Laufen ist langweilig!

Am Anfang. Im Mai 2002 meinte meine Frau, auch ich sei zu dick und müsse dringend was tun. Sie schlug vor, daß ich mal mitkommen solle zu einem Lauftreff, wo sie zu walken beabsichtigte. Walken: es ist politisch nicht korrekt zu sagen, daß man Walken albern findet. Es ist bestimmt medizinisch prima, aber wie sieht das aus, wenn ein Mann in mittleren Jahren angestrengt mit den Ellbogen pendelt oder gar Stöcke hinter sich her schleift, um sich von normalen Spaziergängern abzusetzen. Ich fand es also ganz geheim für mich albern und begann stattdessen zu laufen. Jeder Termin war damals Pflicht. Zweimal die Woche bin ich auf meinen Bauch schielend zum Lauftreff des TV Jahn in Kiel-Elmschenhagen getrabt. Dort waren eine Menge nette Leute, einige davon in meiner Lage. Deshalb bin ich dabei geblieben. Aber als mir eine Mitläuferin im Herbst 2002 erzählte, daß ihr was fehlen würde, wenn sie nicht laufen könnte, habe ich ihr nur aus Höflichkeit zugestimmt; eigentlich war das gelogen. Mir hätte nichts gefehlt. Ich hätte auch gut auf meinem bequemen Poäng-Sessel von Ikea sitzen und Rotwein trinken können.

Das änderte sich, als die eine Stunde Durchlaufen gesichert war und ich merkte, daß ich zusehends schneller wurde (auf bescheidenem Niveau, aber immerhin). Da kam zunächst der Ehrgeiz und dann die Lust. Jetzt erzähle ich selber anderen Mitläufern, daß mir was fehlen würde, wenn ich nicht laufen könnte, und es ist nicht gelogen! Dabei ist der Reiz des Laufens nicht so sehr, eine neue Bestzeit im Wettkampf zu laufen. Zugegeben, das ist auch schön, und ich bin stolz, wenn mir das gelingt - und immer wieder erstaunt, daß es klappt. Aber die wirklichen Höhepunkte als Läufer sind, wenn man eine Stunde langsam vor sich hin läuft, bei niedrigem Puls, so 70% bis 75% von der maximalen Herzfrequenz, der Körper funktioniert brav vor sich hin, es tut nichts weh, man wird leise angestrengt, aber nicht wirklich - das ist so herrlich, daß man es eigentlich nicht beschreiben kann. Diejenigen, die das hier lesen und schon länger laufen, wissen, was ich meine. Und Du wirst es auch bald wissen. Trau Dich! Ein Jahr, und es sollte auch bei Dir soweit sein, daß Du selbst dann laufen würdest, wenn es dick machen würde.

Im Internet gibt es viele Laufseiten, aber die meisten sind von Profis. Erfahrungsberichte von Läufern der dicklichen Einsteigerklasse wie ich findet man in der Regel nur verstreut in Foren. Ich habe das vermißt. Vielleicht geht es ja anderen auch so - sie haben dann eine Seite mehr zum Ankucken. Außerdem kann man auf dieser Seite auch ein Programm zur Führung eines Lauftagebuches finden.