18. Sparkasse Kiel Lauf 2005

So, 11.09.05:
Am Sellspeicher

km 1 und 2: 8:27 min
km 3: 4:19 min (12:46 min)
km 4: 4:23 min (17:09 min)
km 5: 4:14 min (21:13 min)
km 6: 4:27 min (25:50 min)
km 7: 4:06 min (29:56 min)
km 8: 4:20 min (34:16 min)
km 9: 4:20 min (38:36 min)
km 10: 4:00 min (42:36 min)
km 11: 3:34 min (46:11 min)
km 12: 4:16 min (50:27 min)
km 13: 4:25 min (54:42 min)
km 14: 4:23 min (59:15 min)
km 15: 4:11 min (1:03:26 h)
km 16: 4:27 min (1:07:53 h)
km 17: 4:14 min (1:12:07 h)
km 18: 4:01 min (1:16:08 h)
km 19: 4:27 min (1:20:35 h)
km 20: 4:01 min (1:24:36 h)
km 21,1: 4:32 min (1:29:08 h)
Länge/Zeit: 21,10 km, 1:29:08 h, 4:13 min/km
Profil/Wetter: zur Hälfte eben, dann längere Steigungen, das ganze zweimal; bedeckt, angenehm, trocken
Strecke: Zwei Runden durch Kiel, vom Rathaus zum Hindenburgufer, dann über Kösterallee, Niemannsweg, Beseler Allee, Olshausenstraße, Hansastraße, Schillerstraße zurück über die Fleethörn zum Rathaus.

Der Kiel-Lauf ist auch dieses Jahr mein "Hauptlauf" gewesen. Allerdings hatte ich bislang eine alles in allem recht verkorkste Saison: 4 Monate Zwangspause wegen einer Beckenringfraktur bis Februar 2005, eine Wadenzerrung im Juni, fast sechs Wochen Knieprobleme bis Anfang September - dementsprechend sah auch mein Training aus. Praktisch keine langen Läufe, kein Tempotraining, immer wieder Wochen mit null oder fast null Kilometern - da konnte nicht viel herauskommen. Also habe ich mich auf einen Kilometerschnitt von 4:30 min geeinigt. Das wäre dann am Ende immerhin noch eine Zeit von unter 1:35 h. Zwar weit entfernt von meiner Bestzeit, aber unter diesen Umständen ok.

Der Kiel-Lauf besteht aus mehreren Läufen. Die beiden größten sind der Volkslauf (10,5 km, eine Runde, 1.735 ins Ziel Gekommene) und der Hauptlauf (Halbmarathon, zwei Runden, 1.586 ins Ziel Gekommene). Daneben gibt es noch einen Schüler- und Schnupperlauf über 6,5 km und einen Bambinilauf über 800 m. Ich habe am Hauptlauf teilgenommen. Man gönnt sich ja sonst nichts, und dann ist in den 12 Euro Startgebühr ein prima Funktions-T-Shirt von Puma drin. Das allerdings in der trübseligen Farbe Schwarz und im Wurstpellen-Stil geschnitten (selbst für mich Erschlankten ist XXL gerade man so eben passend).

2005 ging es wie im letzten Jahr "andersrum", d. h. man lief zwei Runden vom Rathaus zum Hindenburgufer und dann startend mit der Kösterallee über den Niemannsweg und einige andere Straßen wieder zurück zum Rathaus. Das bedeutete: der erste Teil der 10,5-km-Runde ist flach, ab km 5 gibt es nicht völlig unerhebliche Steigungen, die sich hinziehen wie ausgelutschtes Kaugummi, und ab km 8 kann man dann wieder Gas geben. Das ist taktisch interessant, weil es beim Kiel-Lauf abweichend von dem, was man überall liest, erforderlich ist, am Anfang schnell zu laufen (aber nicht zu schnell) und dann abzubremsen. Genauer: die Geschwindigkeit taugt bei diesem Lauf nur eingeschränkt, um die jeweilige Belastung zu messen. Denn der Ratschlag, am Anfang nicht zu schnell zu laufen, bedeutet ja eigentlich: am Anfang nicht zuviel Energie verbraten. Das ist beim Kiel-Lauf nicht deckungsgleich mit "nicht schnell loslaufen", denn die ersten Kilometer (und später die Kilometer 10 bis 15) sind Geschenke, während die übrigen Kilometer erkämpft werden wollen.

Ich lief ganz entspannt los, immer eingedenk meiner internen Vorgabe, heute nicht alles zu geben und nur einen 4:30er-Schnitt zu halten. An der Förde war es windig, aber das war nicht unangenehm. Der Himmel war bedeckt, es war trocken und muß so 14 C warm gewesen sein, fast ideale Bedingungen also. Meine Knie hielten sich. Dann kam kurz vor km 5 die Einbiegung in die Kösterallee, und da wird es für einen km richtig unangenehm (erste Steigung). Aber irgendwie muß seit letztem Jahr Erde abgetragen worden sein. Die Steigung kam mir gar nicht so schlimm vor. Und die innere Stimmung wuchs. Ich gab daher völlig unvernünftig einen Kilometer Gas. Aber dann ermahnte ich mich: nicht so schnell, du willst ja gar nicht auf 1:30 h laufen, du bist Rekonvaleszent und weise und klug und vorsichtig.

Bei km 10 ging es bergab. Die ganzen Höhenmeterchen, die ich angesammelt habe, mußte ich auf einem Kilometer ausgeben: am Rathausplatz vorbei, an moderner treibender Musik, jubelnden Menschenmassen und - ich laufe ja zum Spaß, also Hackengas und Schiet auf weise, klug und vorsichtig! Das gab zwei sehr schnelle Kilometer (2 km zusammen in 7:34 min). Natürlich war ich hinterher auch dementsprechend erschöpft. Aber es hatte Spaß gemacht, und ich ruhte mich dann auf den nächsten Kilometern etwas aus. Zwischendurch, so etwa bei km 13,5, gönnte ich mir ein Squeezy (Geltütchen mit Maisstärke). Kurz vor dem zweiten Einbiegen in die Kösterallee kam dann die zweite Luft für mich. Anstieg überwinden, und dann waren es ja nur noch 5 km. Also habe ich rücksichtslos alles gegeben.

Rücksichtslos übrigens ist ein gutes Stichwort: In der Olshausenstraße, so ca. bei km 18, war auf der anderen Straßenseite ein kleiner ca. achtjähriger Junge mit seiner Mutter, der vorlaut bemerkte (als ich vorbeilief): "Das sind alles nur Nichtskönner und Loser." Da mußte ich leider mit der unhöflichen Bemerkung "Halt die Schnauze, du Stinker!" reagieren, auch wenn das politisch natürlich nicht korrekt ist. Hat aber gut getan.

Bei km 19 hatte ich noch einen kleinen Einbruch, aber dann hörte ich die Massen in der Ferne jubeln und trampelte immer eiliger vor mich hin.

Und siehe da: am Ende war es nicht nur weniger als 1:35 h, sondern sogar weniger als 1:30 h! 1:29:08 h nämlich. Das ist zwar eine Minute langsamer als letztes Jahr, aber unter den widrigen Umständen im Vorfeld dieses Laufes hätte ich das nie für möglich gehalten. Ein versöhnlicher Abschluß einer verkorksten Saison.

Der Lauf war wie immer gut organisiert. Die Strecke finde ich von Mal zu Mal besser. Mit ca. 4.300 gemeldeten Läufern (davon knapp 2.000 auf der Halbmarathonstrecke) ist es auch schon ein recht großer Lauf. Bedauerlich ist nur, daß es außerhalb des Rathausplatzes wenig Zuschauer gibt. Kieler sind eben ein steifes Völkchen.

Hinterher gab es lecker Obst (Bananen und Honigmelonen) und alles, was die Firma "Wittenseer Quelle" so zu bieten hat. Und eine Medaille, das Ding, was gerade um meinen Hals baumelt. Ich hatte als Rathausbediensteter das Privileg, mich in meinem Dienstzimmer umziehen zu können. Das mit dem Umziehen und dem Duschen ist ansonsten der gravierendste Mangel des Kiel-Laufs: Insbesondere Duschen gibt es nur in der nicht gerade benachbarten Schwimmhalle, wo man mit Shuttle-Bussen hintransportiert wird.

Und dann begann das Warten. Das Warten auf die Tombola nämlich. Unter den Halbmarathonis wurden fünf Marathonreisen verlost. Gewinnen konnten nur Anwesende. Ein übler Trick, denn dadurch konnte man die Siegerzeremonie nicht versäumen. Und das Schlimme daran war wie letztes Jahr der Moderator. Eine echte Qual, vor allem, wenn er versuchte zu scherzen. Ich habe leider nichts gewonnen, und ich wäre doch so gerne auf Kosten anderer nach Zypern zum Marathon gefahren. Wer aber gewonnen hat, war Anna-Freda aus "Von Null auf 42", nämlich eine Reise nach Berlin zum Marathon einschließlich Unterkunft und Startplatz. Sie hat für den HM 2:19:59 h gebraucht.

Was für gute deutsche Läufer ein bißchen blöd am Kiel-Lauf ist, ist die hohe Kenianerquote. Der beste Nicht-Kenianer im Halbmarathon wurde 10. Der Abstand zwischen Platz 1 (1:04:00 h) und 7 war so ungefähr 14 Sekunden, dann kam gar nichts, dann das Ende von Kenia (ich rechne mal die Kenianer mit dänischer Staatsbürgerschaft dazu), dann noch vier Minuten und dann bei 1:08:44 h der beste Nichtkenianer, ein Läufer aus Rostock. Bei den Frauen war das entsprechend. Aber andererseits ist das ja nicht mein Problem, und wenn der Organisator meint, daß es den Lauf attraktiver macht, meinetwegen.

Noch ein paar statistische Daten: Bei den Männern hat der Läufer mit dem "mittlersten" Platz (Platz 615 von 1.231) eine Zeit von 1:48:01 h und die entsprechende Läuferin (Platz 177 von 355) eine Zeit von 2:01:48 h gelaufen. Die Werte für 2004 waren 1:48:32 h und 1:58:51 h. Das ist vielleicht ganz interessant für diejenigen, die noch nie einen Halbmarathon gelaufen sind und sich fragen, was "man" denn so läuft. Gewonnen haben Abraham Tandoi, Collins Kibet und Vincent Krop in 1:04:00 h, 1:04:01 h und 1:04:02 h und bei den Frauen Florence Jepkurui, Prisca Kiprono und Viola Bor in 1:14:43 h, 1:14:45 h und 1:14:57 h. Den Volkslauf über 10,5 km haben gewonnen Steffen Uliczka in 35:07 min und Beate Burmeister in 41:39 min.

Was habe ich für mich aus diesem Lauf gelernt? Erstens: ein Squeezy bei km 13 hat diesmal gereicht. Der Schub danach war deutlich spürbar. Zweitens: Ich habe zwischendurch bei jeder Wasserstelle einen Becher Wasser genommen, aus dem ich nur jeweils einen Schluck getrunken habe. Das konnte ich gut ohne Seitenstiche ab (bei mehr Wasser hatte ich in der Vergangenheit öfter Probleme). Drittens: Die Grundlagenausdauer war trotz des reduzierten Trainings für den Halbmarathon ausreichend, und an Geschwindigkeit habe ich trotz ausgefallenen Tempotrainings offenbar nichts verloren. Läufe von 13 bis 15 km scheinen die Form einigermaßen aufrechterhalten zu können. Viertens: Es war sehr angenehm, völlig ohne Zeitziel zu laufen. Es kam für mich bei diesem Lauf überhaupt nicht darauf an. Daher konnte ich herumprobieren und "Unsinn" laufen, und das war am Ende ziemlich gut.

Das war für dieses Jahr mein letzter Wettkampf. Jetzt laufe ich ganz ruhig durch den Winter, und nächstes Jahr wird es hoffentlich noch besser laufen (bzw. nicht "es", sondern ich werde das tun).