2. Windmühlenlauf Bokel 2007

Mittwoch, 22.08.07

km 1: 3:48 min
km 2: 3:54 min
km 3: 3:51 min
km 4: 3:53 min
km 5: 4:00 min
km 6: 4:02 min
km 7: 4:00 min
km 8: 4:02 min
km 9: 4:14 min
km 10: 3:55 min

Länge/Zeit: 10,00 km, 0:39:43 h, 3:58 min/km
Profil/Wetter: eben; heiter bis wolkig, laufwarm
Strecke: Schleife von Bokel nach Südosten und zurück.

In dem Oratorium "Die Schöpfung" von Haydn gibt es eine Nummer "Von deiner Güt, o Herr und Gott", in der Adam und Eva, begleitet von Orchester und gelegentlichen Choreinwürfen, im wesentlichen singen: "Wie wunderbar!". Das müßt Ihr Euch als Hintergrundmusik in Endlosschleife vorstellen. An einer bestimmten Stelle, die ich noch ausdrücklich angeben werde, kommt dann der Chor "Mit Staunen sieht das Wunderwerk" (eine Nummer, die auch gut zum ersten selbständigen Töpfchengang meines Sohnes gepasst hätte), aber dazu später.

Nun zum Bericht.

1. Vorwettkampfgejammere: Bla, Bla, Bandscheibe, bla, bla, Wintertraining minus, bla, bla. Naja, Ihr kennt das schon.

Auf dem Weg nach Bokel
2. Rahmenbedingungen: Ich bin im Anflug auf den Kiel-Lauf, ein Halbmarathon am 9. 9. Statt Tempoläufe mache ich 10-km-Wettkämpfe, das ist viel interessanter. Heute stand der Windmühlenlauf in Bokel an. Ungewöhnlicherweise findet der nicht am Wochenende, sondern an einem Mittwochabend statt. Da ich kein Auto habe, mußte ich von Kiel nach Bokel mit dem Fahrrad fahren (33 km). Startnummer besorgt, umgezogen und zum Start.

3. Das Drumherum: Den Windmühlenlauf gibt es dieses Jahr zum zweiten Mal. Es ist ein Zausellauf (Zausel, (c) by FrauSchmitt: ältere, meist sehnig-hagere, krummbeinige, angeglatzte Männer, die rücksichtsvoll sind, freundlich, seit hundert Jahren laufen und möglicherweise säuerlich riechen). Und zwar ein Elitezausellauf. Dort treffen sich Läufer, die kein Event wollen, sondern laufen, und die Besetzung ist überdurchschnittlich gut. Die Organisation ist ebenso zauselig: Alles da, was man braucht, aber nicht mehr. Beispiel Duschen: Das sind die Duschen des Bokeler Freibades, sie sind warm und sie sind nicht geschlechtergetrennt, und es gibt nur drei. Die fehlende Geschlechtertrennung macht uns Männern überhaupt nichts. Wir sind eh schneller als die Frauen und daher eher dran. Die Strecke ist offiziell vermessen (nach den DLV-Vorschriften mit Jones-Counter). Hinterher gab es Melonen, Bananen und Getränke in ausreichenden Mengen, und ich habe gut zugeschlagen.

Die Laufstrecke in Google Earth
Die Strecke ist eben. Völlig eben. Angeblich sollen sich irgendwo 12 Höhenmeter verstecken. Wer sie findet, darf sie behalten. Bokel braucht sie nicht. Im wesentlichen führt die Strecke an einigen Windrädern vorbei über Wirtschaftswege und eine Schleife wieder zurück ins Dorf.

4. Der Start: Beim Warmlaufen hatte ich ein schlechtes Gefühl. Das Fahrradfahren steckte mir noch in den Beinen, besonders in den Knien. Ich brauchte etwa fünf Minuten, bis sich das wieder wie normales Laufen anfühlte, was ich da machte. Und Steigerungen oder so was ließ ich lieber aus. Es war viel schöner, langsam durch den Knick an der Bokeler Gymnastikhalle in der Sonne zu wandern und unbeobachtet einen Baum zu nässen.

Das Wetter war in den vergangenen Tagen nicht gut zu uns, aber gerade zu der Zeit des Laufs wuchs es sich zu einem linden, sonnigen Sommerabend aus.

In der Startgruppe standen alle die vorher erwähnten Elitezausel. Ich hatte mich relativ weit vorne hingestellt, weil es nach Liste nur 123 Teilnehmer werden sollten. Da ich normalerweise so ungefähr im ersten Zehntel bei Volksläufen lande, und sechs pro Reihe Platz hatten, war die 2. Startreihe mein Plan. Der ging nicht auf, weil sich ein braunhäutiger Schönling mit superteurem Laufshirt unmittelbar vor mich stellte. Nase (meine) an Schulterblatt (seins). Schon hatte ich meinen Holger Meier. Etwas vor mir links stand ein Neumünsteraner Läufer, der ein bißchen an Jan Fitschen erinnerte, sowohl äußerlich als auch - wie ich später feststellte - läuferisch.

5. Der Lauf: Startschuß. Ich laufe wie ein junger Gott. Jedenfalls die ersten 5 km. 19:27 min, das hatte ich noch nie. Meine 10-km-Bestzeit liegt bei 40:19 min, und in diesem Jahr habe ich keine Zeit unter 41 Minuten zustande gekriegt. Sollte es wirklich klappen?

Nr. 351 kämpft. Links Jan Fitschen (Neumünster-Edition), im
Hintergrund die namensgebenden "Windmühlen".
Foto von Dr. Frank Steinmann aus der Bildergalerie des
Bokeler Windmühlenlaufs.
Es wird schwerer. Ich muß den Neumünsteraner Fitscheroiden ziehen lassen, der so schön in meinem Rhythmus atmet. Da komme ich einfach nicht hinterher. Aber immerhin: Kilometer 6 und 7 brauchen auch nur 4:02 min und 4:00 min. Ich stehe bei 27:31 min und habe also für die letzten 3 km 4:09 min pro Kilometer Zeit. Da keimt bei mir zum ersten Mal nicht nur Hoffnung, sondern die Vorfreude auf: ich werde es schaffen! Ich werde das erste Mal in meinem Leben über zehn Kilometer unter 40 Minuten bleiben!

Damit nichts schief geht, lasse ich absichtlich ein wenig nach. Nicht genug: Der Kilometer 8 ist mit 4:02 min immer noch recht schnell, und ich will nicht mit Seitenstechen, Krämpfen oder sonstigen Scheußlichkeiten zusammenbrechen. Denn es ist wirklich, wirklich anstrengend! Die Freude der ersten Kilometer muß ich jetzt in großer Münze ohne Wechselgeld bezahlen.

Kilometer 9 mit 4:14 min ist dagegen zu lässig. Panik! Ich muß den letzten Kilometer unbedingt in 4:12 min schaffen, und ich bin schon jetzt am Ende. Ich erinnere mich daran, daß ich in einem Roman über einen Läufer gelesen habe, daß er die Schwäche seines Vordermanns daran erkennt, daß dieser nicht mehr leicht vornübergebeugt, sondern nach hinten gebeugt läuft. Das tue ich auch gerade, also reiße ich mich zusammen, strenge die Muskeln im Restkörper auch noch einmal an, täusche eine elegante Haltung vor und laufe, laufe, laufe...

3:55 min war's für den letzten Kilometer. 39:43 min, und nach der offiziellen Ergebnisliste sogar 39:42 min. Zum ersten Mal in meinem Leben unter 40 Minuten auf 10 km. Und meine Bestzeit um 36 Sekunden verbessert. [Und jetzt: Lautstärke max, Chor: "Mit Staunen..."]

Ich fühle mich herrlich.

Danach mußte ich noch mit dem Fahrrad zurückfahren. Das waren weitere 35 km Fahrt, diesmal bei Dunkelheit, weswegen ich auch eine andere Strecke wählen mußte. Irgendwie doch recht anstrengend.

Übrigens: Der Sieger hatte eine Zeit von 34:00 min. Und im ersten Zehntel landen: das war diesmal nichts. Von 138 Läufern wurde ich 18. Auf den 13. Platz ist mein fitscheroider Zugläufer mit 38:43 min gelangt. "Holger Meier" landete deutlich hinter mir. Bemerkenswert ist, daß nur vier Läuferinnen und Läufer mehr als eine Stunde brauchten, und das auch nur sehr knapp (die langsamste Zeit: 1:03:39 h).