24. Schusterlauf in Preetz 2007

Sonntag, 23.09.07

Kurz vorm Start der ca. 10 Meilen
km 1: 4:28 min
km 2: 4:02 min
km 3: 4:14 min
km 4: 4:17 min
km 5: 4:01 min
km 6: 4:15 min
km 7: 4:09 min
km 8: 4:14 min
km 9: 4:09 min
km 10: 4:37 min
km 11: 4:42 min
km 12: 4:00 min
km 13: 4:21 min
km 14: 4:10 min
km 15: 4:15 min
km 16: 4:03 min
km 16,44: 1:43 min
Länge/Zeit: 16,44 km, 1:09:40 h, 4:14 min/km
Profil/Wetter: wellig; sonnig, angenehm warm, trocken
Strecke: Rund um den Lanker See

Auch in Preetz gibt es eine Laufveranstaltung: den Schusterlauf. Teilnehmen kann man an einem 5-km-Lauf und an einem sogenannten 10-Meilen-Lauf, der für mich anstand. Dieser sogenannte 10-Meilen-Lauf führt rund um den Lanker See. 10 Meilen wären eigentlich 16,09 km, aber nach intensiver Untersuchung mittels meines Garmin Forerunner 205 und Korrekturen, die ich sowohl in Google Earth als auch auf der Magic-Maps-Karte vorgenommen habe, sind es in Wirklichkeit 16,44 km. Vielleicht auch nur 16,43, weil ich nicht ganz vorne an der Startlinie stand. 16,44 km sind 10,218 Meilen und nicht 10. Immerhin. Da bin ich kleinlich; das bedeutet bei mir rund eine Minute Laufen extra.

Darüber kann man fluchen, man kann sich aber auch darüber freuen: Nach dem Motto "Wenn's vom Guten etwas mehr sein darf" bekommt man 350 Meter extra, und das ist bei dieser Strecke ein Gewinn. Sie ist wirklich schön. Und ich hatte sowieso vor, zurückhaltend zu laufen. Zeitziel war irgendwas zwischen 1:10 h und 1:15 h. Nicht besser, weil ein Mitläufer (L, siehe weiter unten) mir kurz vorher grauenhafte Steigungen, fiese Wellen, gemeinen Untergrund und gegebenenfalls noch ordentlich Wind versprach. Das traf auch alles ein, bis auf ordentlich Wind. Es war vorzügliches Laufwetter. Blauer Himmel mit weißen Wolken, nicht zu warm, der Wind gerade gut genug für eine linde Brise, einfach wunderbar.

Gestartet wurde am Preetzer Marktplatz. In der Starttraube stehend stellte ich angenehm überrascht fest, daß man die Lautsprecheranlage nicht hörte. Meistens wird zum Start unangenehme Musik gespielt (wenn es ganz schlimm kommt, gibt es dazu auch noch Aufwärmgymnastik mit Sabine oder Roland oder wie der örtliche Fitnesstrainer so heißt), und der Sprecher wiederholt Triviales immer wieder. Das tat er möglicherweise auch in Preetz, aber schön leise, so daß es niemand mitbekam. Nur den Startschuß, und das ist das einzig Wesentliche.

Die Strecke schlängelt sich aus Preetz heraus (Kirchenstraße, Birkenweg, Am Lanker See - alles Straßen, die man nicht kennen muß, normale Vorstadt sozusagen) und erreicht nach zweieinhalb Kilometern das Grün. Und nicht nur das: sie erreicht auch die ersten Bodenwellen. Es sind weniger die langen, fiesen Steigungen als die kurzen, fiesen Steigungen, die Unvorbereitete fertig machen können. Ich war vorbereitet. Mir konnte nichts passieren. Ich ging es langsam an.

Ein Laufbericht wird erst mit Fotos schön. Daher habe ich mein Handy aufgeladen und es in meine Gürteltasche gesteckt. Ich wollte nämlich auch während des Laufens fotografieren. Das klappte nur mittelmäßig; die meisten Bilder waren verwackelt. Außerdem ist es seitenstechenrelevant. Die besonderen Bewegungen, die ich machen mußte, um das Handy herauszuholen, den Linsenschieber zu öffnen, zu knipsen und das Handy wieder zu verstauen, lösten unangenehme Gefühle im Bauchraum aus. Das kann ich nicht weiterempfehlen.

Bis Kilometer 8 ging es durch Wald und Feld, und zwar in dieser Reihenfolge. Immer wieder diese lästigen Hügeleien, selbst auf den Feldern. Dabei liefen wir eigentlich um einen See herum, und ein See hat überall einen gleich hohen Wasserspiegel. Da wäre es eigentlich logisch, daß das Ufer und die benachbarten Ebenen ebenfalls in etwa gleich hoch sind. Das sind sie vermutlich auch, aber es waren eben keine Ebenen benachbart, sondern Bodenwellen. Gut, daß ich vorbereitet war. So ganz langsam ging ich es allerdings nicht an, wie ich an meinen Zwischenzeiten merkte. Immer, wenn es flacher wurde, gab es Zwischenzeiten unter 4:10 min. Wird schon gut gehen.

Allee bei Gut Wahlstorf. Ganz klein und blau: L.
Der nächste Kilometer führte über eine hübsche Allee an dem Gut Wahlstorf vorbei. Das besteht aus einem sehenswerten Gebäudeensemble, aber dafür hatte ich gerade keinen Sinn. Als die Allee zu Ende war, ging es wieder in ein Waldstück hinein. Und da brach ich weg. Nichts ging mehr. Ich war total fertig. Denn es ging wieder hoch, und meine Muskeln sagten: "Och." So mit bedauerndem, aber doch endgültigem Unterton, wie "Nönö" oder "Morgen vielleicht, aber heute bestimmt nicht". Also machte ich Pause und senkte mein Tempo ab, bis es wieder angenehm war (km 10: 4:37 min, km 11: 4:42 min). Ich hatte ja vor, zurückhaltend zu laufen, und jetzt war nicht nur die Gelegenheit, jetzt war es erzwungen. Im Training ist 4:37 min/km für mich durchaus flott, aber während des Wettkampfs kam es mir vor, als würde ich praktisch stillstehen. Jeden Gedanken an eine ordentliche Zeit zwischen 1:10 h und 1:15 h hatte ich aufgegeben und den Lauf als interessante touristische Erfahrung abgeschrieben. Soviel zu "Ich war vorbereitet".

Zwei Läufer überholten mich. Ich nenne sie mal R und S, weil ich mir einerseits nicht sicher bin, ob sie gerne öffentlich genannt werden wollen, sie aber andererseits für den Text hier noch gebraucht werden. Und weil R und S leichter zu tippen sind als die richtigen Namen. Vor allem R lief gleichmäßig an mir vorbei, und mir wurde weh ums Herz, ihn davonziehen zu sehen. Es wurde mir allerdings auch leicht ums Herz, denn die zwei Schonkilometer gaben mir die nötige zweite Luft, um zu beschleunigen. Ich hing mich gnadenlos an R an. Ich dachte mir: wenn ich es schaffe, so schön gleichmäßig wie er zu laufen, dann kann es noch gut ausgehen. Besser als für B übrigens. B war ein Läufer aus Bokel, und wir liefen zu Beginn zusammen, bis es ihn irgendwo bei Kilometer 10 herum mit einem Wadenkrampf erwischte. Naja, besser Muskeln als Knochen oder Sehnen. Und vor allem: besser seine Muskeln...

Also: ab km 11 R, S und ich, in einem Dreiergespann. S ließ ein bißchen abreißen, so daß es am Ende nur noch R und ich waren. Langsam näherten wir uns L. L ist ein Läufer eines Laufvereins mit dem schönen Namen "Power-Schnecken" und läuft überall. Wenn irgendwo eine Ausschreibung erscheint, ein verfaulter Flyer herumliegt oder auch nur Flüsterpropagande getrieben wird: L läuft mit. Beeindruckend. Noch beeindruckender: Er läuft auch gut. Und zwar nicht nur gute Zeiten, sondern auch ästhetisch. Zum ersten Mal hatte ich ihn in Schönberg 2004 bewundert, damals noch unbekannterweise. In der Regel läuft er mir auf den ersten Kilometern davon. Wenn ich gut drauf bin, hole ich ihn dann in der Mitte wieder ein und setze mich gegen Ende ein bißchen von ihm ab. Das macht ihn besonders sympathisch. Diesmal brauchte ich im Gefolge von S aber bis Kilometer 15, bis das mir gelang, und von Absetzen konnte man auch nicht wirklich sprechen: Am Ende trennten L und mich nur 9 Sekunden.

Und das leitet zwanglos zum Ziel über. Auf dem letzten Kilometer zog R noch ein bißchen an, und ich hatte keine Chance. Ich wollte auch nicht kontern, weil er durch seine Führungsarbeit verdient hatte, am Ende nicht überholt zu werden. Und außerdem wußte ich, daß er nicht in meiner Altersklasse war, der Jungspund. Die Zielzeiten: R fünf Sekunden vor mir, ich mit 1:09:40 min (4:14 min/km im Durchschnitt), L wie gesagt neun Sekunden hinter mir und auch S blieb nur 26 Sekunden zurück. Und das Schöne war, daß sich jeder von uns vieren eine schöne Altersklassenplazierung verdiente: L und S wurden in ihrer Altersklasse Dritte und R und ich jeweils Zweite (bei mir: Platz 2 von 36 Männern). Insgesamt waren es die Plätze 14 bis 17 von 143 Männern (187 insgesamt).

Mit der Zeit war ich hochzufrieden. Unter 1:10 h bei der doch ziemlich schwierigen Strecke war mehr als ich erwartet hatte. Vor allem nach dem Einbruch bei den Kilometern 10 und 11. Insgesamt bin ich nicht besonders zurückhaltend gelaufen, obwohl ich das eigentlich wollte, aber das ist bei mir immer so. Wenn ich wirklich zurückhaltend laufe, muß ich Hase sein oder krank.

Nichtsdestotrotz haben es einige geschafft, die ganze Strecke in weniger als einer Stunde zurückzulegen: Sven Richter (58:09 min) und Christian Staub (59:51 min). Allergrößten Respekt! In diesem Zusammenhang fällt mir ein, daß ich auch ein wichtiges Nebenziel erreicht habe. Da Anke Tiedemann nicht teilgenommen hat, war ich schneller als die schnellste Frau (Nadine Felten in 1:14:41 h). Ich beeile mich zu versichern, daß es mir völlig egal ist, ob eine Frau schneller läuft als ich. Aber in Wahrheit geht das natürlich gar nicht!

Noch einige Worte zum Drumherum: Was auch nicht geht, ist die Tatsache, daß es für alle Männer vor dem Lauf nur ein einziges Klo gibt. Kein Pissoir, nur ein Sitzklo. Eines! Für 143 plus 5-km-Läufer plus männliche Walker! Ein zweites wurde von dem Organisator kurz vor dem Laufstart aufgeschlossen, entpuppte sich aber nur als Rumpelkammer ohne Spülfunktion. Für die Frauen gibt es auch nur ein Klo, aber da das weniger sind und von Geschlechts wegen nicht um die von mir begehrten Brillensitze konkurrieren, ist das nicht so schlimm. Wäre ich Stiftung Warentest, würde ich die Laufveranstaltung in meinem Testurteil mit mangelhaft bewerten müssen, weil sie die abdominale Sicherheitsprüfung nicht geschafft hat. Aber es gibt Wege, wie man sich helfen kann. Am einfachsten ist es, Windeln mitzubringen. Wer es nicht mag, mit einem Riesenposchi herumzulaufen, kann sich einfach schon eine Stunde vorher anstellen. Das habe ich gemacht. Da mußte ich noch nicht, aber als ich dran war (eine halbe Stunde später), war das schon ganz anders. Für Megaschlaue soll es noch Toiletten auf dem Marktplatz oder am Bahnhof geben, aber für Ortsunkundige wie mich ist das nicht ganz einfach zu finden.

Die Kilometerschilder standen - sagen wir einmal: anders. Ein Preetzer Kilometer ist so eigenwillig wie eine Preetzer Meile: jene zu lang, dieser zu kurz. Das ließ viele vermuten, die Strecke sei eigentlich 16,7 km lang. Denen sei zugerufen: "Ätsch!" Einige Kilometerschilder standen jeweils 50 bis 100 m zu früh (andere dann wieder im richtigen Abstand), und das läppert sich halt. So etwas macht mich immer wieder froh, daß ich stolzer Besitzer eines Garmin Forerunners 205 bin. Großartiges Gerät.

Das größte Schülerteam.
Die Siegerehrung war nett moderiert und hatte ihre rührenden Momente. Beispielsweise, als die wirklich alten Läufer auftraten: M80, und dann noch 5 km in 31:36 min laufen, das ist schon doll. Als der Läufer gerade geehrt wurde, schob auf dem Fußweg neben dem Marktplatz ein alter Herr seinen Gehwagen vor sich her. Älter als der M80-Sieger war der auch nicht. Ich bin wild entschlossen, weiter zu laufen.

Schön war auch die Ehrung des Schulteams mit den meisten Kindern und vor allem die Ehrung der Bambinis. Und überraschend war die Ehrung der W65-Altersklasse. Die Siegerin hätte ich auf 45 bis 50 geschätzt. Sie war es aber nicht: sie war Jahrgang 1942 (1:41:19 h). Laufen hält offenbar jung.

Aber die Siegerehrung war auch zu lang. Es war keine gute Idee, jeden einzeln nach vorne zu bitten und eine Leiter erklimmen zu lassen. Das kostet viel Zeit, und viele verschwanden denn auch, bevor die Siegerehrung zu Ende war. Das haben die später drankommenden Plazierten und vor allem hat es auch der Veranstalter nicht verdient. Wie es besser geht, demonstriert jedes Jahr der Ostufer-Fischhallenlauf.

Kuchen, Kuchen, nichts als Kuchen
(Bratwürste gab's ein paar Meter weiter)!
Köstlich war das Kuchenbuffet. Zu volksläufigen Preisen gab es tollen selbstgebackenen Kuchen. Wer den einen Kuchen mit Äpfeln, Rosinen und irgendwelcher Leckerschmiere in den Ritzen gebacken hat, verdient mindestens drei virtuelle Kochmützen. Vier Stück Kuchen habe ich vertilgt, und da war ich noch zurückhaltend.

Neben den Klos, die es nicht gab, gab es auch Medaillen, die es nicht gab. Ein etwas undurchsichtiger Satz. Was ich meine, ist: Ich mag Medaillen, und es gab hier keine. Schade. Stattdessen gab es irgendeine Sportdrinktüte mit Grapefruitgeschmack. Ich habe lieber nicht gelesen, was da so drin war, und sie schnell an L verschenkt.

Alles in allem: Ein Superlauf, eine tolle Strecke, da laufe ich gerne wieder. Vor allem, wenn das Wetter wieder so großartig ist wie heute.

Wenn Google Earth bei Dir installiert ist, kannst Du hier die kml-Datei mit Strecke, Kilometerpunkten und Zwischenzeiten herunterladen. Wenn Du diese Datei dann in Google Earth lädst, siehst Du genau, wo ich langgelaufen bin - zusammen mit 186 anderen. Laß Dich nicht davon irritieren, daß als Endzeit 1:09:50 h statt 1:09:40 h angegeben ist - ich habe mal wieder vergessen, rechtzeitig im Ziel zu drücken.