Essen 2001


Zu Essen 2000

Vom 18. bis zum 21. Oktober 2001 dauerte diesmal die Spielemesse in Essen. Leider waren gleichzeitig Herbstferien in Nordrhein-Westfalen. Das bedeutete, daß die Messehallen schon am Donnerstag und Freitag übervoll waren. Schön für die Veranstalter, schlecht für die Besucher. Neben den üblichen Essenfahrern (und dem üblichen Essenfastaberdanndochnichtfahrer) war diesmal auch Maddin mit. Historische Änderungen des üblichen Programms wurden von Uwe gegen überraschend geringen Widerstand durchgedrückt: der Grieche in Bochum wurde von einem Griechen in Bonn abgelöst, der andere Zahlen in seiner Speisekarte für Lammrücken mit Knoblauch hatte.

Und das waren die bemerkenswerten Spiele für mich auf der Spielemesse in diesem Jahr:

Ur - 1830 B. C.

Eine interessante Variante des 18xx-Spielsystems. Es spielt, wie der Name schon sagt, 1830 vor Christus, und zwar im Zweistromland. Jeder Spieler spielt ein reiches Adelsgeschlecht. Man kauft und verkauft Land ("Aktien"). Land wirft (nur) Erträge ab, wenn es bewässert wird. Dazu müssen die Königreiche ("Gesellschaften") Wasserreservoirs, Pumpen und Kanäle ("Schienen") bauen. Für die Königreiche handeln deren Könige, und das sind die, die das meiste Land im Königreich gekauft haben. Am Ende einer jeden Runde kommt die Regenzeit. Eine bestimmte Menge Wasser fließt von Norden nach Süden und wird nach und nach von den Flüssen in die Ländereien abgezweigt, wobei die nördlicher gelegenen Wasserentnahmestellen (Reservoirs) größere Chancen haben, an das kostbare Naß zu kommen als die südlicher gelegenen. Danach entscheidet sich, wieviel Erträge jeder Landbesitzer und wieviel Erträge jedes Königreich bekommt. Der wesentliche Unterschied zu den übrigen 18xx-Varianten ist, daß die "Aktien" (d. h. die Landgrundstücke) keine abstrakten Papiere, sondern ganz konkrete Felder sind, bei denen es sehr auf deren Lage und vor allem deren Terraintyp (Gebirge, Wald, Wüste, Ebene) ankommt - denn die Handelspreise ("Aktienkurse") der Länder hängen nicht von den Königreichen, sondern von der Bewässerung des Terraintyps ab.

Das Spiel scheint zu funktionieren und spielt sich sehr interessant. Meine Wertung: 1.

Klondike

Ein Kinderspiel von Haba. Es geht darum, Gold zu waschen. Ein Zug besteht im wesentlichen darin, eine Mischung aus Kiesel und Goldnuggets zu "reinigen", indem man drei Holzkügelchen in einem Metallteller zum Kreiseln bringt und möglichst geschickt die Kiesel (schwarze Holzkugeln), aber nicht die Goldnuggets (gelbe Holzkugeln) herauskreiselt. Die übrigen Spieler wetten, wieviele Goldnuggets zurückbleiben. Eines der wenigen einfachen Kinderspiele, das auch Erwachsenen Spaß macht. Als Kinderspiel daher: 1.

Urland

Ein entfernter Verwandter des sehr gelungenen Spiels Ursuppe von Frank und Doris Matthäus. Ich mag es nicht ganz so gerne: Das Gen-Thema kommt nicht so interessant herüber, weil man nur an recht wenig Stellen Gene erwerben kann. Dennoch ohne Zweifel ein gutes Spiel: 2.

Die Händler von Genua

Nein, es ist kein Abklatsch der Fürsten von Florenz. Ähnlich ist daran a) die Schachtel und b) das Prinzip, daß es mehrere konkurrierende Methoden gibt, zu Geld zu kommen. Aber die Umsetzung des Prinzips ist anders, wenn auch mindestens genau so gut. Eines der wenigen Spiele, die ohne Kampf auskommen, und dennoch spannend sind. Für mich eine klare 1.

Troia

Ein graubrauner Spielplan, graubraune Spielplättchen und ein gähnend langweiliges Thema: die Ausgrabungen in Troia. Man muß versuchen, möglichst viele zusammenhängende Plättchen auf den verschiedenen Spielplänen (Ausgrabungsschichten) abzulegen. Das Trickige dabei ist, daß am Anfang die Plättchen jeder Ausgrabungsschicht (in der historisch richtigen Reihenfolge) locker auf einen Haufen geworfen werden und man nur Plättchen an sich nehmen darf, die nicht von anderen Plättchen - sei es auch nur teilweise - verdeckt sind.

Der Spielmechanismus funktioniert, aber das Spiel hat mich nicht vom Hocker gehauen. Ich würde es nicht noch einmal spielen wollen; daher eine völlig subjektive 4.

Capitol

Es geht darum, in neun Stadtvierteln des alten Roms möglichst viele und hohe insulae (Mietskasernen) zu bauen. Punkte bekommen nur der erste und zweite pro Stadtviertel, wobei die gebauten Stockwerke (und im Zweifel das höchste Haus) entscheiden. Die Punkte, die man dann bekommt, hängen von Brunnen ab, die man auch noch im Stadtviertel unterbringen muß bzw. sollte, und ggf. von Sonderbauten wie Tempeln. Ich persönlich fand das Spiel erheblich besser als die meisten meiner Mitspieler. Das Spielprinzip klappt gut, und man muß eine Menge planen und überlegen. Mir macht es auch Spaß, eine Stadt allmählich vollzubauen. Meine Bewertung: 2+.

Zu Essen 2000