Essen 2000


Zu Essen 2001

Eine der Fehlentwicklungen der Menschheit ist die Aufgabe von Wohnungen in der Stiepeler Straße 173 in Bochum. Das führt nämlich dazu, daß man die Spielertage in Essen - dieses Jahr vom 26. Oktober bis zum 29. Oktober 2000 - nur von Bonn aus besuchen kann. Auch dieses Jahr war die übliche Mannschaft einschließlich des üblicherweise Fehlenden (bzw. gerade ohne ihn, weil er das getan hat, was er üblicherweise tut: fehlen) zur Spielemesse gefahren. Zu Uwe Mannherz mit Familie, um genau zu sein. Am Donnerstag und Freitag war der Messebesuch angesagt; am Samstag und Sonntag vormittag wurden Spiele ausprobiert. Und am Donnerstag abend ging es zum Griechen in Bochum ("Athen"), wo man neue Zaubernummern lernen mußte, die einem a) Tsatsiki, b) dicke Bohnen und c) Lammrücken gespickt mit Knoblauch und Rösti bescheren. Früher war das einfach: 16, 29 und 43a. Die neuen werde ich mir auch merken können - so in zehn Jahren vielleicht.

Anmerkung: Ich wurde inzwischen einige Male gefragt, wer sich hinter dem mysteriösen Fehlenden verbirgt. Es ist und war Roland Plaß.

Und nun die Übersicht über die in Essen gekauften und/oder gespielten Spiele:

Kardinal & König

Ein eher preiswertes Brettspiel, bei dem es darum geht, durch Klöster und Räte in verschiedenen Ländern Europas Punkte zu sammeln. Diese Punkte markiert man mit Markierungssteinen auf einer Wertungsleiste, die originellerweise um den Spielplan herum läuft.

Das Spiel funktioniert; es hat auch strategischen Witz. Es dauert nicht besonders lange, was nichts Schlechtes ist. Optisch wirkt es etwas karg, halt mittelalterlich. Es reizt mich persönlich nicht ganz so, dennoch erhält es eine 2.

Metro

32 Stationen (4 mal 8) liegen am Spielfeldrand. In der Mitte liegen interessante Bahnhöfe; Strecken dahin zählen doppelt. Die Aufgabe ist es, möglichst viele Punkte zu sammeln. Diese Punkte markiert man mit Markierungssteinen auf einer Wertungsleiste, die originellerweise um den Spielplan herum läuft.

Punkte bekommt man für Strecken. Eine Strecke geht von einem eigenen Bahnhof aus (man hat 32 geteilt durch Anzahl der Mitspieler Ausgangsbahnhöfe) und schlängelt sich dank der aberwitzig vergnurpselten Streckenkärtchen auf unberechenbare Weise über das Spielfeld. Da man sehr wohl auch fremde Strecken bauen kann, hat es eine nette destruktive Komponente. Ich mag destruktive Spiele, und ich mag Schienen, daher: 2+.

Ohne Furcht und Adel

Ein großartiges Kartenspiel für wenig Geld. Für mich eines der besten Spiele in letzter Zeit. Es hat sehr einfache Regeln und erstaunlich interessante strategische Optionen. Eine glatte 1.

Attila

Ein Spiel, in dem es darum geht, Punkte zu sammeln (ach was!). Man versucht, seinen Einfluß auf eine der mitspielenden Fraktionen (Stämmen) zu vergrößern und diesen Fraktionen wiederum ordentlich Einfluß auf der Karte zu verschaffen, die im wesentlichen den Mittelraum darstellt. Gemeinerweise wird das Differenzierungsmittel "Farbe" für beide Spielebenen benutzt, was sehr verwirrend ist. Ansonsten scheint das Spiel zu funktionieren. Aber wer so dilettantenhaft mit den Farben herumpfuscht, kann es nicht zu mehr als einer 3+ bringen.

Carcassonne

Kurz vor meiner Abfahrt am Sonntag haben wir das Spiel schnell mal durchgezogen. Es dauerte nicht lange (unter einer Stunde, glaube ich). Es geht darum, daß man eine Landschaft aus verschiedenen Elementen (Wiesen, Straßen, Stadtteilen, Klöstern) auslegt. Jeder Spieler zieht ein Plättchen vom verdeckten Stapel und legt es irgendwo sinnvoll an. Das sieht hübsch aus. Man versucht außerdem, Einflußsteine auf Städte, Wiesen, Klöster usw. abzulegen, damit man dafür Punkte bekommt. Diese Punkte markiert man mit Markierungssteinen auf einer Wertungsleiste, die originellerweise um den Spielplan herum läuft.

Der Zählmechanismus ist etwas verwirrend, aber anscheinend gut ausgewogen. Ein wirklich schönes Spiel: 1-

D&D Diablo II

D&D für Diablo-Fans. Sehr vereinfachte D&D-Regeln, schönes Spielmaterial. Ich mag es. Es erinnert mich an die Zeit, als ich noch viel Zeit zum Spielen hatte und man sich daher in wochenlange Rollenspielsessionen vertiefen konnte. 2.

La Citta

Ein tolles Spiel für alle, die Civilization am Computer geliebt haben. Man baut Städte mit interessanten Versorgungseinrichtungen, so daß man seine Junx mit Nahrung versorgen und mit Kultur, Bildung und Gesundheit erfreuen kann. Wenn Städte sich nahe kommen und eine Stadt attraktiver als die andere ist, findet eine Wanderung statt. Das ist für den Spieler mit den attraktiveren Städten gar nicht immer so günstig, weil möglicherweise gar nicht genug Korn bereit steht, um die Neuankömmlinge zu versorgen.

Eine klare 1.

Fürsten von Florenz

Es ist selten, daß es mehrere "große" Brettspiele in einem Jahr gibt, die wirklich hervorragend sind. Aber es ist nicht unmöglich, wie das Jahr 2000 und das Spiel "Fürsten von Florenz" beweist. Es geht darum, als ein reicher "Stadtteilfürst" Bauwerke zu errichten, die einem möglichst viele Ruhmpunkte verschaffen. Man glaubt es nicht: Diese Punkte markiert man mit Markierungssteinen auf einer Wertungsleiste, die originellerweise um den Spielplan herum läuft. Interessant wird das Spiel dadurch, daß es mehrere Faktoren gibt, die ein Bauwerk mal mehr, mal weniger wert sein lassen. Ich mag die Grafik und die Schrift gern. Ein Pöppel-Revue-Rezensent hat sich allerdings negativ darüber ausgelassen.

Auch dieses Spiel verdient eine 1.

Java

Man könnte es als einen ideellen Nachfolger von Tikal betrachten. Viele Mechanismen sind ähnlich wie Tikal. Hübsch ist das Übereinanderstapeln von Spielbrettelementen gelöst, wodurch sich die strategische Situation ständig verändert. Ziel des Spiels ist es, Punkte zu sammeln. Diese Punkte markiert man mit Markierungssteinen auf einer Wertungsleiste, die originellerweise um den Spielplan herum läuft (habe ich irgendwo schon mal gelesen, den Satz).

Die Probepartie in Essen lief vielversprechend. Aber ach! Dann kam die Schlusswertung. Sie ist katastrophal, weil alles, was man bisher erarbeitet hat, wertlos gemacht wird durch das viel zu starke Übergewicht der Schlusspunkte.

Daher leider nur eine 4.

Kampf um Rom

Taugt einfach nichts. Es ist spielbar, aber langweilig: 4.

Zoon

Der Versuch, Stratego und Sammelkartenspiele zu verbinden. Kleine Karten mit Mitgliedern von Zoon-Stämmen ziehen auf einem strategoähnlichen Brett, wobei jede Karte verschiedene Bewegungsmöglichkeiten und Kampfmöglichkeiten hat. Ein interessanter Versuch, aber leider nicht gelungen. Besonders misslungen finde ich die Art und Weise, wie Kämpfe ausgewürfelt werden: Die Karte wird verdeckt gedreht; der Gegner deutet auf eine Ecke; die Karte wird aufgedeckt - und die Zahl in der ausgewählten Ecke isses dann. Da gibt es nicht mehr für als eine 5.

Blitz und Donner

Das Spiel habe ich nur gekauft, aber noch nicht ausprobiert. Es ist für zwei Personen, ein Kartenspiel, in der Pöppel-Revue hoch gelobt und für meine Frau und mich gedacht, um sie vom Big-Brother-Sehen abzuhalten.

Zu Essen 2001