Der Autor

Mein Sohn und ich im Mai 2001

Hier sind einige Informationen über mich. Sie sind stellenweise sehr persönlich. Wer sowas nicht lesen will, sollte jetzt den "Zurück"-Button in seinem Browser betätigen.

Ich heiße Thomas Friedrich Naumann und bin am 4. Mai 1960 in Hage (jetzt: Norden-Norddeich, eine kleine Stadt in Ostfriesland) geboren. Meine Eltern heißen Margot Käthe Naumann, geborene Steevens (erinnert sich noch ein Ostfriese an die leckeren Mandelspekulatiusse meines Großvaters? Er war Bäcker und hat sie niedersachsenweit vertrieben), und Dr. Meino Arend Naumann. Ich habe eine Schwester (Katharina - ihren zweiten Vornamen verrate ich mal lieber nicht), die am 4. Oktober 1966 geboren wurde.

Die ersten sechs Jahre habe ich in Norden gewohnt, wo ich von meiner Großmutter und meiner Mutter großgezogen wurde, weil mein Vater studierte. Danach haben wir im Raum Jever gewohnt (Heidmühle und dann Jever selbst), bis ich 14 war. Dort habe ich zuerst die Volksschule Jungfernbusch und dann das Mariengymnasium Jever besucht.

1974 wollte mein Vater noch promovieren (eigentlich war er Lehrer), und daher zogen wir für ca. anderthalb Jahre nach Rheinbach bei Bonn, eine scheußliche kleine Stadt im Erzkatholischen. Die Leute sind dort so konservativ, daß Schwarz beinahe eine Farbe des Fortschritts ist. In Merzbach, einem Ortsteil von Rheinbach, in dem wir wohnten, gab es bei einer Kommunalwahl 121 Wahlberechtigte, von denen 3 SPD wählten: der Kandidat und meine beiden Eltern... Seitdem habe ich eine gewisse Abneigung gegen a) übermäßig Katholisches und b) den rheinländischen Slang.

1975 zogen wir nach Oldenburg in Oldenburg. Dort habe ich meine Oberstufenzeit verbracht (im Gymnasium Eversten). Eine tolle Stadt und eine tolle Zeit, nicht nur, weil ich dort meine erste Freundin kennenlernte, mit der ich ca. sieben Jahre zusammen war. Im Mai 1978 machte ich das Abitur, jobbte ein wenig in dem Fotolabor cewecolor und hatte danach Heuschnupfen.

Im Wintersemester 1978/79 begann ich in Kiel zu studieren: ein Semester Mathematik. Ich merkte ziemlich schnell, daß Mathematik nichts für mich war, sattelte auf Jura um und mußte nun eine Universität suchen, die im Sommersemester mit dem Studiengang begann - das war ausgerechnet Bonn! 3 trübe Semester in Deutschlands rheinischster Hauptstadt.

Im Wintersemester 1980/81 zog ich wieder nach Kiel zurück, um dort mit dem Studium weiterzumachen, aber fiel über das Go-Spiel. Dadurch habe ich viele Leute kennengelernt. Es ist das beste Zwei-Personen-Brettspiel, das es gibt - insbesondere ist es Schach weit überlegen. Ich habe es mit mäßigem Erfolg ziemlich intensiv betrieben. Unter anderem daran lag es, daß ich nicht mehr wirklich weiterstudierte, sondern mich mit diesem und jenem beschäftigte.

Am 2. Juli 1984 begann meine Bundeswehrzeit. Ich konnte (und wollte) die Bundeswehr nicht davon überzeugen, daß ich noch immer ein strebsamer Student war. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein schleichend in den sozialen Abgrund führendes erfolgloses Studium, dachte ich mir damals, und machte mich auf, das Vaterland zu verteidigen. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit und insbesondere von meiner Abfindung einen Computer kaufen können: einen Schneider CPC 464 mit Kassettenlaufwerk und einen Drucker (Brother NLQ 4001).

Zwischenzeitlich hatte ich mich bei der Stadt Kiel für den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst als Beamter beworben und wurde auch genommen. Zum Glück, denn unwissentlich hatte ich damit den Beruf gefunden, der mir liegt und auch heute noch Spaß macht. Am 1. August 1985 begann meine Ausbildung. Wenig später hatte ich die erste Version von Ork für den Schneider CPC geschrieben, in Locomotive Basic. 1986 kann als Geburtsjahr von Ork gelten. Rückblickend betrachtet war es ein Segen, daß ich seit ca. 1983 keine Freundin mehr hatte, denn woher hätte ich sonst die Zeit nehmen sollen...

Ach ja, der gute alte Schneider CPC. Wenn ich von der Verwaltungsfachhochschule in meine kleine Wohnung in der Blücherstraße (mit Kohleheizung und Klo auf halber Treppe, das nur durch Kerzen beleuchtet wurde) kam, schmiß ich zuerst den Computer an, legte die Kassette mit Elite ein, drückte auf Start und dann zog ich meinen Mantel aus, kochte Kaffee, ging Pinkeln und schließlich war das Spiel geladen. Später gab es auch Diskettenlaufwerke, und ziemlich bald habe ich mir einen CPC 6128 zugelegt, bei dem das Diskettenlaufwerk eingebaut war. Der CPC war mein erster Computer, und derjenige, den ich wirklich gemocht habe, denn ich kannte ihn bis zum letzten Bit. Damals, als ein Bit noch was zählte.

1989 war Ork auf dem CPC bereits voll im Betrieb, und ich führte ganz schön viele Partien durch (zeitweise hatte ich 120 Spielerkonten). Damals lief Ork noch per "gelber Post". Jeder der damals ca. 15 Echtspieler pro Partie schickte mir einen Befehlsbogen im Briefumschlag, den ich abtippen mußte. Die Auswertung einer Partie dauerte damals ca. 40 Minuten. Nach 20 Minuten war die erste Diskettenseite des Programms abgearbeitet und der CPC tutete aufgeregt, damit ich die Diskette umdrehen konnte (die 3-Zoll-Disketten des CPC konnten beidseitig beschrieben werden, aber nur einseitig gelesen; man mußte sie umdrehen, um auf die zweite Seite zugreifen können). Dann wurde auf einem NEC P 6 (später NEC P 6 plus) etwa eine Stunde genadeldruckt, die Seitenstreifen des Endlospapiers abgerissen, Kontoauszüge gedruckt und alles eingetütet, Briefumschläge zugeklebt, beschriftet und frankiert und schließlich eilig in den einen Briefkasten meiner Nachbarschaft eingeworfen, der eine Sonntagsleerung hatte.

Das war auch die Zeit, in der es eine Begleitzeitung für Ork gab, die "List und Tücke" hieß. Von ihr erschienen 65 reguläre und zwei Sonderausgaben.

1989 im Herbst lernte ich das Leistungszentrum kennen. Es bestand damals aus Roland Plaß, Kay-Viktor Stegemann und Fred Rahe. Assoziiert war eine Nutella-Bande aus Oberstufenschülern (Martin Ballhorn, Henning Arndt, Matthias Klapper, Björne Raetzell und andere) und Marian Grabke, alle im Dunstkreis des "Kopfballs" großgeworden, der damals von Holger Beckmann herausgegeben wurde. Man spielte natürlich Postspiele, insbesondere United, aber auch alles andere, was gut und kompliziert war. Auch Brettspiele waren schwer angesagt, zum Beispiel 1830 und alle Vorgänger und Nachfolger und andere amerikanische Importspiele, vorzugsweise von Avalon Hill. Bis auf Fred haben alle bei Ork mitgemacht, als Ork noch auf dem CPC lief.

Im Winter war ich fest entschlossen, meine Wohnung in der Blücherstraße 13 in Kiel zu kaufen. Inzwischen war die Wohnung renoviert worden und enthielt Klo, Dusche, warmes Wasser und eine Klingelanlage (bis dahin wurde gerufen, und dann ließ man den Schlüssel an einem Band aus dem dritten Stock über den Balkon herunter), sogar mit einer Gegensprechmöglichkeit. 86.800 DM sollte sie kosten (45 qm). Der Vertrag war fertig und der Notartermin in zwei Tagen, als Kay-Viktor Stegemann vorbeikam und meinte, ich solle mir mal ein Haus in Laboe ankucken. Das Haus lag an der Strandstraße (Strandstraße 58) und war eine alte Villa mit 8 Zimmern, 4 Wintergärten, geschätzten 2000 qm Grundstück und nur von der Promenade getrennt vom Strand. Zu dritt, meinte Kay-Viktor, könne man dort einziehen: Fred, er und ich. Und nur 2000 DM Miete warm für alle drei zusammen, das klang bezahlbar, wo ich doch immerhin schon Beamter war und damals die Besoldungsgruppe A 9 erhielt (ungefähr 2.400 DM netto als Junggeselle, ein Heidengeld). Gesagt, getan. Und tschüß, Wohnung in der Blücherstraße.

Zwei Jahre, vom Februar 1990 bis zum Februar 1992, wohnte ich in Laboe. Das waren zwei sehr schöne Jahre mit schönen Sommern, schön viel Ork, gutem Essen (Fred und Kay konnten hervorragend kochen), viel Trinken (ich lernte den Rose-Wein Mateus kennen und schätzen), schönen Feten und viel Spielen. Ein verwilderter Garten, der im Sommer voll Wespen war, die sich mit Vorliebe auf den Pflaumenkuchen setzten, den Kay unter Zuhilfenahme der vielen Pflaumen, die auf den gleichnamigen Bäumen wuchsen, die in unserem Garten standen, buk. Einer der vier Wintergärten, der vollständig mit Katzenscheiße bedeckt war, weil Kay eine völlig neurotische Katze besaß, die abwechselnd Angstzustände und akute Panikanfälle hatte. Ein anderer Wintergarten, in dem man Kay beobachten konnte, wie er "Ports of Call" auf seinem anfänglich noch funktionstüchtigen Amiga spielte, während sich draußen die Schwedenfähre der Stena-Line hausgroß mit funkelnden Lichtern im Abendsonnenlicht auf der Förde vorbeischob. Freds Zimmer, das zeitweise eine Stabo-Rennbahn enthielt, bei der Fred auf magisch-elektronische Weise irgendwelche Fühler installierte, die dann im Druckerport seines PCs mündeten, so daß man die Rundenzeiten genau erfassen und Rekordstatistiken aufstellen konnte. Meine beiden kleinen Kammern, eine, bei der ich aus dem Fenster in den verwunschenen Garten kucken konnte, und eine, in der mein PC stand (zunächst ein 286er mit Hercules-Grafikkarte [schwarz-weiß] und einer 20-MB-Festplatte, später ein 386er SX mit VGA und 40-MB-Festplatte von Vobis).

Das war die Zeit, in der ich Ork auf den PC umsetzte. Das Schwierigste dabei war die Programmierung der Bewegungs- und Kampfroutinen. Außerdem merkte ich, daß die Abwicklung der vielen Partien zuviel Freizeit wegfraß, und das, obwohl ich keine familiären Verpflichtungen hatte. Noch nicht einmal irgendeine Freundin konnte meine Schaffenskraft bremsen. Daher versuchte ich, Ork irgendeinem kommerziellen Anbieter anzudienen. Meine Wahl fiel auf Hexagon, die das ziemlich gute Spiel "Celestrek II" anboten. Allerdings war ich nachher nicht so zufrieden mit der Art und Weise, wie sie Ork durchführten. Insbesondere war deren technische Kompetenz doch arg begrenzt. Anfang 1994 hatte ich glücklicherweise einen Kündigungsgrund, weil Hexagon zwei Quartale mit den Lizenzgebühren in Verzug war. Seit Mai 1994 habe ich daher wieder alle Rechte an Ork, ein gutes Gefühl. Seitdem ist Ork Shareware.

Im Februar 1992 zog ich mit einem elf Jahre Jüngeren, nämlich Benjamin Doerr, in die Waitzstraße 67. Das war eine 3-Zimmer-Wohnung ziemlich mitten in der Innenstadt, mit einem sehr großen Zimmer (meins), einem mittleren Zimmer (das Computerzimmer mit einer 4,20 Meter langen Front aus Arbeitsplatten auf Böcken, die mit einem CPC, zwei PCs, zwei Druckern und weiteren wichtigen Geräten der Informationselektronik bedeckt war) und einem kleinen, schlauchartigen Zimmer (Benjamins). In Laboe konnte ich mich dem Kochzwang entziehen, weil Fred und Kay das Kochen viel besser als ich beherrschten, aber in der Waitzstraße mußte ich selber ran. Und Benjamin und ich waren nicht schlecht. Sonntag abends gab es in der Regel was Feines, was wir dann zusammen mit einer oder einem Dritten (meistens war das Elke, eine Krankenschwester, mit der Benjamin manchmal zusammen war - das personifizierte Chaos) ausprobierten. In der Waitzstraße hatte ich auch meinen Lieblingssessel aufhängen können. Das war ein Segeltuch an starken Seilen, die wiederum über eine Art Fleischerhaken hingen, der aus der Decke kam. Man konnte sich in dieses Segeltuch ähnlich wie in eine Hängematte hineinsetzen, aber da es nur einen Punkt gab, an dem der Sessel aufgehängt war, schloß sich das Tuch um einen herum. Man saß darin freischwebend, und wenn man müde war und ein wenig ruhen wollte, mußte das ausgesehen haben wie eine eingesponnene Fliege (na gut: wie ein fetter Brummer - genauer: wie ein schnarchender fetter Brummer), die an einem Spinnenfaden herumbaumelt.

Und frühstücken war auch immer sehr nett: Samstag morgens, mit Krabbensalat pfundweise. Und dann schön 1835 mit Rolo und Kay spielen. Das Leben war in dieser Zeit sehr gut zu mir. Ork entwickelte sich immer weiter, die Rechner wurden besser, Borland Pascal 7.0 war und ist ein genialer DOS-Pascal-Compiler. Es gab gelegentlich Ork-Cons (davon sollte es mal wieder welche geben!), an denen ich gerne teilnahm.

Und dann, im Sommer 1994, merkte ich bei einer für mich irgendwie unbefriedigenden Go-Europameisterschaft in Maastricht, daß ich nicht mehr so jung und widerstandsfähig wie früher war (Heuschnupfen, schlechtes Schlafquartier). Außerdem merkte ich vor allem, daß es zwar offensichtliche Vorteile gibt, wenn man Junggeselle ist, aber auch versteckte Nachteile: Ich wußte nicht mehr, wofür ich eigentlich da war.

3 Kinder
Meine 3 Kinder (v. l. n. r.: Onno, Lisa, Eva)
Zunächst versuchte ich es mit dem Erwerb einer Eigentumswohnung. Inzwischen war ich ja bedeutend älter geworden gegenüber meinem ersten Eigentumserwerbanfall und auch bedeutend reicher (naja, das "bedeutend" ist natürlich etwas übertrieben). Das klappte auch. Am 1. November wurde ich stolzer Eigentümer einer 3-Zimmer-Eigentumswohnung in Gaarden. Allerdings war das ein riesiger Fehler gewesen, weil etwa zur gleichen Zeit sich völlig unerwartet und von mir ungesteuert die Sinnkrise auf ganz andere Weise zu lösen begann: ich verliebte mich. Daß mir das nochmal passieren würde, hätte ich nicht gedacht. Und so kam es, daß ich mit nicht besonders unschuldigen Absichten Silvester 94/95 mit einer Kollegin nach London flog, dort einige Musicals besuchte, aber ansonsten nicht viel Beschreibliches unternahm und von da an faktisch bei Sabine wohnte. Am 7. April 1995 heiratete ich, im Juli zogen wir in ein Reihenhaus in Elmschenhagen, am 1. April 1996 kam unser erstes gemeinsames Kind (Eva - Sabine hatte außerdem Lisa (siehe Foto) mit in die Ehe gebracht, die am 9. November 1988 geboren worden ist), am 29. Dezember 1997 kam unser zweites gemeinsames Kind (Onno).

Unsere Familie
Unsere Familie plus eine Tante von Lisa. Von links nach rechts: Eva, Lisann (die Tante von Lisa), ich, Onno, Sabine und Lisa).

Nach verschiedenen Stationen in der Verwaltung arbeite ich jetzt im Büro der Oberbürgermeisterin von Kiel. Die Arbeit ist sehr interessant, aber anscheinend paart sich Qualität immer mit Menge: ich habe noch nie soviel gearbeitet wie auf dieser Stelle.

Die bislang üppig bemessene Freizeit eines Junggesellen ist inzwischen auf einen kleinen Rest zusammengeschrumpft. Sonntag morgens bleibt ein kleines Eckchen für das Auswerten von Ork reserviert. Im Herbst kann ich auf die Spielemesse gehen und im Sommer eine Woche in Plön bzw. jetzt Stakendorf mit 5 bis 7 anderen Männern verbringen, die Interesse an Brettspielen (und Ork) haben. Einmal im Monat gehe ich mit zwei Kollegen in das Wubbke, eine Kneipe in der Holtenauer Straße, in der es das beste Guinness östlich von Dublin gibt. Außerdem habe ich seit Mai 2002 damit begonnen, etwas intensiver zu laufen. Das war's dann etwa. Aber Freizeit ist nicht das Wichtigste; das habe ich während meiner Junggesellenzeit feststellen müssen. Außerdem klappt es ja doch, Ork weiterzuentwickeln, auch wenn das Tempo sich sehr verlangsamt hat.

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