Lalala: Laufmusik

Um Mißverständnisse zu vermeiden: Musik ist beim Laufen nicht Pflicht. Ich mag es aber, und zwar vor allem im Winter, und wenn es draußen grau ist. Auf dieser Seite werde ich nach einigem allgemeinen Geschreibe einige Stücke vorstellen, die sich für mich beim Laufen eignen. Oberstes Gebot: völlige Geschmacksfreiheit. Außer Dir und mir weiß auch hinterher keiner, was ich höre; das bleibt also unter uns. Daß hier beispielsweise kein Titel von Freddy Quinn oder Heintje aufgeführt ist, liegt alleine daran, daß ich deren Musik nicht mag, nicht etwa daran, daß ich mich schämen würde, sie zu hören.

Wie fülle ich meinen MP3-Player?

Die triviale Methode per Explorer (bzw. besser: Freecommander) und Drag und Drop tut es natürlich auch. Aber viel besser wäre es doch, wenn irgendein Programm nach allgemeinen Kriterien eine zufällig gemischte, gerade zur Stimmung passende Mischung generieren würde, die es dann auf den MP3-Player überspielt. Einerseits will ich nicht immer das Gleiche hören, andererseits möchte ich es nicht selbst vorher festlegen, was ich an Neuem höre, weil ich dann nicht überrascht werde. Es gibt tatsächlich ein Programm, mit dem man das erreichen kann: MediaMonkey (findet man auf www.mediamonkey.com). Damit verwalte ich meine MP3-Dateien. Jeder Datei habe ich ein oder mehrere Stimmungsschlagworte zugeordnet (Langsam, Normal, Schnell, Nichtlaufen, Klassik etc.). In MediaMonkey kann man sogenannte Auto-Playlists konfigurieren, die bei jedem Aufruf zufällig Dateien nach vorher festgelegten Suchkriterien aussucht. So habe ich z. B. eine Auto-Playliste, die 200 KB "Schnell"-MP3s und 300 KB "Normal"-MP3s heraussucht und alle Dateien ohne eines dieser Schlagworte ignoriert. Das Ergebnis kopiere ich eine Playliste "Heute gern gehört", addiere dazu noch die gerade stehenden Favoriten (also die Stücke, die ich auf jeden Fall in der MP3-Mischung haben will) und sende dann den ganzen Inhalt an meinen MP3-Player. Sehr praktisch. Muß man zwar nicht haben, aber hat man es, ist es fein.

Hymnen

Ich mag beim Laufen unter anderem gerne Musik, die ich "hymnisch" nenne. Da das in den Einzelvorstellungen häufiger vorkommen wird, will ich das etwas näher erklären. Mit "Hymne" ist nicht "Nationalhymne" gemeint, sondern prunkvolle, melodiöse Musik, die eher statisch wirkt. Chöre statt Solostimmen, die den Refrain tragen, oder ausgedehnte Schlusssequenzen sind typische Merkmale für hymnische Musik. Beispiele: "The Storm Is Over Now" (R. Kelly), "All Good Things" (Nelly Furtado).

Die Musik

Carla Bruni

Ein Ex-Model mit kurz vorm Versagen stehender Stimme raspelt Gedichte ins Mikrofon. Das klingt musikalisch ziemlich unattraktiv. Ist es aber erstaunlicherweise nicht. Es sind langsame, melodische Geschichten, die Frau Bruni erzählt, die sich allmählich ins Ohr schleichen. Meine Favoriten:

At Last The Secret Is Out
Before The World Was Made
I Felt My Life With Both My Hands
Quelqu'un m'a dit
Those Dancing Days Are Gone
Tout Le Monde

Mika

Man denkt, man hat diese Lieder irgendwo schon einmal gehört. Aber auf dieser Seite geht es nicht um Originalität, sondern um ein Hilfsmittel fürs Laufen. Und Mikas Musik hilft. Melodischer Pop, bedenkenlos wimmernde Kopfstimme, schön gerade heraus. Erstaunlicherweise ist auf der CD "Life In Cartoon Motion" praktisch jedes Stück ein Treffer. Wo hat man das schon mal? Mein Lieblingsstück: "Any Other World". Aber eigentlich sind alle Sachen auf der CD schön.

Bon-Tino: Der Reiter

Eine Eurodance-Nummer, so nennt man das, glaube ich. Die Bässe rummsen und das elektronische Equipment gibt alles. Und das zu dem genialen Text: "Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er." Fehlt nur noch ein Stück zu dem Gedicht von Arnold Hau: "Der Panther, der Panther, erst lag er, dann stand er, worauf er so erschrak, daß er wieder lag."

Rare Bird: Bird On A Wing

Der einzige Hit von Rare Bird war "Sympathy", und den kennt vermutlich auch keiner mehr. Rare Bird hatten eine großartige LP gemacht, die "As Your Mind Flies By" hieß. Elektrische Orgel, eine tolle knödelnde Stimme und knirschende, knarrende Geräuschemitter verbanden sich zu gedrückt gewaltigen Rocknummern, zum Teil mit ordentlich kreischenden Experimentalphasen. "Bird On A Wing" ist eines der harmloseren Stücke mit einer einschmeichelnden Melodie.

Daz Sampson: Teenage Life

Im Eurovision Song Contest 2006 scheiterte der britische Beitrag völlig unverdient. Klar, Sängerinnen in Schulmädchenuniformen sind vielleicht nicht so der Brüller, zumindest musikalisch gesehen (aber immer noch besser als Flugbegleiter in himmelblauen Uniformen, die Großbritannien 2007 aufbot), aber das Lied ist wirklich witzig und zu Unrecht in Deutschland kein Hit geworden. Laufen läßt sich danach prima, eine Sprechgesangnummer mit einem eingängigen Refrain in schleunigem Rhythmus.

The Pipettes - We Are The Pipettes

Ein hübsches, naives Stück Mädchenrock. Erinnert ein bißchen an Glamrock, aber nicht ganz so simpel und übertrieben. Für schwungvolle Laufphasen gut geeignet. Ein ähnlich gelungenes Lied ist "Pull Shapes" von der gleichen Gruppe.

The Hooters

Am besten kauft man sich eine Best-Of-CD. Die Mischung aus Rock und Folk mit der charakteristischen Instrumentierung und den eingängigen Melodien bringt es immer wieder. Besonders zu Satellite läßt sich wunderbar Adrenalin und Endorphin und alles andere, was der Körper so an Wunderstoffen produziert, ausschütten.

R. Kelly - The Storm is Over Now

Mein Traum war (und ist es heimlich immer noch), einen Marathon unter 3:30 h zu laufen und zu den Klängen dieses Liedes das Ziel zu erreichen. Das muß prima sein. Hymnen funktionieren bei mir sowieso immer wunderbar, und das ist eine, besonders der gospelige Schluß.

Jan Delay - Für immer und dich (DJ Scream Remix)

Als ich das erste Mal "Klar" von diesem Sänger hörte, fand ich es scheußlich. Herr Delay kann nicht wirklich singen, das muß man wissen. Aber irgendwie ist diese nasale Stimme eine, die sich auf Dauer doch ins Ohr quält. Und mit ihr ein Liebeslied wie "Für immer und dich" zu singen, ist so unerhört, daß es schon wieder faszinierend ist. Es gibt das Stück in mehreren Abmischungen, die alle meistens mehr und selten weniger gelungen sind. Eine gelungene Aufnahme ist der DJ-Scream-Remix. Wenn ich gerade meine Delay-Phase habe, kommt das Lied in allen Varianten auf den MP3-Player, und dazu die Dub-CD von ihm, die auch zu den unterschätzten Werken gehört.

Greyhound - Black And White

Als ich ein kleiner Junge war, hatten meine Eltern eine graue Ente (2CV) mit weinroter Kühlerhaube. Damit sind wir in den sechziger Jahren nach Frankreich gefahren, nach La-Tranche-Sur-Mer, um genau zu sein, und mein Vater hatte eines dieser neuen Elektrogeräte, die sich Kassettenrekorder nannten. Es war der Urkassettenrekorder von Philips mit einer einzigen Taste, die Abspielen, Stop, Vorlauf und Rücklauf gleichzeitig regelte. Und auf der Kassette, die wir während der langen Autofahrt hörten, war auch dieses Stück drauf, das dadurch für mich eine Menge Erinnerungswert an einen wunderbaren Sommer hatte, auf einem Campingplatz am Atlantik, an glühend heißen Sand, an Boule unter schattigen Pinien, Stangenweißbrot mit Marmelade, Blätterteiggebäck mit Würstchen innen drin, an ein kleines hübsches französisches Mädchen, das ich nicht verstand, aber mit dem ich gerne mehr gespielt hätte - für Euch ist es aber immerhin noch eine niedliche Reggae-Nummer mit eingängiger Melodie.

Klaus Badelt - Will And Elizabeth

So kennt das Stück bestimmt keiner, aber wenn ich sage, daß dies ein Stück aus dem Soundtrack des ersten Fluch-der-Karibik-Films ist, dann wird sich jeder einen wuchtigen Orchestersoundtrack mit einer eingängigen Melodie vorstellen können. Schön schnell im Takt, so daß das Laufen leicht fällt.

Klee - Erinner Dich

Das Lied für alle Älterwerdenden (zusammen mit "Kein Zurück" von Wolfsheim). Es verursacht eine wehmütige Stimmung, daß man heulen könnte. Wenn es nicht so schön wäre, und man gerade liefe. Ich habe es das erste Mal gehört, als ich um den Walchensee in Bayern lief, und zwar ziemlich genau drei Kilometer südöstlich von Urfeld. Die Szenerie, See rechts, Bergwand links, Straße voraus, ist für mich unauslöschlich mit diesem Lied verbunden.

Lucilectric - Weil ich ein Mädchen bin

Als Mann kann ich natürlich die despektierliche Haltung gegenüber meinem Geschlecht, die aus dem Text dieses Liedes spricht, nicht gut finden. Aber lustig ist es trotzdem, und außerdem eingängig und flink, so daß es wunderbar zum Laufen geeignet ist. Wenn ich ganz alleine bin, irgendwo tief im Wald, singe ich heimlich mit (laut und falsch), aber das gebe ich natürlich nicht zu, weil das möglicherweise einen sehr seltsamen Eindruck machen könnte.

Gentleman - Send A Prayer

Eine langsame Reggae-Nummer. So ganz stimmt die musikalische Zuordnung vielleicht nicht, es ist kein Hardcore-Reggae. Sehr melodiös, gut geeignet für den langsamen Lauf.

Nelly Furtado - All Good Things (Come to an End)

Für mich (bislang) das einzige gute Lied von Frau Furtado. Sonst macht sie schrecklich hektische Dinge mit undurchschaubar schauriger Instrumentierung, häßlichen J.-Lo.-Halbsprechgesängen und ohne erkennbare Melodien (bis auf "Maneater", aber das Lied ist schon im Original doof gewesen), aber hier schleicht sie sich gar angenehm ins Ohr. Da hymnisch: gut.

Akon - Don't Matter

Akon macht zwar auch viel Unsinn (Geplapper zu nerviger Begleitmusik), gelegentlich aber hübsche, eingängige Stücke mit leicht hymnischen Touch. So eines ist neben "Lonely" auch "Don't Matter". Die Stimme von Akon ist angenehm weich, die Instrumentierung eher sparsam und modern, und die Quäkstimme als Sidekick witzig.

Al Stewart - Palace Of Versailles

Eine schlichte, freundliche und entspannte Stimme, ein sehr eingängiger Refrain - ich habe bei diesem Lied immer die Vorstellung, selbst durch den Palast von Versailles zu wandern. Ein Lied, das einem positive Gefühle vermittelt. Hübsch und praktisch vergessen.

Boerney und die Tri Tops - I Want It All

BTT ist eine ausgesprochen seltsame Mischung aus Cover- und Showband. Live ist das eine tolle Truppe, wenn man mal von der nervigen Frau-Jaschke-Nummer absieht. Neben interessant vorgetragenen Coverhits haben sie auch eigene Stücke im Programm, die gut abgehen, vor allem, wenn man schon einen im Tee hat. Aber auch Laufen geht wunderbar dazu. Partyrock vom Feinsten.

Danny Elfman - Men In Black

Filmmusiken können großartig sein. Einer der besten Komponisten auf diesem Gebiet ist meiner Meinung nach Danny Elfman, der unter anderem auch den Soundtrack zu Batman I und II und Spiderman I und II gemacht hat (ebenfalls sehr hörenswert). Das Thema von "Men In Black" ist ebenfalls typisch Elfman - seltsam klappernde Instrumente, schief, aber nicht zu schief, mit einer wunderbar schrägen Melodie. Unbedingt hörenswert, und erstaunlich schnell getaktet, was man allerdings erst merkt, wenn man versucht, im Rhythmus danach zu laufen.

Lucio Dalla - Canzone

Das musikalisch Witzige an diesem Lied ist, daß der Refrain eigentlich gar nicht der Refrain ist, sondern das, was der Heulchor sozusagen als Bindemittel zwischen Refrain und Strophe singt. Oder anders ausgedrückt: das Lied hat zwei verschiedene Refrains. Das gibt ein seltsames Spannungsverhältnis. Ansonsten ist es guter, alter Italopop: Einschmeichelnde Männerstimme, Popinstrumentation, und die Sprache tut ihr Übriges. Ein guter Vertreter der "hymnischen" Musik und immer wieder gut, um ein "Runner's High" zu erreichen.

Ich+Ich: Dienen

Ein Liebeslied. Das wäre nichts Besonderes, denn quasi alle Pop-Songs sind Liebeslieder. Aber besonders ist doch der Text und die entspannte Männerstimme. Ich finde, daß der Text ganz wunderbar deutlich macht, welchen Wert die Freiheit hat. "Freedom is highly overrated", wie ein Bekannter dazu sagen würde. Laufen läßt es sich dazu auch ganz wunderbar.