der mit "Horch!" Angesprochene befindet sich im Wald oder in der Nähe des Waldes, ebenso wie der "Sprecher". Durch die Wortwahl wird ein sehr deutlicher Schwerpunkt auf die akustische Wahrnehmung gelegt. Offensichtlich ist, zumindest vorerst, durch den Wald nichts zu sehen. Wohl aber einiges zu hören, das am ehesten darauf hindeutet, daß hier irgendwo die wilde, verwegene Jagd unterwegs ist. Das "Gewieher!" deutet ja auf Pferde hin, und das "Lustgeschrei" darauf, daß es sich um eine Vergnügungs- oder sportliche Veranstaltung handelt. (Wird Marina dazu wieder was Frivoles dichten ...?)

Echte Probleme habe ich mit den letzten drei Worten "Freches Volk, vorbei!". Hier gibt es zwei Interpretationsmöglichkeiten. Die erste ist, diesen Ausruf wieder als Imperativ zu lesen. Das wäre dann so zu interpretieren, daß die Urheber der zahlreichen Geräusche zum Zeitpunkt dieses Ausrufs nun aus dem Wald hervorgebrochen sind und sich auf den Sprecher zubewegen, was ihn beunruhigt und dazu veranlaßt, sie mit diesen Worten zu verscheuchen. Mir gefällt diese Interpretation aber nicht so gut, weil der Adressat der Rede sich dann ändern würde: Mit dem Wort "Horch!" wurde der primäre Gesprächspartner angesprochen, mit dem sich der Leser identifizieren soll. Mit dem "Freches Volk, vorbei!" würde nach dieser Auslegung nun ein anderer Adressat angesprochen. Die zweite Interpretationsmöglichkeit wäre die, daß sich mit diesen Worten nur die Beschreibung des Geschehens fortsetzt. Es wäre dann einfach eine Verkürzung eines Satzes, der vollständig etwa "Freches Volk jagt vorbei!" lauten würde. Ich bin dieser Auslegung eher zugeneigt.

Wie aber jetzt weiter? Offensichtlich ist hier etwas in Bewegung. Der Sprecher ist in Hektik. Das muß weiterhin rüberkommen. Als Kontrast zu den zahlreichen Ausrufezeichen könnte man auf Fragen umsteigen, und die akustische Wahrnehmung in optische Eindrücke übergehen lassen.

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, bei der akustischen Darstellung zu bleiben und langsam Tempo und Dynamik aus der Szene herauszunehmen. Hierzu ist mir dann auch ein Versuch gelungen. Und der sieht so aus (wie oben).

Ein erfolgreicher Versuch: zwei Poesiemeisteranwärter haben ihn goutiert. Achim und Benjamin nämlich.

DAS klingt gut - bis auf das Sirren.... [Max]

"Sirren"? Sonst aber ganz nett. [Oliver]

Das paßt nicht. Das ist mir zu modern. Kein Mensch weiß, was da eigentlich passiert. Lärm und dann Ruhe. Was soll das sein? [Alex]

5-18

   Und sieh! Es jagt hinfort in der Meute gar wild
   der Wahnsinn mit uns, kaum der Blutdurst gestillt!

Michael Below produzierte diese Fortsetzung und Andreas Hechtbauer fand sie gut. Sie hat etwas Debiles, Blutiges, Widerliches, das den Ork in mir sofort und unmittelbar anspricht. Ein Punkt.

Oh ja, auch sehr gut. Das wäre meine dritte Wahl. Das einzige Wort, das stört, ist "uns". Wer redet hier von wem, und wer tut was? Diese Vermischung der Perspektiven will nicht so ganz einleuchten. [Alex]

Nachdem nun die Dichter gesprochen haben, hier die Zwischenbilanz:

                                alt    diesmal   Gesamt
Alex Mottok                     17     1         18
Qualle                          13     2         15
Benjamin                        13     2         15
Oliver Klink                    5      2         7
Stefan Schwaiger                6      -         6
Marina                          4      -         4
Achim Bietmann                  3      1         4
Ralf Menzel                     2      2         4
Andreas Hechtbauer              2      2         4
Peter Kretschmar                3      -         3
Torsten Koeppe                  3      -         3
Pedl Rau                        2      -         2
Rüdiger Klings                  2      -         2
Max                             1      1         2
Ripley                          1      -         1
Torsten Koeppe                  1      -         1
Joachim Stehle                  1      -         1
Simon Klaiber                   1      -         1
Alwin                           0      1         1
Michael Below                   0      1         1

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