Poesiemeister - Auswertung 04
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Der Reim
muß bleim!


Leider mußte ich die Partie noch einmal neu auswerten, weil Kerstin auf sich selbst getippt hat. Das geht natürlich nicht - und Schande über mich, daß ich es nicht gleich gemerkt hatte. Sie hat es auch recht geschickt angestellt - indem sie ihre Fortsetzung GM-feindlich kommentierte. Das war nicht so nett, Kerstin.

Thema Ablachpunkte:

Ich habe bisher nicht viel an Reaktionen von Euch erhalten. Einige wenige waren für Ablachpunkte und etwa genauso viele dagegen. Ich bin da völlig offen.

Ein anderer Poesiemeister-GM macht es so, daß man jede Runde einen Sonderpunkt vergeben kann. Die Fortsetzung, die am meisten Sonderpunkte erhalten hat, kriegt einen Echtpunkt (bzw. deren Dichter). Das finde ich persönlich nicht so gut, weil es den Reiz des Spiels, besser zu dichten als das Original, verfälscht. Sagt mir mal, was Ihr davon haltet.

Auflösung Runde 4

Die Vorgabe 4 lautete:

Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind,

Fortsetzungen:

4-1 von Ingo Prinz
Das siebte Kind - das macht es nur noch schlimmer,
Noch schlimmer als die meisten Frauen sind.

Keine Punkte.

Sieben Kinder sind sicherlich strafverschärfend. Aber immerhin hat sie das siebte Kind ja nur vielleicht bekommen. [GM]

Wie gemein! Das würde gut passen, wenn ich die Vorgaben aussuchen würde, je unwahrscheinlicher desto Original. Isses aber nicht. Außerdem ist das hier kein Sonnett. [Alexander Mottok]

4-2 von Kerstin Mönkemeyer
Doch meine Frau schmückt ungemein das Gästezimmer,
Wenn man sie dort lasziv drapiert auffind't.

Tip von:
Ingo Prinz

Die zweite Zeile hat zuwenig Hebungen. Vielleicht hätte Kerstin besser gedichtet: "Wenn man sie dort lasziv drapiert und tot auffind't." Zugegebenermaßen ein bißchen drastisch, um das Versmaß einzuhalten, aber es illustriert den Kontrast zwischen lebendigen und lebengebenden Siebenkinderfrauen und toten Frauen, die kinderlos sind (das mit dem "kinderlos" findet man in den Zeilen 5 und 6 - ein bißchen muß man ja dem Leser überlassen). [GM]

Meine Frau oder jene Frau? Überhaupt, das ist schon wieder so frauenfeindlich... [Alexander Mottok]

Ich glaube zwar nicht, daß diese Fortsetzung das Original ist, aber sie ist faszinierend. [Ingo Prinz]

Da der Spielleiter ein Mann ist, spricht viel dafür, daß diese frauenfeindliche Fortsetzung das Original ist. [Kerstin Mönkemeyer]

4-3 von Jaguar
Doch diese Stadt durchzieht Verkehrsgewimmer
Und kaum noch Bäume sieht man schwanken hier im Wind.

Tip von:
Michael Lauter

"Verkehrsgewimmer" gefällt mir. Vielleicht sollte man die Stadtplaner überzeugen, weniger Kurven zu bauen. Dann wimmern die Reifen nicht so, wenn die Autos durch die Kurven peitschen. [GM]

Haha, das gilt für diese "Großstadt" hier (Big Stone Gap, Virginia) sicherlich nicht. Und die zweite Zeile ist verwerflich konstruiert. "Hier im Wind schwanken" heißt es auf gut Norddeutsch. Aber dann reimt es sich leider nicht... [Alexander Mottok]

Ich glaube zwar nicht, daß dies richtig ist, aber mit einem Reim auf Frauenzimmer mag ich mich nicht anfreunden. [Michael Lauter]

4-4 von Henning Jensen
Ich zog vom Alpenrand bis zu der Nordsee
Und fand statt kinderreicher Weiber frischen Wind.

Keine Punkte.

Das ist ja eine interessante Gegenüberstellung: Bayern - kinderreich und weiblich; Norddeutschland - windig. [GM]

Ey! Der Reim muß bleim! Aber immerhin schön norddeutsch. Ein Extrapunkt. [Alexander Mottok]

4-5 von Joachim Belinski
Doch weht ein laues Lüftchen durch den lauen Abend,
das in der Nacht zu einem Wind gerinnt.

Tip von:
Saskia Schürmann

"Gerinnt": ich habe mich bei der Vorgabe gefragt, ob es einem gelingen würde, dieses Reimwort sinnvoll einzubauen. Noch immer weiß ich die Antwort auf diese Frage nicht... [GM]

Oh ha! "Wind gerinnt"! Man höre und staune! Jedenfalls ein Kandidat für die engere Wahl. [Alexander Mottok]

4-6 von Saskia Schürmann
Doch er sitzt im staubigen Hinterzimmer
Und die Fensterscheiben sind lange schon blind.

Tip von:
Bertram Herburger

Das Leben zieht an ihm vorbei, und er sieht es noch nicht einmal. Kein Wunder. Bei sieben Kindern kommt die Frau natürlich nicht zum Fensterputzen. [GM]

Dann müßte es "Jener Mann" heißen, und nicht einfach "er". Nein, nein, nein. [Alexander Mottok]

4-7 von Michael Lauter
Nur eines sicher ist - wie früher wird es nimmer,
Was einstmals mit uns war, zerstäubt der Wind.

Tip von:
Carsten Wesel

Sehr schön, das war bestimmt ein großer Künstler. Aber das klingt zu sehr nach Meister Joda: "Dein Vater er ist". Und "nimmer" ist noch schlimmer. [Alexander Mottok] [Heißt es nicht: "Yoda"? GM]

4-8 von Robert von Ulmer
doch mein Herz fühlt schon den strengen Winter
und ist so klein und hart, wie Pflaumenkerne sind.

Tip von:
Sabrina Lauritzen
Christoph Bohm
=2 Punkte.

Das erinnert mich an "Kleiner König Kalle Wirsch" von der Augsburger Puppenkiste. "Schrumpfe" rief Zoppo Trump (war doch "Zoppo", oder?). "Schrumpfe!" Ein grausames Spiel, wenn kleine Männer sich miniaturisieren wollen. [GM]

Ha! Pflaumenkerne! Brillant die Vorgabe aufgegriffen. Aber das "doch" als Überleitung paßt inhaltlich nicht, auch wirkt die erste Zeile ein wenig aufgesetzt. [Alexander Mottok]

4-9 von Sebastian Sager
Ich aber bin frei, ha! Nun merkt sie nimmer,
Daß die Blagen wahrscheinlich doch die meinen sind.

Tip von:
Robert von Ulmer

Ha sieh! Ha sieh! Im Augenblick!
Hu! Hu! Ein gräßlich Wunder! [GM]

Und hier gäbe es einen ALP. Aber nicht für die Pointe, sondern für das herrlich holpernde "frei, ha!". [Alexander Mottok]

Was ist "Blagen"? Unter Norddeutschen ist es ganz schön schwierig als Bayer. Ich trau mich mal und mache einen Außenseitertip. "Blagen". Hm. [Robert von Ulmer]

4-10 von Dorothee Raffenberg
Ich möchte, doch vergess ich's nimmer,
In ihren Armen von der ersten Liebe blind.

Tip von:
Henning Jensen

Schon wieder "nimmer". Aber nicht schlecht, gar nicht schlecht! [Alexander Mottok]

4-11 von Sabrina Lauritzen
Aber jene Frau vergißt ihre andern sechse nimmer,
Denn sie will auch, daß diese gut versorget sind.

Keine Punkte.

So ist's recht. Gut versorgt, mit gut funktionierendem Stuhlgang (hier sind Pflaumen sehr hilfreich - wenn vielleicht diese Pflaumenbäume mit dem Blühen aufhören und ein paar Pflaumen wachsen lassen könnten?). [GM]

Au ja, "versorget". Das dünket mir gar verdächtiglich. [Alexander Mottok]

4-12 von Sabine Naumann
Wie hold, wie zart sie war als junges Frauenzimmer -
Die Zeit vergeht, die Jugend flieht geschwind.

Tip von:
Alexander Mottok
Dorothee Raffenberg
=2 Punkte.

Wir sind eben nicht mehr jung - wir machen Junge. [GM]

TIP! Ich wähle 4-12, weil es als eine der wenigen Fortsetzungen auf den Inhalt der Vorgabe eingeht und sogar zu einer (wenn auch tragischen) Pointe findet. Außerdem erinnert mich die zweite Zeile an einen jüngst produzierten Song... [Alexander Mottok]

Ich scheine mich ja gar nicht mehr auszukennen. An was für einen Song dachtest du noch gleich? [GM]

4-13 von <Bertolt Brecht>
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.

Tip von:
Sabine Naumann

Meine Frau meint, daß ich einen sehr verstaubten Lyrik-Geschmack habe. Um ehrlich zu sein, ich habe eigentlich überhaupt keinen Geschmack. Ich wähle Gedichte immer danach aus, ob sie mir gefallen, und nicht, ob sie verstaubt sind oder nicht.

Aber um zu zeigen, daß ich ein moderner Mensch bin (trotz meines hohen Alters), habe ich diesmal ein Gedicht von Bertolt Brecht ausgesucht. Und das geht so:

Erinnerung an die Marie A.

An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah.
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben,
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei.
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen.
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst.
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer,
Ich weiß nur mehr: Ich küßte es dereinst.

Und auch den Kuß, ich hätt ihn längst vergessen,
Wenn nicht die Wolke da gewesen wär.
Die weiß ich noch und werd es immer wissen -
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.

Eure Kommentare:

Welche Wolke? Der Pflaumenbaum sei eine Wolke? Oder die Frau? Das ist mir zu hoch. [Alexander Mottok]

4-14 von Björn Feustel
Wer hätt' gedacht, daß selbst um dieses Frauenzimmer
letztendlich sich des Lebens Ranke wind'.

Tip von:
Joachim Belinski

Das erinnert mich an einen ehemaligen Bundespräsidenten, der zu diesem Thema sagte: "Ute, heirate diesen Ranke nicht.". Aber es hat nichts geholfen. [GM]

Oh Gott, geht es noch verschnörkelter? Und "letztendlich" ist ein schlimmes Unwort. [Alexander Mottok]

Lebensranke, das ist so schön abgedreht. Das muß das Original sein. Obwohl mich ja "wind't" mehr überzeugt hätte, aber die übrigen Fortsetzungen sind auch irgendwie komisch. [Joachim Belinski]

Tabelle der Poesiemeister

   1. Sabine Naumann                 10 (+4)
   2. Sebastian Sager                6 (+1)
      Robert von Ulmer               6 (+2)
   4. Henning Jensen                 5 (+0)
   5. Alexander Mottok               4 (+0)
      Jaguar                         4 (+1)
      Sabrina Lauritzen              4 (+0)
   8. Christoph Bohm                 3 (+0)
      Michael Lauter                 3 (+1)
      Ingo Prinz                     3 (+0)
  11. Dorothee Raffenberg            2 (+1)
      Kerstin Mönkemeyer             2 (+1)
  13. Joachim Belinski               1 (+1)
      Bertram Herburger              1 (+0)
      Carsten Wesel                  1 (+0)
      Björn Feustel                  1 (+1)
      Saskia Schürmann               1 (+1)
Die übrigen Mitspieler haben bislang noch keinen Punkt.